Wohnungsbau in Godesberg

Diplomatenparkett wird knapp

BAD GODESBERG. "Rheingold", "Nibelungenkarree", "Rhein-Entrée". Zu solch klangvollen Namen könnten sich demnächst noch einige andere gesellen. Im neuen Jahr zeichnet sich ein Wettlauf um die verbliebenen verlassenen Botschaftsgrundstücke in Bad Godesberg ab.

Eigentlich ging es bei einer Informationsveranstaltung vor wenigen Wochen um die geplanten Wohnhäuser auf dem Gelände der bulgarischen Botschaft in Plittersdorf, als die Sprache plötzlich auf die gegenüber liegende Vertretung Südafrikas kam.

Ihre 4500 Quadratmeter große Fläche liegt im Rücken des "Schaumburger Hofs", wo neue Wohnungen nicht zum Ladenhüter werden dürften. In spätestens einem Jahr, so plauderte ein Insider aus dem Nähkästchen, werde auch dort ein Investor mit konkreten Plänen vorstellig geworden sein; hinter den Kulissen, so hieß es, werde jedenfalls schon heiß verhandelt.

15. Jahr nach dem Berlin-Umzug verändert Bad Godesberg weiterhin sein Gesicht. Und vielerorts, wo bis vor kurzem Zweckbauten im Stile der 60er und 70er Jahre vor sich hinschlummerten, entsteht neuer Wohnraum. Architektonisch "en Vogue" war dabei zuletzt kubusförmige Schlichtheit deren Marktpreis in der Regel am oberen Ende der für Bonn anzulegenden Skala zu finden war.

Vor allem aber kam in besagter Versammlung ein anderer Aspekt zum Tragen: Die Stadt, so warf ein Bürger ein, sei im Hochgefühl des hauptstädtischen Glanzes der 60er und 70er Jahre bei der Aufstellung von Bebauungsplänen den Wünschen der Auslandsvertretungen oftmals allzu sehr entgegen gekommen.

Wenn nun, so sein Gedanke, auf Grundlage und unter Einhaltung dieser Festsetzungen neue Häuser genehmigt würden, führe das dauerhaft zu einer Veränderung des Godesberger Stadtbildes, die vielfach mit dem historisch gewachsenen Ortsgefüge nicht im Einklang stehe. In diese Kerbe schlägt nun auch der Bürger Bund Bonn (BBB) mit einem Antrag für die nächste Sitzung der Bezirksvertretung am Mittwoch kommender Woche.

Ziel der Wählervereinigung ist es, dass Bürger und Kommunalpolitiker auf einen Neubau des Botschaftsgeländes Südafrikas Einfluss nehmen können. Geschehen könnte dies - im Gegensatz zur bald beginnenden Bebauung der gegenüberliegenden Botschaft Bulgariens - im Wege eines neuen Bebauungsplans. "Der Bezirksvertretung und den Plittersdorfern soll die Möglichkeit gegeben werden, sich in den Planungsprozess einzubringen", meinen die Vertreter des Bürger Bundes.

Eine Wende zeichnet sich derweil für die Zukunft der ehemaligen ungarischen Botschaft an der Turmstraße ab. Die Pläne dort - fünf frei stehende Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 27 Wohneinheiten hatte die Verwaltung unter Verweis auf die planungsrechtlichen Vorgaben abgelehnt. Inzwischen gibt es überarbeitete Pläne, die der Bezirksvertretung präsentiert werden sollen.