Generalkonsulat

Ein Stück Russland in Godesberg

BAD GODESBERG. Im russischen Generalkonsulat in Schweinheim, dem größten Generalkonsulat, das Russland weltweit unterhält, arbeiten und wohnen rund 130 Mitarbeiter. Kürzlich war eine Besuchergruppe dort zu Gast.

Die Russen sind da! Allein diese drei Wörter genügen, um die Ambivalenz der deutsch-russischen Geschichte zu erspüren. So wird der Ausruf im Oktober andere Gedanken ausgelöst haben als im Frühjahr 1945.

Nun sind das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Völkerschlacht bei Leipzig gewiss Extremwerte in den wechselvollen Beziehungen beider Länder. Die Feststellung, dass beide Völker zumeist ein partnerschaftlich-normales Verhältnis pflegten, gehörte am Dienstagabend zu den Erkenntnissen des Besuchs von zwei Dutzend Bad Godesberger Bürgern im russischen Generalkonsulat in Schweinheim.

Dort wurde die Gruppe, die auf Initiative von Reinhard Pfotenhauer als Mitglied der Bad Godesberger FDP erschienen war, vom stellvertretenden Generalkonsul Vladimir Pyatin herzlich empfangen.

Nach einer kurzen Begrüßung führten die Gastgeber ihre Gäste in eine Ausstellung, die der Öffentlichkeit zumeist verschlossen bleibt. Handverlesen und liebevoll drappiert sind in einem repräsentativen Raum allerlei Erinnerungsstücke, Dokumente und Fotos zusammengetragen worden, die sich über Jahrzehnte der diplomatischen Vertretung Russlands in Bonn angesammelt haben.

Erst gegen Ende der 1980er Jahre war der riesige Gebäudekomplex in Anwesenheit von Generalsekretär Michail Gorbatschow eingeweiht worden - es war der größte Empfang, den das Areal jemals gesehen hat.

Ohnehin neigt das Gelände zu Superlativen: Mit einer Grundstücksfläche von sieben Hektar handelt es sich bis heute um das größte Generalkonsulat, das Russland weltweit unterhält. 25 Diplomaten und rund 100 weitere Angestellte, ausschließlich russische Staatsbürger, arbeiten - und leben - hier.

"Für diesen kurzen Weg zur Arbeit werden wir von vielen Kollegen in Moskau beneidet", erzählte ein Diplomat den schmunzelnden Gästen. Dass sich die Russen hinter den Botschaftsmauern abschotten würden, gilt zumindest heutzutage nicht mehr.

Kürzlich beispielsweise unternahm eine Delegation einen Besuch im Atelier des Wachtberger Künstlers Michael Franke. Nur ein trefflicher Zufall ist es indes, dass sich die Kontakte in einem Jubiläumsjahr derart intensivieren: Vor genau 250 Jahren unterschrieb Katharina die Große das Manifest, mit dem sie tausenden deutschen Bauern die Ansiedlung in den Ebenen der Wolga ermöglichte.