Schmerztag in der Stadthalle

Eckart von Hirschhausen hielt den Festvortrag

Schmerzspezialist Michael Küster (2.v.l.), Festredner Eckart von Hirschhausen mit den Klinik-Clowns Fernando und Jana.

BAD GODESBERG. Chronische Schmerzen sind in Deutschland weit verbreitet: Schätzungen zufolge gibt es zwischen zwölf und 15 Millionen Menschen, die von Schmerzen jeglicher Art geplagt sind. Eine sehr hohe Patientenzahl, der nur eine geringe Anzahl professioneller Schmerztherapeuten gegenübersteht.

Um dem entgegenzuwirken, hat am vergangenen Wochenende bereits zum achten Mal Dr. Michael Küster, niedergelassener Schmerzspezialist und Leiter des Schmerzzentrums Bad Godesberg, zum Bonner Schmerztag in die Bad Godesberger Stadthalle geladen. Die zweitägige Veranstaltung, die unter dem Motto "Schmerzmedizin - Quo Vadis?" stand, setzte sich aus einem Patientenforum am Freitag sowie einer zweitägigen Fortbildung mit mehreren Veranstaltungen für Ärzte zusammen.

"Der Bonner Schmerztag ist längst eine Traditionsveranstaltung geworden", stellte Bürgermeister Horst Naaß in seinem Eröffnungs-Grußwort am Freitagnachmittag fest. Naaß vertrat OB Jürgen Nimptsch, der zusammen mit dem ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen hatte.

"Die Teilnehmerzahl steigt kontinuierlich. In diesem Jahr haben rund 320 Ärzte am Schmerztag teilgenommen. Viele sind extra angereist, es kommen aber auch immer mehr Kollegen aus der Umgebung zu unserer Veranstaltung", erklärte Küster zum Ende des Schmerztages am Samstag.

Küster konnte in diesem Jahr unter anderen mit dem Kopfschmerz-Spezialisten Professor Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel, dem Erlanger Pharmakologieprofessor Kay Brune und dem Facharzt für Chirurgie und Schmerztherapeuten Wolfgang Bartel Koryphäen ihres Faches nach Bad Godesberg locken. Unter der Moderation der Schauspielerin und Ärztin Marianne Koch referierten die drei Ärzte zusammen mit Michael Küster am Freitagnachmittag bei einem sehr gut besuchten Patientenforum.

"Es tut sich unheimlich viel im Bereich der Schmerzmedizin", erklärte Küster und ging in seinem Vortrag auf einige neue Behandlungsmethoden ein. Dennoch machte er deutlich, dass es ein "Schema F" nicht gebe, sondern eine "individualisierte Therapie" für die Patienten wichtig sei. Bartel, dessen Spezialgebiet die Rückenschmerzen sind, legte den Besuchern nahe, sich nicht direkt an den Bandscheiben operieren zu lassen.

"Wir behandeln Patienten und keine Röntgenbilder. Operieren lassen sollte man sich erst, wenn über lange Zeit keine Besserung eintritt", so Bartel. Brune warnte vor den Gefahren bekannter Schmerzmittel wie Aspirin oder Paracetamol. "Kopfschmerz-Patienten sollten die 10-20-Regel beachten, die vor einem Medikamenten-Übergebrauch schützt. An zehn Tagen im Monat können Akut-Schmerzmittel eingenommen werden, 20 Tage im Monat sollten jedoch komplett frei von der Einnahme von Schmerzmitteln sein", erklärte Kopfschmerzspezialist Göbel.

Highlight des 8. Bonner Schmerztages war am Samstagmittag der Festvortrag "Schmerz und Humor", den der Kabarettist und Arzt Dr. Eckart von Hirschhausen hielt. Bis auf den letzten Platz war der Kleine Saal der Stadthalle besetzt. Von Hirschhausen, der von zwei Klinikclowns seiner Stiftung "Humor hilft heilen" begleitet wurde, verstand es sein Publikum zu unterhalten, sprach aber auch ernste Themen an. Beispielsweise sei der Placebo-Effekt weit unterschätzt, denn selbst bei Medikamenten würden 30 bis 40 Prozent der Wirkung auf die Psychologie gehen.

"Der Placebo-Effekt ist etwas sehr Hochwertiges", so von Hirschhausen. Genauso sei es wichtig, dass sich Ärzte genug Zeit für ihre Patienten nähmen, allein die Tatsache, dass sich ein Arzt ans Krankenbett setze und nicht im Stehen mit ihm kommuniziere, zeige dem Patienten, dass seine Probleme im Mittelpunkt stünden.

"Der Druck, das Gesundheitssystem zu verändern, muss von den Patienten kommen, weil es einfach unheimlich starr ist", sagte von Hirschhausen gegenüber dem GA: "Die Patienten sind es, die mit den Füßen darüber abstimmen, zu wem sie gehen. Die meisten Ärzte sind gut, gleichzeitig braucht es die Empfehlung von Kompetenzen, die nicht in jeder Praxis vorhanden sind, wie zum Beispiel spezielle Schmerzzentren. Die Leute sollen auch keine Scheu haben, die Behandlung in Frage zu stellen, je mehr sich die Patienten mit der Behandlung identifizieren, desto mehr bleiben sie auch dabei - das ist wichtig."