Song aus Bad Godesberg

Der Rap von Rudbaat erreicht den Karneval

Die Musik entsteht am Computer: Rudbaat alias Marcel Hartmann überprüft am Laptop die Vertonung seines Videos.

Die Musik entsteht am Computer: Rudbaat alias Marcel Hartmann überprüft am Laptop die Vertonung seines Videos.

Bad Godesberg. Marcel Hartmann alias Rudbaat geht mit dem eingängigen Song „Stippefott“ in die Session. Das Lied hat das Zeug zum Karnevalsschlager.

Man kriegt es einfach nicht aus dem Kopf, dieses „Ich kann nit danze, nit danze Cherie“ gefolgt vom gerappten Stippefott. So heißt auch das neueste Lied von Marcel Hartmann alias Rudbaat aus Bad Godesberg, mit dem er den rheinischen Karneval aufmischen könnte. Immerhin hat es sein Song schon mit den neuesten Sessionshits von Kasalla, Räuber und Domstürmer auf einen Sampler geschafft. Ein paar Tausend Klicks gab es im Internet für das zugehörige Video, an dem jede Menge Karnevalisten mitwirkten.

In seinem Job als Medienreferent bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kann Hartmann seine kreative Seite weniger ausleben. Das tut er halt in seiner Freizeit. „Ich habe schon immer Musik gemacht“, sagt der 34-Jährige. „Seit es Computer gibt, nutze ich sie, um ihnen Töne zu entlocken.“ Er mag elektronische Beats – House und Trance, aber genauso die Lieder aus der Region und zeitgenössische Popmusik.

Der Rauschebart als Markenzeichen

Letztere habe über die Jahre viele elektronische Einflüsse erhalten, „das geht hin bis zur Stimmverfremdung“, so der Mann mit fehlendem Haupthaar und rotem Rauschebart. „Irgendwo muss ich ja eine Frisur machen“, erklärt Rudbaat sein Markenzeichen.

Seine Mutter liebt den Karneval, der Vater hasst ihn. Das hinderte Hartmann allerdings nicht daran, als 16-Jähriger aus Spaß am Wettbewerb „Let’s fööss“ teilzunehmen. Die Aufgabe lautete: Nehmt irgendein Bläck-Fööss-Lied und macht daraus, was ihr wollt. Weil der Junge sich da noch nicht ans Mikro traute, ließ er für „Joden Daach“ zwei Schulkameradinnen seinen Raptext singen. Das passte, um unter die besten Zehn zu kommen und zusammen mit den Fööss im Tanzbrunnen und im Palladium aufzutreten. „Das hat mich nachhaltig beeindruckt“, sagt Hartmann.

Als er 2015 bei den Heiderhofer Freibeutern aktiv wurde, kam er auf die kölsche Musik. Der Mundart einigermaßen mächtig, sang er nun auch. „Die Sprache hat eine ganz eigene Rhythmik, sie hat einen Flow“, meint Rudbaat anerkennend. Die Idee, sich eine eigene Band zusammenzusuchen, verwarf er bald. Streicher, Blasorchester, Schlagzeug und alle anderen Instrumente wurden aufgenommen (gesampelt) und kommen für neue Songs nun aus dem Rechner. Um das zu unterstreichen, sieht man die Akteure im Stippefott-Clip mit Plastik- und aufblasbaren Instrumenten: die große Garde der Freibeuter, für die Rudbaat schon manchen Auftrittssong geschrieben hat, Vertreter der Kleffbotze und Steffi Siegberg, das Mariechen der Stadtsoldaten Meckenheim. „Das sind alles Leute, die ich persönlich kenne“, so der Künstler.

Keine Ausreden mehr

Den Anstoß zum Stück gab eine Freibeutermama, die vorschlug: „Mach doch was mit Stippefott“. So entstand schnell das Credo, dass auch der größte Tanzmuffel es zumindest schaffen müsste, Popos aneinanderzureiben – eben wibbele, wie es die rheinischen Garden so gern tun. „Ich wollte die Tradition mit dem Neueren verbinden, Generationen verbinden. Karneval ist nicht nur was Verstaubtes und kann auch außerhalb des Straßenkarnevals etwas für junge Leute sein“, so Ruudbat. Er sagt: „Leute, tanzt Stippefott, es gibt nichts Einfacheres. Da hat keiner eine Ausrede mehr.“ So ging es schließlich einen Abend und eine halbe Nacht lang mit Patrick Block zum Dreh in die Tanzschule Koltermann. Freibeuter-Trainerin Inge Schöner, die dort als Tanzlehrerin arbeitet, hatte es möglich gemacht.

„Stippefott“ wurde am Ende noch in einem Studio abgemischt. Das war die Eintrittskarte für den Jahressampler „Megajeck 22“, wo es Lied Nummer 20 direkt nach „Dä Beat von Colör“ ist – zu hören auch auf den gängigen Streamingplattformen. Rudbaat hat mittlerweile rund 25 Stücke in seinem Repertoire und tritt damit auch im Karneval auf.

Mehr auf www.rudbaat.de