Zeilen statt Zigaretten

Einmal Poesie für zwei Euro

Musikalisch, kreativ, sozialkritisch: Frank Findeiß in seiner Wohnung in Bad Godesberg.

Musikalisch, kreativ, sozialkritisch: Frank Findeiß in seiner Wohnung in Bad Godesberg.

Bad Godesberg. Der Bad Godesberger Dichter und Musiker Frank Findeiß schreibt Lyrik für die Literaturautomaten in NRW. In Bonn sucht man einen dieser Automaten jedoch vergeblich.

Kultur statt Kippe – so lautet das Motto des „Literaturautomaten“, dessen Initiatoren an verschiedenen Standorten in Deutschland alte Zigarettenspender auf den Kioskbetrieb für Gedichte und Kurzgeschichten umgestellt haben. Das Projekt feiert zehnjähriges Bestehen. Ab dem 13. Dezember ist die ehemalige Bundeshauptstadt jedoch durch die Texte eines Dichters aus Bad Godesberg im Sortiment vertreten: Der 1971 in Trier geborene Frank Findeiß, der 1994 für ein Magisterstudium nach Bonn gekommen ist und den es seitdem nicht wieder fortgezogen hat.

„Aus'm Effeff“ steht auf dem Cover des kleinen Heftchens, das für zwei Euro am Automaten gezogen werden kann; der nächste befindet sich in Düsseldorf. „Man musste sich dafür bewerben, und natürlich freue ich mich über die Anerkennung. Das ist kein alltägliches Projekt und eine witzige Art, sich als Künstler bemerkbar zu machen“, sagte er im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Findeiß ist nicht nur Dichter, sondern auch Musiker: „Da gibt es Schnittmengen. Wenn ich schreibe, habe ich für einzelne Zeilen oft schon eine Melodie im Kopf“, erklärte er. Nach einer künstlerischen Früherziehung spielte er viele Jahre in Orchestern, in seiner Abiturzeit kam die erste Rockband dazu. Im Schlagzeugspielen, dem Instrument seiner Wahl, gibt er heute auch Unterricht. „Was die Lyrik angeht, habe habe ich mit Songtexten angefangen, damals noch auf Englisch“, erinnerte sich der Mittvierziger, dessen Wohnzimmerwände CDs und Bücher zieren, dazwischen stehen seine Instrumente.

Kaum Interesse an Prosa

„Den ersten schriftstellerischen Erfolg überhaupt hatte ich mit Elf, bei dem bundesweiten Wettbewerb 'Schreib Weiter', da konnte ich mich mit einer Kriminalgeschichte platzieren“, sagte Findeiß, der sich für Prosatexte eigentlich kaum interessiert: „Gedichte sind für mich wegen der Kürze die beste Ausdrucksform. Ich muss Dinge auf den Punkt bringen können. An einem Roman könnte ich mich nie abarbeiten“, sagte er und fügte schmunzelnd hinzu: „Normalerweise rede ich auch gar nicht so viel wie jetzt.“ Längere Texte bevorzugt er in Form von Sachbüchern, der erste selbst erworbene Band war Erich Fromms „Haben oder Sein“, wie er heute noch weiß.

Wesentliche Impulse für seine dichterische Tätigkeit schreibt er seinem Studium der Philosophie, Soziologie und Gesellschaftswissenschaften zu: „Bei Hausarbeiten blieben oft Gedankenreste. Anfangs fühlte es sich seltsam an, einfach so zu schreiben, ohne zu wissen weshalb oder für wen. Aber damit konnte ich Dinge verarbeiten.“ Findeiß' Texte sind sozialkritisch, seine Magisterarbeit schrieb er über Karl Marx. Auf Vorbilder angesprochen, nannte er Liedermacher vor allem aus der Deutschrock-Szene der 1980er Jahre: „Wolfgang Niedecken von BAP, Herbert Grönemeyer, Klaus Lage, Heinz Rudolf Kunze, Udo Lindenberg, die haben mich beeinflusst.“

Dass Lyrik heutzutage eine vergleichsweise unpopuläre Textgattung darstellt, ist ihm bewusst. „Gedichte liest man nicht so schnell runter wie Romane, das passt nicht zu unserer schnelllebigen Zeit. Ich glaube, jeder Künstler möchte verstanden werden, aber die Deutung gleich auf dem Tablett mitservieren, das kann es nicht sein. Trotzdem möchte ich im Prinzip jeden erreichen“, sagte er über die Zugänglichkeit seiner Lyrik. Inhaltlich greife er oft Alltagsprobleme auf, wie sie die meisten Menschen kennen. „Damit verarbeite ich selbst meinen Frust, und ich bin sicher, da finden sich viele wieder.“

Für das Heftchen in der umfunktionierten Zigarettenschachtel hat er eine Reihe von kürzeren Gedichten ausgewählt, zwei davon sind neu. „Es sind natürlich Sahnestücke. Ich denke, die verschaffen einen guten Eindruck von meinem Stil“, so Findeiß. Das breite Themenspektrum ist an den Titeln ablesbar, von „Wettstreit der Künste“ bis „Gastfeindlichkeit“. Noch bis Mitte Februar soll „Aus'm Effeff“ in zehn der Literaturautomaten erhältlich sein, die über das Bundesgebiet vereilt sind.

Die genauen Standorte sind im Internet zu finden auf www.literaturautomat.eu.