Renovierung im Bad Godesberger Bahnhof

Ein Hindernis mit 120 Stufen

Die provisorische Fußgängerbrücke führt seit wenigen Tagen am Bad Godesberger Bahnhof zu den Gleisen. FOTOS: BARBARA FROMMANN

Die provisorische Fußgängerbrücke führt seit wenigen Tagen am Bad Godesberger Bahnhof zu den Gleisen.

BAD GODESBERG. Viele Fahrgäste fühlen sich kaum in der Lage, den Behelfszugang am Bahnhof zu überwinden. Dort wird zurzeit die Unterführung renoviert.

Wer kann, nimmt es mit Humor. Vielen anderen, darunter Ältere und Menschen mit schwerem Gepäck oder Kinderwagen, bietet die provisorische Fußgängerbrücke am Bad Godesberger Bahnhof keinen Grund zur Freude.

Seit wenigen Tagen führt der Weg vom Bahnhofsvorplatz zu den Gleisen für alle Fahrgäste erst 70 Stufen hinauf, einige Meter durch den hochgelegenen Gang und dann wieder 50 Stufen hinunter auf den Bahnsteig.

Erforderlich wird der provisorische Umweg durch die Renovierung der Unterführung. Die wiederum steht im Kontext der Bahnhofsanierung, mit der jetzt nach jahrzehntelangem politischen Ringen offenbar ernst gemacht wird.

Für viele Reisende ist das derzeit ein schwacher Trost. Zumindest in dem Augenblick, in dem sie sich der steilen Metalltreppe gegenüber sehen. Für jüngere, agilere Menschen ohne Gepäck mag der Weg über die leicht schwingenden und mit kreisrunden Löchern versehenen Baustellenplanken kein besonderes Problem darstellen.

Wer aber beladen oder ohnehin gehbehindert ist, für den wird der Umweg schlimmstenfalls zu einem unüberwindbaren Hindernis. Dabei ist der Weg hinab für viele nicht weniger beschwerlich als der Aufstieg: "Ich bin nicht schwindelfrei, die Planken wackeln bei jedem Schritt. Und das steht mir jetzt jeden Tag bevor", klagt Helga Raderschall aus Bad Godesberg.

Sie fährt derzeit täglich nach Essen, wo ihr Mann im Krankenhaus liegt. Auf die Frage, wie sie den Weg über die Brücke nun regelmäßig meistern soll, zuckt sie nur mit den Schultern. Ganz verzwickt wurde es in den vergangenen Tagen für all jene, die vergessen hatten, vor dem langen Gang über die Treppen ihre Einzelfahrtscheine zu entwerten. Denn auf den Gleisen suchte man Entwerter bis gestern vergeblich.

Unterdessen hat in den Ladenlokalen im Bahnhofsgebäude das Packen begonnen. Sowohl der Zeitungsladen als auch Bäckerei und Reisezentrum der Bahn ziehen in diesen Tagen in die auf dem Vorplatz bereitstehenden Container um.

Zumindest in dem kleinen Einzelhandelsbetrieb, der neben Zeitungen auch Tabak und Getränke anbietet, rechnet die Belegschaft mit Einschränkungen. Allein aus Platzgründen, sagt eine Mitarbeiterin, werde man im Container nicht das vollständige Sortiment anbieten können. Mit Umsatzeinbußen müsse man wohl rechnen, sagt sie. Aber dann habe man im Idealfall hinterher einen umso schöneren Bahnhof.

Darauf setzen auch die meisten Bahnkunden. Der Unmut über die Treppenkonstruktion wird jedoch so schnell nicht verrauchen. "Für Reisende mit schwerem Gepäck, Kinderwagen, Rollstühlen, Rollatoren und schweren Rädern oder mit kaputten Knien oder Lungen ist der Godesberger Bahnhof zurzeit nicht nutzbar", fasst GA-Leser Benno Schmidt-Küntzel die Situation zusammen. Gestern gaben zumindest die Treppenstufen keinen Anlass zum Ärger: Wegen des Sturms fuhren auch in Bad Godesberg über Stunden gar keine Züge.

Die Alternativen

Innerhalb des Bad Godesberger Bahnhofs gibt es zu der Behelfsbrücke keine Alternative. Wer die 120 Stufen meiden und trotzdem mit dem Zug fahren möchte, hat folgende Möglichkeiten:

Für Fahrgäste aus dem Bad Godesberger Süden oder aus Wachtberg kommt ein Einstieg am Bahnhof Mehlem infrage. Auch dieser ist bekanntlich noch nicht vollständig barrierefrei ausgebaut. Wer nur zum Bonner Hauptbahnhof oder von dort aus mit dem Fernverkehr weiterreisen möchte, für den bietet sich die U-Bahn an, die naturgemäß länger braucht als der Regionalexpress.

Ähnlich verhält es sich für Fahrgäste mit dem Reiseziel Bad Godesberg. Sie können den Zug am Hauptbahnhof verlassen und - über Aufzug und Rolltreppe - in die Stadtbahn (Linie 16/63 oder 18) umsteigen. Bei Fernfahrten mit der Bahncard ist die Weiterfahrt mit der Stadtbahn unter Umständen in der Leistung inbegriffen.