Siebengebirgsterrassen

Die Soka Bau verspricht "Perspektiven für 80 Jahre"

Vor dem Abriss: Das ehemalige Streitkräfteamt an der Deutschherrenstraße soll den Siebengebirgsterrassen weichen.

MUFFENDORF/PENNENFELD. Bei den Siebengebirgsterrassen kommen Bauherr und Bürger einander nur mühsam näher. Die Anwohner hoffen weiter darauf, dass die Soka Bau ihre Pläne abspeckt und das Bauvolumen reduziert.

"Die darüber hinaus vorgetragenen Bedenken und Anregungen werden nicht berücksichtigt." Dies war der Standardsatz gewesen, mit dem im förmlichen Verfahren der weitaus größte Teil der mehr als 50 Eingaben von Bürgern quittiert wurde, welche zum geplanten Neubauvorhaben auf dem Gelände des früheren Streitkräfteamts Stellung bezogen hatten.

Bekanntlich will die Soka Bau dort Wohnraum für rund 600 Menschen schaffen. Politisch ist das Projekt inzwischen genehmigt. Um aber mit den Anwohnern der umliegenden Viertel "im Dialog zu bleiben", wie es hieß, hatte die Soka Bau jetzt zu einer Informationsveranstaltung in die Stadthalle eingeladen.

Obwohl das Bebauungsplanverfahren formell abgeschlossen ist, erschienen rund 40 Bürger. Wie sich bald zeigte, haben längst noch nicht alle Anlieger die Hoffnung aufgegeben, dass die Soka Bau ihr Vorhaben doch noch reduziert.

Denn die Dimension des vorgesehenen Viertels, nach Ansicht einer Anwohnerin der "Geburtsfehler" des Projekts, hält die Skepsis in der Umgebung lebendig. So stand auch in der jüngsten Zusammenkunft die Befürchtung im Raum, die Siedlung könne nach gewissen Abnutzungserscheinungen in einigen Jahrzehnten sozial "kippen" und dann eine verheerende Ausstrahlung auf die benachbarten Stadtteile entfalten.

Dem widersprachen die Vertreter der Soka Bau entschieden und verwiesen auf Referenzen durch vergleichbare Projekte. Man wolle den Bestand dauerhaft halten und habe dabei eine "Perspektive von 80 Jahren" im Blick, sagte ein Soka-Vertreter.

Hoffnung keimte unter den Anwesenden indes auf, als er darlegte, dass bislang noch kein Bauantrag gestellt worden sei. Dann, so ein Einwand von Seiten der Bürger, könnten die Pläne also doch noch "abgespeckt" werden.

Nein, beeilte sich der von der Soka Bau beauftragte und am Freitag als Moderator auftretende Stadtplaner zu erklären: Am Planungsrecht werde sich nichts mehr ändern. Er zeigte zu Beginn mehrfach Verständnis für Sorgen und Betroffenheit der Anwohner und erklärte, eine Informationsveranstaltung "hätte natürlich viel früher stattfinden müssen".

Als es kürzlich in der entscheidenden Sitzung der Bezirksvertretung darum gegangen war, ob vor der abschließenden Entscheidung noch eine Informationsveranstaltung vorgeschaltet werden solle, war er es gewesen, der für den Fall weiterer Verzögerungen des Verfahrens indirekt einen Abbruch des gesamten Vorhabens durch die Soka Bau als Möglichkeit in den Raum gestellt hatte. Die Kommunalpolitiker hatten daraufhin die Satzung beschlossen und die Forderungen zweier Bürgeranträge nach einer weiteren Informationsveranstaltung abgewiesen.

Als "unglücklich" bezeichnete der Moderator Medienberichte über Äußerungen von Soka-Vorstand Wolfgang Koberski in Bezug auf eine mögliche Reduzierung der Gebäudekörper. Koberski hatte vor wenigen Wochen unter Verweis auf die angestrebte Nettorendite erklärt, der Spielraum für Reduzierungen sei begrenzt.

Während die "Nettorendite" im Zusammenhang mit Mietobjekten eine gängige Größe ist, verlegte sich der Projektplaner nunmehr auf die Feststellung, Rendite sei im vorliegenden Fall ein "falscher Begriff", da die Soka Bau den Bestand langfristig im Eigentum halten wolle.

Diese Ausführungen mochten einige der Anwesenden nur kopfschüttelnd als "Semantik" kommentieren. Mehr interessierte sie da schon, wie und wann die alten Bürogebäude abgerissen werden und was die auf insgesamt zweieinhalb Jahre angesetzten Bau- und Handwerkerarbeiten für die Nachbarschaft bedeuten. Über all das will die Soka bei den nächsten Bürgergesprächen konkret informieren.