Sozialer Wohnungsbau

Durch Abriss mehr Wohnraum in Bad Godesberg

Plittersdorf. Die städtischen Wohnungsbaugesellschaft Vebowag ersetzt an der Kreisauer Straße marode 50er-Jahre-Bauten durch moderne Häuser.

Sozialer Wohnungsbau – der Begriff riecht nach Hochhaussiedlung und sozialem Brennpunkt. Michael Kleine-Hartlage, Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Vebowag, spricht lieber von gefördertem Wohnungsbau. Es gibt viele Menschen in Bonn, die angesichts steigender Mieten auf dem privaten Wohnungsmarkt nicht mehr mithalten können und Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben, zum Beispiel als Rentner, Alleinerziehende oder als Familie. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum wächst. Deshalb ersetzt die Vebowag alte Siedlungshäuser und schafft durch Abriss und Neubau mehr Wohnungen.

Im Dezember sollen an der Kreisauer Straße in Plittersdorf die ersten Mieter einziehen. Die Häuser mit dem hellen Klinker und den dunkelgrauen, bodentiefen Fenstern wirken schon jetzt einladender als die alten Vebowag-Gebäude in der Nachbarschaft. Es gibt eine Pelletheizung für nachhaltige Energienutzung sowie Aufzüge und bodengleiche Duschen für barrierearmes Wohnen. Gerade haben die Maler damit begonnen, die ersten der insgesamt 39 Wohnungen zu streichen. Im Altbestand aus dem Baujahr 1958 waren es nur 20 Wohnungen. Auch die Gesamtwohnfläche wurde von 1180 auf 2424 Quadratmeter vergrößert, ohne dass die neuen Gebäude klotzig wirken.

Ein Neubau ist nachhaltiger

Eine Sanierung der Altbauten wäre laut Kleine-Hartlage nicht sinnvoll gewesen. Die Substanz war einfach und die erhöht gebauten Erdgeschosswohnungen waren nur über Treppen zu erreichen. Durch neue Zuschnitte auf Straßenniveau ist letztlich ein Stockwerk mehr entstanden, außerdem wurden die Gebäude in alle Richtungen ein wenig gestreckt. „So lassen sich auf vorhandenem Grund und Boden bis zu 50 Prozent mehr Wohnfläche erzielen“, erklärte der Vebowag-Chef. Der Neubau sei letztlich nachhaltiger als eine Instandsetzung, weil nicht nur die Grundstücke besser ausgenutzt seien, sondern die Mieter auch weniger Nebenkosten zahlen müssten.

15 der öffentlich geförderten Wohnungen werden von einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt bezogen, das der Verein „Gemeinsam mit anderen zu Hause“ gegründet hat. Er besteht aus einer sozial gemischten Gruppe im Alter zwischen 30 und 65 Jahren. Nur Mieter mit aktuellem Wohnberechtigungsschein dürfen einziehen. Der Verein sucht noch einen Single und zwei Alleinerziehende oder Familien mit ein bis zwei Kindern, die das Konzept unterstützen. Sozial orientierte, hilfsbereite Menschen sollen sich gegenseitig unterstützen und zugleich selbstbestimmt leben.

6,25 Euro pro Quadratmeter müssen die künftigen Mieter in den Plittersdorfer Neubauten zahlen. Für eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit modern gekacheltem Bad, gemütlicher Dachschräge und Blick ins Grüne werden rund 500 Euro warm fällig. Mit großen Kostensteigerungen wie bei anderen öffentlichen Bauprojekten hat die Vebowag nicht zu kämpfen. „Wir machen ein ziemlich regelmäßiges Geschäft, und die Handwerker wissen, dass sie mit uns langfristig zusammenarbeiten“, so Kleine-Hartlage. Jedes Gewerk werde einzeln ausgeschrieben. Die Anforderungen an die Qualität seien beim geförderten Wohnungsbau sehr groß. Abriss und Neubau gibt es auch in anderen Ortsteilen. „Wir haben noch viele solche Bestände, wo sich das anbietet“, sagte Kleine-Hartlage. Aktuelle Projekte gibt es an der Offenbachstraße/Wiedemannstraße in Rüngsdorf mit 43 Wohnungen sowie an der Friedenstraße in Beuel (25 Wohnungen).