Training in Bonner Rheinaue

Das steckt hinter dem Endzeitsport Jugger

Mit der Kette versucht Julius Gummersbach (r.) seinen Bruder Simon zu treffen, damit dieser für acht Trommelschläge aussetzen muss.

Mit der Kette versucht Julius Gummersbach (r.) seinen Bruder Simon zu treffen, damit dieser für acht Trommelschläge aussetzen muss.

Plittersdorf. Jugendliche der Thomas-Kirchengemeinde trainieren regelmäßig das Spiel Jugger. Dabei bekommt der Gegner mit der Pompfe eins auf die Mütze.

Die Sonne scheint an diesem Samstagnachmittag, während Passanten durch die Rheinaue schlendern und radeln. Soweit nichts Besonderes, doch wer an der Wiese hinter der Thomaskapelle vorbeikommt, dem bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick. „Drei, zwei, eins Jugger“, brüllt Julius Gummersbach und los geht es.

Der 18-Jährige ist Jugendleiter der Thomas-Kirchengemeinde und Organisator des „Nightfox Bonn“ Jugger-Teams, Jeweils fünf Spieler auf beiden Seiten des Spielfelds stürmen auf die Spielfeldmitte zu, vier von ihnen sind mit gepolsterten Stangen, Pompfen genannt, bewaffnet. Was auf den ersten Blick nach einer Keilerei zwischen Rollenspiel-Enthusiasten aussieht, entpuppt sich jedoch als ein komplexer, neuartiger Sport.

Die Trendsportart kombiniert nämlich, vereinfacht gesagt, Elemente aus dem Fechten mit Mannschaftssport. Ein Spieler pro Team versucht den Spielball, den sogenannten Jugg, vorbei an den generischen Pompfern ins Mal, eine Art Tor, zu befördern. Die Pompfer versuchen dabei, die Gegenspieler mit ihren Waffen zu berühren, was dazu führt, dass diese kurzfristig aussetzen müssen. Was martialisch klingt, ist aber „eigentlich genauso gefährlich oder harmlos wie andere Sportarten“, räumt Gummersbach ein.

„Man braucht den Gegner nicht so hart wie möglich zu treffen, ein einfaches Tippen reicht aus“, erklärt er. Es ginge beim Juggern nicht um die Simulation von Gewalt, sondern um den Teamgeist. „Daher ist Fairness sehr wichtig, man benötigt eine Menge gegenseitigen Respekt und Selbstbeherrschung“, sagt der 18-Jährige überzeugt.

Der Sport entfacht die Neugier der Rheinauenbesucher

So oder so steht fest: Der Sport entfacht die Neugier der Rheinauenbesucher, was Karl Cham, neben Gummersbach Gründer von „Nigthfox Bonn“, nicht verblüfft. „Es kommt häufiger vor, dass Passanten stehenbleiben und Fragen zum Spielgeschehen stellen. Wenn wir gerade Zeit haben, beantworten wir die den Neugierigen auch gerne“, berichtet der 17-Jährige.

Einer dieser Neugierigen ist Detlef Struckhof, Vater des 13-jährigen Pits, der zusammen mit dem Team trainiert. Auf die Frage, welchen Eindruck Jugger auf ihn erweckt, entgegnet Struckhof: „Es ist wie ein Internetspiel in die Realität übersetzt.“ Trotzdem oder gerade deswegen erfreue er sich daran, dass sein Sohn juggere. „Man kriegt die Kinder mal vom Videospielen weg, raus in die Natur“, so Struckhof. Pit mache bei den Jugendlichen der Thomas-Kirchengemeinde mit, seitdem seine Mutter auf eine Meldung im Gemeindebrief aufmerksam wurde und ihn anmeldete.

Der 13-Jährige selbst mag besonders den Rollenspielaspekt von Jugger, den er mit ausgefallenen Kampfbewegungen und Lichtschwertgeräuschen auslebt. Trotz der Parallelen zum Rollenspiel bleibe Jugger aber eine ganz normale Sportart, betont Gummersbach. Daher sei es auch nicht widersprüchlich, dass die Kirchengemeinde den Jugendlichen den Endzeitsport, der ja zumindest in der Vorlage sehr gewalttätig sei, ermöglicht.

„Die außergottesdienstlichen Angebote der Kirche agieren als Treffpunkt für Leute mit gemeinsamen Interessen, die zusammen Spaß haben wollen. Ob nun Kaffeekränzchen, Grillabend oder eben Jugger ist doch unwichtig“, bekräftigt der Jugendleiter.