Sanierung der Kirche St. Severin

Der schiefe Turm von Mehlem

Mehlem. Die Spitze der Kirche Sankt Severin in Mehlem ist ein wenig schief. Im Zuge der Sanierung wurde die Krümmung nun ebenfalls untersucht.

Man könnte es fast für eine optische Täuschung halten. Doch es stimmt: Die Spitze von Sankt Severin ist ein wenig schief. Allerdings fast schon von Anfang an. Im Zuge der derzeitigen Sanierung hat Architekt Martin Saul noch einmal extra den Gratsparren untersuchen lassen und versichert: „Die Tragkonstruktion ist in Ordnung.“ Hinter dem Gerüst geht es derzeit vorwärts, damit alle Witterungsschäden beseitigt werden.

Den schiefen Turm von Mehlem gibt es nach Sauls Vermutung schon lange. Beim Bau ab 1861 habe man wohl feuchtes Holz verwendet, dass in den Jahren danach trocknete und sich verzog. Pfarrer Wolfgang Picken stieß im Dorf auf einen alten Spruch: „Der Turm hat sich schon immer ehrfürchtig nach Lannesdorf geneigt“, sagte man in Mehlem.

Mauerwerk wurde ausgebessert

Die Probleme von heute sind andere: Vor zwei Jahren lag plötzlich ein faustgroßer Stein an den Fahrradständern. Daran erinnern sich Rainer Gross vom Bauausschuss der katholischen Gemeinde und Antje Schäfer vom Kirchenvorstand. Vor allem an der Nord- und Westseite wuchsen Moos und Farm. Auf einem Sims war sogar ein Birkenstämmchen gewachsen.

Der Stein befand sich an einer Ecke, bis Frost das Material porös gemacht hatte, sagt Saul. „Wir haben sofort ein Schutzgerüst aufgebaut.“ Ein Gutachter kam. Dann begann die Bestandsaufnahme und Planung mit dem Bistum und der Unteren Denkmalbehörde, was zu tun ist. So ist das Mauerwerk nun schon ausgebessert.

Hauptursache der Verwitterung waren die alten Wasserspeier, die nicht weit genug herausragten. Bei Regen wurde der nach unten sich verbreiternde Turm immer nass. Erst recht bei Wind, wenn das Wasser an die Fassade klatschte. Nach einigem Ringen stimmten die Denkmalschützer zu, dass Sankt Severin Fallrohre bekam, auch wenn sie an einigen Stellen als unschöner Wulst nach unten geführt werden müssen. „Statt früher acht gibt es aber nur noch vier Abläufe“, erklärt Saul den Kompromiss.

Zur Weihnachtszeit sollen die Arbeiten abgeschlossen sein

„Im Zuge der Sanierung hat man festgestellt, dass manche Fugen nicht in Ordnung sind“, sagt Picken. Auch der Tuff an den Dreipässen – die typischen Ornamente der Spätromanik an den Turmuhren – ist angeschlagen und wird gerade ausgebessert. Denn an manchen Stellen schält sich das Gestein ab. „Es wird vernadelt. Das ist wie eine Injektion oder eine Zahnbehandlung“, sagt Saul: Es würden lange, feine Dübel eingesetzt. Auch der in den 60er Jahren eingesetzte Kunststoff in den Fugen hat sich nicht so bewährt, wie ursprünglich gedacht. Wie ganz früher wurden sie nun mit Blei verstopft. „Wir machen gerade den Taubenschutz“, sagt Schädlingsbekämpfer Robin Radermacher von Gsell & Gesell aus Essen. Vor die Schallläden der Glocken spannt er schwarze, fast unsichtbare Netze. Die Schieferdecker bringen die Dächer in Schuss. Laut Plan sollen die Arbeiten im Advent abgeschlossen sein.

Mit allen Nacharbeiten kostet die Sanierung 365 000 Euro. „Die werden zu 100 Prozent aus Kirchensteuermitteln aus Köln bezahlt“, sagt Picken. Das gilt auch für Sankt Marien an der Burgstraße, wo die Sanierung der Kirche eine Million Euro verschlingt (der GA berichtete). Der bereits gesperrte Kirchplatz bekommt 2018 eine neue Entwässerung und wird umgestaltet, was noch mal soviel kostet.