St. Hildegard in Rüngsdorf

Ein Kleinod wird 60

RÜNGSDORF. Unter Godesbergs Kirchen ist St. Hildegard ein echtes Kleinod. Etwas verborgen in einer parkähnlichen Waldung oberhalb der Deichmanns Aue gelegen, weist vor allem der 16 Meter hohe Turm auf einen besonderen Sakralbau hin.

"Die imposante Architektur der in Rom angesiedelten Basilika St. Stefano bildet die Inspirationsquelle für das achteckige, auf einer Rundplatte mit einem Radius von 32 Metern fundamentierte Gotteshaus", heißt es in einer Selbstdarstellung auf der Internetseite der "Kirche im Rheinviertel".

1961 begann der renommierte Kirchenbaumeister Emil Steffann mit dem Bau von Kirche, Sakristei, Küsterwohnung und Pfarrhaus am Meisengarten, ab Dezember 1963 wurde die Anlage genutzt. Finanziert wurde St. Hildegard von der rheinischen Industriellenfamilie Wehrhahn, die eine Pfarrei für einen der Ihren suchte.

Doch irgendwann begann der Zahn der Zeit an dem Bau zu nagen. Als der heutige Dechant Wolfgang Picken 2004 seine neue Stelle als Pfarrer in Rüngsdorf antrat, "befand sich die Kirche in einem erbärmlichen Zustand", erinnert er sich. Schlimmer noch: Es gab seitens des Erzbistums Pläne, die Kirche zu verkaufen. 2006 erklärte das Bonner Denkmalamt in einem Gutachten St. Hildegard zu "einem historisch bedeutenden sakralen Gebäude".

"Die Idee einer Klostergründung im alten Pfarrhaus brachte dann den Stein ins Rollen", berichtet Dechant Picken. Man ließ Rundbau nebst Turm und Sakristei gemäß dem ursprünglichen Zustand renovieren, eine moderne Beleuchtungsinstallation bildete das i-Tüpfelchen der alten Kirche in neuem Gewand.

"Im Gegensatz zum eher dunklen Außenambiente erscheint der Innenraum nach der Renovierung wie eine lichte Offenbarung", schrieb Christina zu Mecklenburg vor sieben Jahren. Aufs Einfachste reduziert wirken nun alle Formen im lichten Rund, das auf den großen Natursteinaltar zentriert ist.

So richtig Leben in das Gotteshaus brachten dann ab 2006 fünf indische Franziskanerinnen, die die gesamte kirchliche Anlage seither mit lebendigem Geist erfüllen. Das gilt auch für die Veranstaltungen der Bürgerstiftung Rheinviertel und des Bonner Beethovenfestes, die in unregelmäßigen Abständen Konzertveranstaltungen in St. Hildegard durchführen. Auch für das nächste Jahr sind beispielsweise zwei Aufführungen des Beethovenfestes avisiert. Regelmäßig samstags und mittwochs finden in St. Hildegard Vorabendmessen statt, "die von den Menschen in der näheren Umgebung gut besucht werden", so Picken.

Zwei besondere Geschichten geschahen während der damaligen Renovierungsarbeiten, erzählt Picken noch. Als er das Grab im Altar geöffnet habe, "war es leer". Eine Reliquie fehlte. "Es musste also eine Reliquie her." Die fand man dann 2009 im Kloster Eibingen, das gerne "Amtshilfe" leistete.

Außerdem stellte Picken noch fest, dass die Kirche noch nicht einmal geweiht worden war. "Beim Termin waren alle Bischöfe beim Konzil in Rom."