Weihnachten

Ein Fest zwischen Kirche und Gesellschaft

Bad GODESBERG/WACHTBERG. Vier Pfarrer aus Bad Godesberg und Wachtberg berichten, wie sich Weihnachten aus ihrer Sicht verändert hat.

Lässt man an Heiligabend im Weihnachtsgottesdienst den Blick schweifen, entdeckt man Vertreter aller Generationen in den Kirchenbänken: An diesem Abend kommt häufig die ganze Familie zusammen, um gemeinsam zu feiern. Aber unterscheidet sich das Weihnachtsfest, an das sich die Großmutter aus ihrer Kindheit erinnert, von dem, das ihr Enkel heutzutage erlebt?

Dechant Wolfgang Picken, zuständig für den Seelsorgebereich Bad Godesberg, sieht im Hinblick auf diese Frage zuerst einmal eine klare Verbindungslinie: "Ich glaube, dass die meisten am Weihnachtsfest sehr lieben, dass es Traditionen gibt. Die Leute haben nach wie vor einen festen Ablauf, wie sie Weihnachten feiern, der eben sehr stark von den Traditionen der Familien, aus denen sie kommen, geprägt ist."

Zu diesen Konstanten gehören aus seiner Sicht einerseits Dinge wie der gemeinsame Gottesdienstbesuch, das Essen im Kreise der Familie oder das Singen vor der Bescherung. Andererseits aber auch die Gefühle von Gemeinschaft und Gemeinschaftssinn, die mit diesen Ritualen verbunden werden.

Gleichzeitig sei es in der modernen, individualisierten Gesellschaft nicht immer einfach, auf diese Art Weihnachten zu feiern: "Für viele, die als Singles leben, ist Weihnachten, glaube ich, kein einfaches Datum", sagt Picken und fügt hinzu: "Man kann dann gar nicht die Traditionen leben, die man als Kind kennengelernt hat, weil einfach das familiäre Umfeld fehlt."

Neben diesen vertrauten Bräuchen habe aber auch die Weihnachtsbotschaft nicht an Bedeutung verloren. "Es ist einfach schön, am Weihnachtsfest zu sehen und zu spüren, dass es eine Aktualität für die Leute hat", betont Picken.

Jan Gruzlak, Pfarrer der Johannes-Kirchengemeinde, sieht gerade in der Art und Weise, wie ebenjene Weihnachtsbotschaft aufgegriffen werde, eine Veränderung zu früher: "Es gibt heute eine größere Wahlmöglichkeit, wie man Weihnachten begeht. Ich weiß von Menschen, die über weihnachtliche Bildmotive zur Ruhe kommen oder im Familienkreis kleinere Andachten an den Adventssonntagen vorbereiten."

Genauso könne man sich aber auch für ein weniger bewusstes Zugehen auf Weihnachten mit Popmusik und leichter Fernsehunterhaltung entscheiden. Für beide Gruppen gehöre dann seiner Meinung nach der Gottesdienst an Heiligabend zu den Festtagen dazu.

Aber auch dieser habe sich über die Jahre gewandelt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass zu Großmutters Zeiten Familiengottesdienste zu Heiligabend flächendeckend im Angebot waren. Wer hat damals schon die Weihnachtsbotschaft als Rückenerzählgeschichte oder Fingerspiel erlebt?"

Weihnachten sei kommerzieller geworden, was in Kontrast zur Kernbotschaft des Weihnachtsfestes stehe, die vor allem von Bescheidenheit geprägt sei. Eine zunehmende Kommerzialisierung erkennt auch Pfarrer Günter Schmitz-Valadier aus Wachtberg. Gleichzeitig betont er: "In der Kirche und im Heiligabendgottesdienst kommen wir aber ganz ohne Kommerz aus - und das klappt gut!"

Hier bemerke er in den vergangenen Jahren einen ganz anderen Trend: Viele Menschen, die sich normalerweise nicht der Kirche verbunden fühlen, würden wieder vermehrt in den Weihnachtsgottesdienst kommen.

In diesem Zusammenhang hebt er hervor: "In der hohen Zahl der Gottesdienstbesucher entsteht neben dem Druck, ihren Erwartungen gerecht zu werden, auch die Chance, Menschen zu erreichen." Andererseits steht für ihn fest: "Wir wissen allerdings ebenso, dass Weihnachten auch gefeiert würde, wenn es keine Kirche mehr gäbe: als Fest der Liebe und der Familie."

Ähnlich sieht es sein katholischer Amtskollege Michael Hoßdorf, der seit Dezember leitender Pfarrer in Wachtberg ist: "Ich habe natürlich ein Klientel vor Augen, dem das Christliche noch wichtig ist", sagt er, wenn er von den Besuchern seines Weihnachtsgottesdienstes spricht. Er ergänzt jedoch: "Wenn ich in unsere Gesellschaft schaue, dann weiß ich aber nicht, ob Weihnachten immer noch überall etwas damit zu tun hat."

Damit verbunden nimmt er eine weitere Veränderung wahr: "Ich glaube, dass es nicht mehr so ist, dass wie früher die ganze Familie lostrottet und zusammen in die Messe geht. Wenn einer sagt, ich will nicht, dann darf er auch zu Hause bleiben." Vermissen würde er am Weihnachtsfest besonders Herzlichkeit und Ehrlichkeit. Oftmals entstünden Konflikte unter dem Tannenbaum dadurch, dass diese Eintracht künstlich herbeigeführt werde. Nichtsdestotrotz behalte Weihnachten für ihn weiterhin eine eindeutige Kernaussage: "Dieses Unbegreifliche, dass Gott an mir so viel liebt, dass er seinen Sohn auf die Welt schickt - das feiere ich gerne an Weihnachten."