Kleines Theater in Bad Godesberg

Drei Retter für das Kleine Theater

Frank Oppermann (links), Bettina Montazem und Richard Bargel (rechts) wollen in Bad Godesberg das Kleine Theater von Walter Ullrich (2. von rechts) übernehmen.

Frank Oppermann (links), Bettina Montazem und Richard Bargel (rechts) wollen in Bad Godesberg das Kleine Theater von Walter Ullrich (2. von rechts) übernehmen.

Bad Godesberg. Das Intendanten-Trio will das Kleine Theater in Bad Godesberg nach Walter Ullrichs Abschied weiterführen. Die Gruppe verlangt allerdings Planungssicherheit von der Stadt Bonn.

Die Bürgergruppe, die Walter Ullrichs Kleines Theater nach dessen altersbedingtem Ausscheiden 2019 sofort übernehmen möchte, ging am Donnerstag erstmals in die Öffentlichkeit. „Wir sind seit einem Jahr in Gesprächen mit der Stadt, denn wir wollen Ullrichs Lebenswerk mit frischem Wind weiterführen“, erklärte Richard Bargel. „Aber um Planungssicherheit zu haben, müssen wir jetzt darauf drängen, dass die Stadt uns bis spätestens Oktober Klarheit verschafft.“

Bargel ist ein bekannter Bluesmusiker, der in Bad Godesberg aufwuchs. Der zweite im Bunde ist der Bonner Jurist und Musicaldarsteller Frank Oppermann, der kaufmännischer Leiter werden soll. „Die Stadt will das Gebäude nicht verkaufen, sondern kostenneutral vermieten: Genau das bieten wir ihr“, erläuterte er. Als künftige künstlerische Leiterin ist Bettina Montazem im Boot. Sie betreibt seit Jahren mit ihrem Kölner „Ensemble Phoenix“ ein bundesweites Tourneetheater. „Walter Ullrichs Lebenswerk ist viel zu kostbar, gerade für Bad Godesberg, als dass es, wenn er 88-jährig in den Ruhestand geht, auslaufen sollte“, sagte die erfahrene Theaterfrau. Ullrich habe versprochen, dass er ihr, wenn die Stadt als Besitzer des Gebäudes mit der Bürgergruppe einig werde, mit Rat und Tat zu Seite stehe und auch als Schauspieler und Regisseur mitarbeite. Ullrich selbst freut sich über das Projekt. „Es wäre die ideale Lösung. Ich hoffe sehr, dass die Stadt dieses attraktive Angebot annimmt.“

Wie berichtet, ist die Zukunft des Traditionstheaters, das Ullrich 1958 erst in einem Keller an der Ubierstraße und dann 1969 in dem Bürgerhaus im Stadtpark zu einer vorzüglichen Adresse machte, ungeklärt. Im Juni 2019 läuft sein Vertrag in der inzwischen stark sanierungsbedürftigen Immobilie aus. Laut städtischem Beschluss wird die Bühne ab dann auch keine Zuschüsse mehr erhalten: 80 000 Euro waren das im Jahr von der Stadt und 44 500 Euro vom Land. „Aber auch damit werden wir leben können“, erklärte Oppermann. Man habe finanzstarke Godesberger an der Seite und wolle das Projekt durch eine Querfinanzierung als Tourneetheater sichern. So könnten auch die Arbeitsplätze erhalten und den der Bühne verbundenen Schauspielern Angebote gemacht werden.

Im Herbst wird man sich mit drei Inszenierungen von Bettina Montazem vorstellen: „Mutter Courage und ihre Kinder“ steht etwa auf dem Programm. „Und wir basteln schon am Spielplan für 2019/ 2020“, sagte Montazem. Wenn man den Zuschlag bekomme, werde sie ihre Zelte in Köln abbauen. Das Godesberger Stammpublikum solle weiterhin pro Jahr 300 Aufführungen à la Ullrich zu sehen bekommen. Jede Inszenierung bleibe einen Monat, bis sie auf Tournee gehe. Zudem wolle man weitere Formate ausprobieren: etwa Musiktheater, Diskussionen, Jazz- und Bluesabende mit Gesprächen auch für jüngeres Publikum.

Kulturdezernent Martin Schumacher sagte auf GA-Anfrage, er werde die Gespräche mit den Interessenten fortsetzen, „sobald die Prüfung abgeschlossen ist, in welchem Zustand sich das Gebäude befindet und welcher Aufwand mit einer eventuellen Instandsetzung verbunden ist“.

Man werde sicher das Dach und die Außenmauern gegen Feuchtigkeit sanieren müssen, meint die Gruppe dazu. „Wir würden auch die Bauleitung übernehmen, aber nur bei laufendem Betrieb, um Kontinuität zu bewahren.“ Und man wolle dann auch die Instandhaltung gewährleisten.