Materna und Weber in St. Hildegard

Dialog auf höchstem Niveau

03.11.2015 Plittersdorf. 88 goldene Punkte an den weißen Wänden des Zentralbaus von St. Hildegard streben gen Himmel. Es scheint, als würden sie die gebaute Hülle dieser wunderbaren Architektur ignorieren, durchlässig machen. Ein Phänomen, das auch bei der Musik des Jazz-Saxofonisten Peter Materna und des kongenialen Pianisten Florian Weber zu beobachten war.

Die goldenen Punkte sind Werke des verstorbenes Bonner Malers Martin Noël, auf dessen Trauerfeier vor fünf Jahren in St. Hildegard Materna unter anderem den auf einem Halleluja-Gesang basierenden "Song for the Gone" spielte.

Am vergangenen Samstag stand dieses Lied beim Benefizkonzert für die Jugendarbeit der Bürgerstiftung Rheinviertel im Mittelpunkt. Schirmherr war Moritz Seibert, Intendant des Jungen Theaters Bonn - am Vorabend der Premiere von "Mio, mein Mio". Es ist ein ergreifendes, zwischen gedämpfter Melancholie und heiterer Zuversicht changierendes Stück mit einem traumhaften Solo Maternas und der zurückhaltenden Begleitung Webers.

Ganz anders, nach verhaltenen Akkorden fantasievoll und aufbrausend das ganze Spektrum des Flügels ausspielend, hatte Weber das Konzert eröffnet. Materna antwortete solo mit "White", einem sehr leichten, freien Stück, in dem der Saxofonist wiederum sein farbiges, schwereloses Spiel hören ließ. Ein Dialog auf hohem Niveau war eröffnet: Bei Materna-Stücken wie "Best To You", "Weird Song" , "Largo" oder "Last Waltz" warfen sich die Musiker die Motiv-Bälle zu.

"The Dancer", Maternas sehr tänzerisches und wohl berühmtestes Stück, entwickelte sich zu einem Wettstreit in Sachen Schnelligkeit und musikalischer Schlagfertigkeit. Miles Davis' "Solar" kam als entfesselte, farbenprächtige Klangerscheinung daher. Mit Jerome Kerns Jazz-Standard "All The Things You Are" legten Materna und Weber noch einmal alle Intensität hinein, das Thema möglichst lang und weit zu umspielen, um es dann gegen Schluss wie die Auflösung eines Rätsels mit feinem Swing zu zelebrieren. Ein denkwürdiges Konzert. (Thomas Kliemann)