One World Café in Bad Godesberg

Ein Jahr lang gegen „zwei Welten“

Die Eröffnung des One World Cafés Anfang Juni 2016: (v. l.) Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke, Jugendamtsleiter Udo Stein sowie Susanne Beckschwarte und Klaus Graf von den beiden Projektträgern. Ein aktuelles Foto aus dem Café lehnen die Betreiber mit Blick auf die Privatsphäre der Jugendlichen ab.

Die Eröffnung des One World Cafés Anfang Juni 2016: (v. l.) Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke, Jugendamtsleiter Udo Stein sowie Susanne Beckschwarte und Klaus Graf von den beiden Projektträgern. Ein aktuelles Foto aus dem Café lehnen die Betreiber mit Blick auf die Privatsphäre der Jugendlichen ab.

Bad Godesberg. Vor knapp zwölf Monaten öffneten sich die Türen im Erdgeschoss des gerade renovierten Hansa-Hauses für alle Jugendlichen ab 14 Jahren: Am 3. Juni 2016 nahm das Team des One World Cafés offiziell seine Arbeit auf.

Zusammen mit den Trägern das Projekts blickt der GA zurück auf das erste Jahr des Cafés und untersucht die Frage: Ist der Treffpunkt bei den Bad Godesberger Jugendlichen angekommen?

„In den ersten zwei Monaten war es noch nicht ganz so gut besucht, aber mit der Zeit wurde es immer mehr. Es hat sich jetzt eingependelt, im Schnitt etwa 15 Besucher am Tag – mal mehr, mal weniger“, berichtet Katrin Zimmer, die als pädagogische Leiterin des Gesamtprojekts regelmäßig im Café arbeitet. Das sei beim Start des Mobils 2013 ähnlich gewesen, meint Markus Pütz von der Projektleitung im Hermann-Josef-Haus. „Man muss ein solches Projekt erst einmal bewerben, bis ein gewisser Stamm an Besuchern da ist“, ergänzt er.

Von den von Kritikern so oft beschworenen „zwei Welten“ in Bad Godesbergs merke man hier nicht viel. Über alle Unterschiede hinaus würden im Café Freundschaften entstehen: „Es hat sich eine Clique mit jungen Besuchern gebildet, die auf unterschiedliche Schulen gehen, in unterschiedlichen Stadtteilen wohnen und unterschiedliche Hintergründe haben, teils Migrationshintergrund, teils nicht. Aber sie verbringen viel Zeit miteinander“, freut sich Zimmer. Neben der Stammkundschaft würden auch immer mal wieder neue Jugendliche kommen.

Den Begriff der „zwei Welten“ sehe das Team ohnehin skeptisch, sagt Susanne Heyd von der Projektleitung im Godesheim. „In Bad Godesberg gibt es nicht zwei, hier sind viele Welten. Da gibt es sicherlich Konflikte an bestimmten Stellen, aber diese Vielfalt ist auch etwas Bereicherndes.“ Das Ziel des Projekts One World sollte es daher sein, „den Schatz, der sich hinter diesen vielen Welten verbirgt, zu heben und für alle erlebbar zu machen“.

Unter den Besuchern des Cafés gebe es schon mal Streit wegen zwischenmenschlicher Themen, aber mit „zwei Welten“, habe das nichts zu tun, ist sich Zimmer sicher: „Die Jugendlichen selbst empfinden das nicht so, das sagen sie auch ganz laut.“

Das Mobil ergänze das Café weiterhin gut, da es andere Jugendliche erreiche, berichtet sie weiter. Das Café biete einen besonders geschützten Raum, eine Rückzugsmöglichkeit. Im Moment sei das für die Jugendlichen besonders hilfreich, da sie nach eigenen Berichten in Gruppen besonders oft im Fokus von Polizeikontrollen stünden. Für junge Menschen, die sich nicht in einen solchen Raum trauen, sei weiterhin das Mobil da.

Treffpunkt ist nicht unbekannt

Im Café wird das Angebot stetig weiterentwickelt: Weil die berufliche Zukunft ein wichtiges Thema unter den Jugendlichen sei, werde der Donnerstag unter dem Motto „Next Step“ explizit Themen zu verschiedenen Jobs, zum freiwilligen sozialen Jahr und zu Bewerbungsschreiben gewidmet. Auf diesen „partizipativen Ansatz“ lege das Team viel Wert, betont Pütz.

Die Jugendlichen im Café nach ihrer Meinung zu fragen, wurde dem GA nicht gestattet. Das liege an „formalen Gründen“, aber auch daran, dass „die Jugendlichen selbst auf die vielen, meist unangemeldeten Pressebesuche der jüngsten Zeit in ihrem Schutzraum Jugendcafé sehr negativ reagiert haben“, begründet das Kerstin Rüttgerodt, Sprecherin der Axenfeld-Gesellschaft.

Hört man sich allerdings in der Nähe des Hansa-Hauses um, scheint der Treffpunkt den Jugendlichen aus Bad Godesberg nicht unbekannt zu sein. „Aus meiner Stufe gehen ein paar Leute da hin“, sagt etwa der 17-jährige Luke, und auch die zwei Jahre jüngere Ivie hat Freunde, die das Café besuchen. Beide waren selber jedoch noch nicht dort. Das gilt auch für Alana (16), die sagt: „Dafür wird nicht so wirklich Werbung gemacht.“

Matze (19) hat von dem Angebot noch nie etwas gehört, seinem gleichaltrigen Freund Felix ist es allerdings ein Begriff: „Ich weiß, dass es existiert, aber ich würde eher in ein anderes Café gehen.“ Anders Yannick (17): Er wartet auf den Treppenstufen neben dem Hansa-Haus bereits darauf, dass das One World Café an diesem Nachmittag öffnet. Zwar schaffe er es aus zeitlichen Gründen nicht immer, regelmäßig zu kommen, „heute aber war im Terminkalender noch Platz“ für den geplanten Besuch der Soccer-Halle.