Nach dem Tod von Niklas P.

Dechant kritisiert Schweigen der Landespolitik

Die Trauergesellschaft mit Dechant Picken auf dem Weg zum Friedhof.

Die Trauergesellschaft mit Dechant Picken auf dem Weg zum Friedhof.

Bonn. Nach dem Tod des 17-jährigen Niklas P. aus Bad Breisig  kritisiert Dechant Wolfgang Picken die Haltung der Landesregierung.

Picken sei überrascht gewesen, dass es keine Stellungnahme gegeben habe, so der Dechant am Dienstag. Er habe sich neben dem politischen, auch ein menschliches Zeichen gewünscht: "Es wäre schön gewesen, wenn beispielsweise ein Vertreter der Landesvertretung an der Trauerfeier teilgenommen hätte", sagte Picken dem GA. Der Dechant hatte am vergangenen Samstag den Trauergottesdienst für Niklas geleitet.

"Meine Sorge ist es, dass das ganze politisch unter den Tisch fällt“, sagte Picken. Die Verantwortung für die innere Sicherheit liege nicht nur im Bonner Rathaus, sondern auch bei der Landespolitik. "Wenn wir Konsequenzen wollen, brauchen wir den politischen Willen und auch die finanziellen Mittel aus Düsseldorf, beispielsweise für Präventionsmaßnahmen in Schulen."

Fronleichnamsprozession zieht am Tatort vorbei

Zum Gedenken an den Schüler hat sich die katholische Gemeinde in Bad Godesberg dazu entschieden, den für Fronleichnam (26. Mai) geplanten Prozessionsweg zu ändern: So wird die Gemeinde nach der Messe den Weg laufen, den Niklas unmittelbar vor der tödlichen Attacke gegangen ist - inklusive dem Tatort der Prügelattacke. Sie zieht über die Rheinallee, den Königsplatz und die Rüngsdorfer Straße zum Gedenkkreuz für Niklas. Von dort setzt sich die Prozession über die Rheinallee, den Königsplatz und die Beethovenallee in Richtung der Herz Jesu Kirche in Bewegung. Dort findet nach dem Segen das Rheinviertelfest statt.

Wie Picken ankündigte, sollen die Messe auf dem Panoramaplatz und die anschließende Prozession nach dem Tod von Niklas P. eine "Demonstration gegen Gewalt und für Nächstenliebe" werden. Die Evangelische Christuskirche wird sich ebenfalls der Prozession anschließen.

20-Jähriger weiter in Haft

Der 20-Jährige, der verdächtigt wird, den 17-Jährigen in der Nacht zum 7. Mai mit einem Schlag gegen die Schläfe und einem Tritt gegen den Kopf getötet zu haben, sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Den kursierenden Gerüchten, dass sich der Tatverdacht gegen ihn nicht erhärtet habe und er freigelassen werde, widersprach Oberstaatsanwalt Robin Faßbender entschieden: "Wir sehen keine Veranlassung, an der Haftsituation etwas zu ändern“, sagte er dem General-Anzeiger am Montag auf Anfrage. Weiterhin suchen die Ermittler nach zwei weiteren Jugendlichen, die an der Tat beteiligt gewesen sein sollen.