Michaelskapelle saniert

Ein Stück Himmel wird eröffnet

BAD GODESBERG. Der Stuck strahlt so weiß wie lange nicht mehr, übertroffen nur vom Gold des Altars: In der Michaelskapelle am Fuß der Godesburg ist alles bereit für die feierliche Wiedereröffnung. Die Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten sind nach einem Jahr beendet.

Besucher sind am Vorabend des Himmelfahrtstages, 28. Mai, um 19 Uhr zu einer Messe in der Kapelle eingeladen. Für alle, die keinen Platz in dem kleinen Kirchlein finden, wird die Feier nach draußen übertragen. Anschließend lädt der Förderverein Michaelskapelle zu einem Empfang auf die Godesburg ein.

"Ich hätte nicht geglaubt, dass es so großartig wird", sagte Stadtarchivar Norbert Schloßmacher, zugleich zweiter Vorsitzender des Fördervereins, dem GA. Die Kapelle sei das einzige erhaltene Beispiel für kirchliche Baukunst der Wittelsbacher aus dem 17. Jahrhundert am Rhein.

"Die Michaelskapelle zeigt sich nun in beeindruckender Schönheit als das eigentliche Glanzlicht im Godesberger Wahrzeichen, der Godesburg", sagte Dechant Wolfgang Picken. Bis zum Bau der Marienkirche diente die Michaelskapelle zunächst als Privatkapelle des Kurfürsten, dann als öffentliche Gottesdienststätte und später als Pfarrkirche für das Zentrum von Bad Godesberg.

Der Innenraum ist mit kostbarem Stuck, Fresken und Altarbildern ausgestattet. "Der Eintritt durch die eher schlicht anmutende Fassade mit ihrem kleinen Turm lässt nicht vermuten, dass sich ein so beeindruckender Innenraum präsentieren wird. Die Kapelle vergegenwärtigt ein Stück Himmel mitten in unserer turbulenten Alltagswelt", sagt Picken.

Die Michaelskapelle wurde in drei Abschnitten saniert: Zunächst wurden die Fundamente trocken gelegt. Anschließend wurden die Dächer von Kapelle und Eremitage neu eingedeckt. Zuletzt wurden die Stuckarbeiten restauriert.

"Die Kapelle war über lange Jahre bereits in einem höchst bedenklichen Zustand. Umso mehr freuen wir uns, dass wir in den letzten zwei Jahren dieses umfangreiche Projekt in Angriff nehmen und jetzt abschließen konnten", sagte Picken.

Die Sanierung hat nach Angaben des Dekanats rund 750 000 Euro gekostet. Das Erzbistum Köln hat mit 450 000 Euro den größten Teil übernommen, 220 000 Euro kamen von Bund und Land. Letzter Anstoß für die Sanierung war, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Kapelle in ihr Förderprogramm aufgenommen und 50 000 Euro zur Verfügung gestellt hat.

 Der Förderverein Michaelskapelle hat sich mit insgesamt 9000 Euro beteiligt. Laut Schloßmacher geht das Engagement weiter. "Wir haben noch manches vor, solch ein Gebäude ist nie endgültig fertig", sagte er.

Kurz vor der Wiedereröffnung hat der Förderverein noch einen neuen Klöppel für die Glocke und ein Podest für die Orgel finanziert. Die Orgel selbst ist eine Leihgabe des Erzbistums Köln. Die Kapelle ist nun also nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar erneuert. "Das Leihinstrument wird für eine würdige Gestaltung der Gottesdienste mit Sorge tragen", sagte Dechant Picken.

Im Zuge der Renovierung wurde die Michaelskapelle auch mit historischen Sitz- und Kniebänken ausgestattet, die aus der Bonner Kirche St. Remigius stammen. Eine weitere Besonderheit sind laut Picken die beheizbaren Sitzkissen auf den Kirchenbänken. "Die Kapelle ist nicht zu beheizen. Deshalb haben wir uns für diese Lösung entscheiden, um auch im Winter eine Nutzung der Kapelle zu ermöglichen", erklärte er.

Der Förderverein

2009 wurde der Förderverein Michaelskapelle gegründet, der sich seither für den Erhalt des barocken Kleinods unterhalb der Godesburg einsetzt. Mit der Wiedereröffnung der Michaelskapelle ist die Arbeit nicht beendet. Es gibt weiterhin viele Ideen, von kleineren Anschaffungen bis hin zu einer eigenen, für den Raum gemachten Orgel. Mehr unter www.foerderverein-michaelskapelle-ev.de.