Integration an der Katholischen Domhofschule

Die meisten Kinder sind Muslime

Lehrerin Annie Kawka-Wegmann begrüßt mit einer Gruppe von Schülern die Volkshochschul-Gruppe.

MEHLEM. So ist das zuweilen mit der bunten, multikulturellen Welt: Während sich in zahllosen politischen Debatten daran die Geister scheiden, wird andernorts am Postulat der Chancengleichheit, der interkulturellen Kompetenz aber auch der Integrationsbereitschaft von Zuwanderern täglich akribisch und mühsam gearbeitet. So etwa an der Domhofschule in Mehlem, wo 55 Prozent der rund 340 Kinder muslimischen Glaubens sind.

Wie sieht der Alltag an einer solchen katholischen Grundschule aus? Bereits zum wiederholten Male hatte ein Kursus der Volkshochschule diese Frage als Besuchergruppe mit nach Mehlem gebracht, wo Lehrerin Annie Kawka-Wegmann den Gästen ausführlich Rede und Antwort stand. Wo jeweils nur ein Fünftel der Kinder den beiden großen christlichen Konfessionen angehört, fallen Kreuze an den Wänden durchaus auf. "Wir sind und bleiben eine katholische Schule, und wir vermischen die Religionen nicht", sagt die 58-jährige Pädagogin und ergänzt: "Der tägliche Umgang mit dem Anderen veranlasst einander zu hinterfragen. Auf diese Weise feiern wir beispielsweise Weihnachten viel intensiver".

Ohnehin bestünde für denjenigen, der fest im Christentum verwurzelt ist, kein Anlass zur Furcht vor anderen Religionen. Dieses Grundvertrauen erwartet sie auch von muslimischen Eltern. Auch wenn es "ein langer Weg" gewesen sei, habe sich inzwischen herumgesprochen: An der Domhofschule wird niemand missioniert.

Eine Haltung, mit der die Lehrerin zugleich ihre Verhandlungsposition stärkt. In ihrem Vortrag, den sie zuletzt im Allgäu auf einem Bundeswehr-Seminar zur interkulturellen Kompetenz hielt, verhehlt sie nicht, dass es an Konfliktpotenzial nicht mangelt: Vom Kopftuchtragen und der Teilnahme am Sport- und Schwimmunterricht und an Klassenfahrten bis hin zu Sexualerziehung und Begrüßungsformen reiche das Spektrum.

"Es kostete Arbeit, aber inzwischen sind diese Konflikte sehr selten geworden", sagt Kawka-Wegmann, die dafür mehrere Ursachen sieht: Einerseits gäbe es Kompromisse, bei denen alle Seiten ihr Gesicht wahren können; andererseits habe sie auch skeptischen Eltern vermitteln können, dass die - gegenseitige - Ehrfurcht vor den Religionen eine solide Basis sei. Und schließlich "sind wir nicht mehr so zimperlich", sagt die Lehrerin "Wir sagen: Wir tun alles für Sie, aber was tun Sie für mich? Auf dieser Grundlage ist auch leichter zu vermitteln, dass wir hier nicht dem Islam, sondern dem Grundgesetz verpflichtet sind".

Wert legt Kawka-Wegmann vor den VHS-Teilnehmern auf die Tatsache, zur benachbarten König-Fahd-Akademie keine Beziehungen zu unterhalten: "Dort betreibt man Segregation, nicht Integration", sagt sie und wird von der ebenfalls anwesenden Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann in dieser Haltung bestärkt. Weit mehr als die Hälfte der Domhofkinder erhalten inzwischen eine Gymnasialempfehlung, von der Begabtenförderung an der Schule und der intensiven Zusammenarbeit mit Universitäten ganz zu schweigen.

"Jede Zeit hat ihren Auftrag. Es ist uns egal, ob wir Fatima oder Anna unterrichten", sagt Kawka-Wegmann. Das Land und seine Kinder bräuchten Bildung. Und dabei werde es auch bleiben, wenn sie die Aufgaben an der Domhofschule in andere Hände legt. Wer "Bildungsgerechtigkeit" sucht, so scheint es, könnte in Mehlem fündig werden.