Eimer mit hochexplosivem Stoff gefunden

Ein Roboter soll das explosive Pestizid bergen

Muffendorf. Die Probe, die am Dienstagnachmittag Sprengexperten des LKA einem der Chemikalienbehälter entnahmen, hat bestätigt: Es handelt sich um das Pestizid DNOC - das ist 2-Methyl-4,6-Dinitropgenol.

Wer mit Chemiekenntnissen ausgestattet ist, erkennt, dass darin der Begriff "Nitro" steckt. Es handelt sich um doppelt nitriertes Kresol, dass in Verbindung mit den rostenden Metalleimern eine explosive Mischung ergeben kann. Mit dieser Erkenntnis war auch den Einsatzkräften klar, dass sie bei der Sicherung mit allhöchster Vorsicht ans Werk gehen müssen und einige Tage benötigen.

[kein Linktext vorhanden]Wie berichtet, haben Bewohner einer Hauses an der Muffendorfer Martinstraße in der Zwischendecke eines Schuppen vier Metalleimer mit einer chemischen Substanz entdeckt. Anhand der Etiketts stellte sich heraus, dass es sich um ein Pestizid mit dem Namen Selinon handelt. Nach Auskunft von Roland Trebbe, Feuerwehrfachberater für ABC, wird dieses Mittel seit Anfang der 1930er Jahre nicht mehr hergestellt. Das bedeutet, die Chemikalie - vier Behälter mit je zehn Litern - ist über 80 Jahre alt.

Da es ein Teil des Insektizids mit den über die Jahrzehnte durchgerosteten Eimern reagiert hat, hat die Bonner Feuerwehr in Absprache mit Experten des Landeskriminalamtes, des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbaucherschutz, des Bonner Umweltweltamtes, der Werkfeuerwehr Bayer sowie der Analytischen Taskforce den begründeten Verdacht, dass die Metallsalze bei Bewegung oder Reibung explodieren könnten.

Häuser im Umkreis von 100 Metern in Gefahr

Die ursprünglich angenommene Sprengkraft von 20 Kilogramm TNT wurde am Dienstag korrigiert und auf 40 Kilogramm TNT erhöht. Das bedeutet, auch die Häuser im Umkreis von 100 Metern könnten bei einer möglichen Explosion in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wie Marc Hoffmann, Vizesprecher der Stadt Bonn, betonte, "geht aktuell keine Gefahr für die Bevölkerung aus". Doch die Beseitigung der DNCO-Kanister "ist aufwendig und wird erst im Laufe der Woche erfolgen können". Bevor das geschieht, muss die Standsicherheit des gemauerten Schuppen herstgestellt werden. Dazu wird der untere Teil mit Montageschaum aufgefüllt.

Erst dann kann ein Fachunternehmen das aus den Metalleimern ausgetretene DNOC-Pulver mit einer chemischen Substanz spülen und so neutralisieren. Dieser Vorgang könnte einige Tage dauern. Wenn die Spülung erfolgreich beendet ist, soll ein Roboter die noch unbeschädigten Eimer sichern.

Martin Haselbauer erläuterte am Dienstag, dass in den ersten Stunden der Spülung aus Sicherheitsgründen alle Häuser in einem Radius von hundert Metern um den Schuppen evakuiert werden. Die betroffenen Anwohner würden persönlich informiert. Hoffmann: "Wann die Evakuierung stattfindet, können wir derzeit noch nicht sagen."

Wer muss die Kosten des Einsatzes übernehmen?

Über die Kosten des Einsatzes und wer diese übernehmen muss, konnte Haselbauer am Dienstag noch nichts sagen. Er betonte, dass es sich nicht um einen Standard-Einsatz handele, sondern die Vorgehensweise in Abstimmung mit den Experten improvisiert werde. "Zu viele Variable spielen eine Rolle".

Die Einsatzleitung war durch die engen Muffendorfer Gässchen gezwungen, auf den Platz vor der Muffendorfer Kommende, etwa 300 Meter Luftlinie von der Gefahrenstellen auszuweichen. Dort postierten sich im Laufe des Vormittag Kamerateams und Übertragungswagen. Viele Bewohner in dem Bereich um die Martin-straße ließen sich interviewen, hatten aber offenbar von der Sachlage nur wenig mitbekommen. Die Wenigsten gingen von einer direkten Gefahr aus.