Wohnen im Alter

Ein sicheres Zuhause für Demente

Birgit Ratz (rechts) und Marlene Wiedey (links) bereiten die Geburtstagstorte zum fünfjährigen Bestehen der Demenz-WG vor,

Birgit Ratz (rechts) und Marlene Wiedey (links) bereiten die Geburtstagstorte zum fünfjährigen Bestehen der Demenz-WG vor,

BAD GODESBERG. Fünf Jahre nach Gründung der ersten WG plant der Bonner Trägerverein LeA neue Wohngemeinschaften in Brüser Berg und Pennenfeld. Senioren haben hier feste Bezugspersonen.

Uschi sitzt etwas abseits vom Kaffeetisch und streichelt immer wieder über den Kopf einer Babypuppe. Ein Hauch von einem Lächeln huscht über ihre Züge. Uschi ist kein Kind, sondern eine alte Frau und seit fünf Jahren Mitglied der ersten und bislang einzigen Bonner Demenz-Wohngemeinschaft (WG).

„Wir haben schwere Zeiten mit ihr gehabt, weil sie in einer Phase abweisend war“, erzählt Birgit Ratz, die Vorsitzende des Bonner Vereins LeA (Lebensqualität im Alter). Jetzt strahlt Uschi (es dürfen nur die Vornamen der Bewohnerinnen genannt werden) eine wunderbare Ruhe aus.

Vor genau fünf Jahren hatte LeA im Rahmen eines Pilotprojekts diese von der Vebowag behindertengerecht umgebaute Großraumwohnung eingeweiht. Und vier der fünf Bewohnerinnen von damals sind bis heute „an Bord“. „Nur eben schwächer. Es wird eben immer weniger mit ihnen.“ Uschi habe inzwischen die versöhnliche Variante von Demenz erreicht, sagt Ratz. Derweil umwickelt die alte Dame ihre Puppe liebevoll und akkurat mit einer Serviette.

Fachkräfte, Minijobber und Pflegedienst der Caritas im Einsatz

Die Jubiläumstorte auf dem Tisch will angeschnitten werden. Bewohnerin Inge wartet schon auf das erste Stück. „Mir gefällt es hier sehr gut. Es ist so schön warm hier“, erzählt sie, auch eine Bewohnerin der ersten Stunde. Wie es ihr heute gehe? „Mal so, mal so“, antwortet Inge. Emma sitzt schweigsam und offensichtlich teilnahmslos im Rollstuhl. Sie bleibt hier in ihrer gewohnten Umgebung und hat immer ihre Bezugspersonen um sich.

„Das müssen wir eben aushalten, dass Emma nicht mehr regieren kann“, meint Betreuerin Marlene Wiedey, die ebenfalls vor fünf Jahren in die Arbeit einstieg. Wenn sie abends nach Hause komme, wisse sie, dass sie hier Gutes getan habe. „Und die Frauen geben mir auch so viel Dank zurück.“ Aber zwischen die Einsätze müsse sie auch immer freie Tage legen, damit sie Abstand gewinnen könne. Die Dementen werden von drei fest angestellten Fachkräften, zwölf Minijobbern und dem ambulanten Pflegedienst der Caritas versorgt.

Mitarbeiterin Helga Saam springt gerade zum Tisch, weil Uschi dort ihr Kuchenstück zerbröselt. Die Seniorin liebt es, Essenvorräte in ihrem Schrank zu bunkern und vermodern zu lassen. „Sozusagen für schlechte Zeiten. Das tut manchmal schon im Herzen weh“, sagt Birgit Ratz, die jetzt mit Gertrud und deren Tochter die Torte verteilt.

„Voriges Jahr hat sie noch gehäkelt. Ich habe Berge von Topflappen zu Hause. Jetzt geht auch das nicht mehr“, erläutert die Tochter. „Da habe ich Wolle mit dem Spinnrad gewonnen“, erinnert sich die Mutter mit einem Lächeln.

Zwei neue Demenz WGs in der Celsiusstraße

Sie mischt problemlos Zeiten und Orte. Die Eltern hätten früher eine Landwirtschaft gehabt und ein Restaurant geführt, erklärt die Tochter. „Ja, ich kann auch Kühe melken“, teilt die Mutter nun mit. Sie sei so froh, dass ihre Mutter in der WG ein zweites Zuhause gefunden habe, meint die Tochter. „Ich konnte sie einfach nicht mehr pflegen.“ Und die Mutter brauche Gesellschaft, Bezugspersonen, die ihren dementen Phasen standhielten.

Die Gesellschaft müsse aushalten lernen, dass sich alte, verwirrte Menschen langsam aus der Realität verabschiedeten, erläutert Ratz. In der Celsiusstraße in Brüser Berg werde LeA im Rahmen des dortigen Quartiersprojekts 2018 zwei neue Demenz WGs bezugsfertig haben, und auch in Pennenfeld soll es eine weitere WG geben. „Wir verhandeln gerade mit der Vebowag.“

Kontakt zum Verein LeA unter www.lea-bonn.de.