Trauerfeier und Beisetzung von Niklas P.

Dechant Picken: Der Trauer müssen Taten folgen

Bad Godesberg. In einer bewegenden Trauerfeier haben am Samstag in Bad Godesberg Hunderte Menschen von Niklas P. Abschied genommen. Dechant Picken nahm dabei auch die Politik in die Verantwortung.

Sabrina Bauer, Lisa Inhoffen und Benjamin Westhoff (Fotos) berichten aus Bad Godesberg

"Wir trauern gemeinsam, weinen gemeinsam, gehen diesen schweren Weg Hand in Hand", sang der junge Rapper Djaspora in seinem für Niklas P. komponierten Song "Für Niklas". Mit diesem Lied begann der anderthalbstündige Trauergottesdienst am Samstagvormittag für den verstorbenen 17-Jährigen in der Kirche Sankt Marien in Bad Godesberg.

 

Der Einladung zur Teilnahme an den Exequien und der anschließenden Beisetzung auf dem Burgfriedhof unterhalb der Godesburg waren mehr als 700 Menschen gefolgt, um ihre Trauer über den Tod des Jugendlichen auszudrücken. Viele standen an den Seiten und hinter der vollen Kirchenbänken. Auch vor der Kirche hatten sich zahlreiche Menschen versammelt. Zwei Lautsprecher übertrugen die bewegende Abschiedsfeier nach draußen.

 

Der 17-jährige Niklas P. war vor einer Woche nach einer brutalen Attacke in Bad Godesberg seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Bonner Polizei hatte noch in der Tatnacht die Ermittlungen aufgenommen. Am vergangenen Mittwoch wurde ein 20-jähriger Tatverdächtiger in Untersuchungshaft genommen. Weiterhin fahnden Polizei und Staatsanwaltschaft nach zwei flüchtigen Mittätern.

"Es soll die letzte Station des Abschiednehmens sein", wandte sich Dechant Wolfgang Picken am Samstag an Niklas' Familie, Freunde und die Trauergäste, unter denen neben Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Godesbergs Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke ebenfalls Weihbischof Ansgar Puff als Vertreter des Erzbistums Köln anwesenden war. Daneben wohnten der EU-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff sowie der Landtagsabgeordnete Joachim Stamp dem Gottesdienst bei. Der Bad Breisiger Pfarrer Günter Marmann sowie die Pfarrer der Marienkirche zelebrierten die Messe mit. Neben dem weißen Sarg, der mit weißen Liliengestecken geschmückt war, stand ein großes Schwarz-Weiß-Porträt des Verstorbenen.

Ergreifende Predigt

In seiner ergreifenden Predigt erinnerte Dechant Picken an Niklas als einen höflichen und liebenswerten jungen Mann: "Eine seiner besonders hervorstechenden Eigenschaften war sein Humor". Gleichzeitig nutzte der Geistliche die Ansprache zur Mahnung: "Wir schulden Niklas das Versprechen, dass wir in Staat, Gesellschaft und Kirche alles daran setzen, dass Ähnliches nicht wieder geschieht." Die Spenden der Kollekte sollen daher der Jugendarbeit in Bad Godesberg zu Gute kommen. Musikalisch wurde die Trauerfeier von dem Gospelchor "Spirit of Gospel" der katholischen Kirchengemeinde im Südviertel sowie von Orgel- und Saxophonduetten begleitet.

Der Godesberger Priester hatte für seine Predigt eine Stelle aus dem Lukas-Evangelium ausgewählt, die Wiedererweckung des toten Jungen Nain beschreibt. Im Anschluss stellte er die zentrale Frage, die viele andere Menschen sich seit Niklas' Tod auch immer wieder stellen: "Wie ist es möglich, dass Menschen mitten aus unserer Gesellschaft zu dieser Tat fähig waren? Warum kommt es immer wieder, gerade auch in unserem Stadtteil, zu brutaler Gewaltausübung?"

Es sei das große Anliegen nicht zuletzt der Familie von Niklas, dass sein Tod den Impuls dafür gebe, "dass wir junge Menschen nicht allein lassen, dass wir der Gewalt entgegenwirken und ein gutes Zusammenleben aller Menschen und Kulturen in Bad Godesberg fördern", sagte Picken. Und: "Wenn ich von einem Versprechen rede, dass wir heute ablegen sollten, dann meine ich ausdrücklich nicht Worte, die man heute sagt und morgen wieder vergisst. Es müssen Versprechen sein, denen Taten folgen", sagte Picken mit Blick auf Oberbürgermeister Sridharan und Bezirksbürgermeisterin Stein-Lücke.

"Ich verspreche Ihnen, daran muss man nicht erinnern", sagte Sridharan nach der Trauerfeier zum GA. Noch in diesem Monat wolle er zum Runden Tisch mit Vertretern der Stadt, Jugendhilfe, Schulen, Kirchen und Polizei einladen, um nach Lösungen zu suchen, der Gewalt entgegenzutreten.

Als Zeichen der gemeinschaftlichen Anteilnahme und gemeinsamen Trauer, die der Duisdorfer Rapper Djaspora zu Beginn der Exequien besungen hatte, fassten sich die Trauergäste zum Vater Unser-Gebet an den Händen - auch über die Kirchenbänke hinaus. "Bleiben Sie einen Moment so stehen", bat Dechant Picken die Trauergemeinde einen Augenblick innezuhalten.

 

Nach der Trauerfeier zog die Trauergemeinde in einer stillen Prozession zum Burgfriedhof. Weiße Kerzen säumten den Weg von der Kirche Sankt Marien zum Friedhof hinauf, auf dem die Beisetzung stattfand. Die Polizei hatte die Straße dorthin abgesperrt. Neben den Beamten waren auch Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Notfallseelsorge Rhein-Sieg vor Ort, um Betroffenen an diesem Tag Hilfe zu leisten.

"Das ist kein Wunder, dieser schreckliche Tod eines jungen Menschen, der sein ganzes Leben noch vor sich hatte, nimmt uns doch alle sehr mit", sagte Dirk Yücelli, stellvertretender Vorsitzender des DRK Bonn. Der 18-jährige Jens Hermann, ein Helfer des DRK, berichtete, er sei an jenem verhängnisvollen Tag selbst 20 Minuten vor der tödlichen Prügeltattacke an dem Rondell vorbeigekommen. "Das hätte mich genauso erwischen können", meinte er.

Abschied am Grab

Am Grab sprach der Kölner Weihbischof Ansgar Puff seinen Segen aus. Zum Ende der Zeremonie erklang schließlich der Song "Never Forget You" von Zara Larsson. Es war das letzte Lied, welches Niklas am Abend der brutalen Tat gepostet hatte. Dazu stiegen nacheinander zwei weiße Tauben in den Himmel empor. "And in my heart I will always be sure, that I will never forget you", hieß es im Refrain des Liedes.

Die Trauerfeier im Live-Blog zum Nachlesen: