Fall Niklas Pöhler in Bonn

Das sagt Niklas' Mutter zur Einstellung der Ermittlungen

Mit diesem Kreuz hat ein Randalierer an der Gedenkstätte für Niklas Pöhler um sich geschlagen.

Die Ermittlungen nach dem Tod von Niklas Pöhler sind eingestellt worden.

05.05.2019 Bonn. Die brutale Tat löste 2016 bundesweit Bestürzung aus: Der Schüler Niklas Pöhler wird in Bad Godesberg zusammengeschlagen und stirbt. Nun hat die Staatsanwaltschaft die Akten geschlossen. Mutter Dénise Pöhler ist fassungslos.

Dass die Ermittlungen zum Tod ihres Sohnes eingestellt worden sind, ist für Dénise Pöhler ein harter Schlag. „Ich befinde mich immer noch im Schockzustand“, teilte sie auf GA-Anfrage mit. Schlimmer noch: Von der Entscheidung der Staatsanwaltschaft habe sie aus den Medien erfahren. Dies sei „zudem so kurz vor Niklas drittem Todestag mal wieder völlig empathielos“ gewesen.

Dass der Mord an Niklas vorerst ungesühnt bleibe, „ist für mich als Mutter, aber auch für die meisten Menschen unvorstellbar“, so Dénise Pöhler. "Ich frage mich oft, wie ich das selbst bis jetzt überlebt habe“, aber es gebe „da draußen“ unendlich viele Menschen, die ihr Mut zusprächen und die an sie denken würden. Justiz und Anwälte seien keine große Hilfe in der furchtbaren Zeit gewesen.

Als einzig verlässliche Konstante nennt sie ihren Seelsorger, den damaligen Bad Godesberger Pfarrer und heutigen Bonner Stadtdechanten Wolfgang Picken. „Ich kann nur hoffen, dass einer der Zeugen sein Schweigen bricht“, so Dénise Pöhler. Und erinnert an die noch geltende Belohnung im Höhe von 14.000 Euro. „Mir kommt es so vor, als sei das alles gestern erst geschehen. Alles ist total präsent.“

(Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.)

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

Drei Jahre nach der tödlichen Prügelattacke auf den Schüler Niklas in Bonn hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren ohne Ergebnis eingestellt. „Der Täter konnte nicht ermittelt werden, da das gesamte Umfeld eisern schweigt“, sagte der Bonner Oberstaatsanwalt Robin Faßbender auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der 17-jährige Niklas war im Mai 2016 zu Tode geprügelt worden.

„Wir gehen nach wie vor davon aus, dass viele Leute wissen, wer das getan hat, aber keiner erzählt es uns“, sagte Faßbender. „Wir sind in diesem Fall aber auf die Aussagen von Zeugen angewiesen.“ Sollte sich eines Tages doch noch jemand dazu durchringen, sein Schweigen zu brechen, würden die Ermittlungen wieder aufgenommen, versicherte Faßbender.

Als vermeintlicher Täter wurde der damals 21-jährige Walid S. wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Doch der Prozess vor dem Bonner Landgericht endete mit einem Freispruch, und zwar aus Mangel an Beweisen. Walid S. hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Der heute 23-Jährige ist polizeibekannt. Unter anderem wurde er verdächtigt, in mehrere Schlägereien verwickelt gewesen zu sein. So auch in der Nacht zum 10. Februar am Bonner Uni-Hauptgebäude. Dabei wurde ein 26-Jähriger so brutal attackiert, dass er laut Polizei mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Wenige Tage später wurde Walid S. festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Bonner Staatsanwaltschaft erwirkte einen Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den 23-Jährigen. Haftgrund ist Wiederholungsgefahr.

Keine Aussagen von möglichen Zeugen

Im Moment sehe man keine Möglichkeit, potenzielle Zeugen „zum Reden zu bringen“, so Faßbender auf GA-Anfrage. Zu der Frage, wie sich Ermittler und Staatsanwaltschaft nach der Einstellung der Ermittlungen fühlen, wollte er nichts sagen. Nur soviel: Es sei ein spezieller Fall, einer der derjenigen, bei denen er stets darum bitte, erst in einigen Jahren nach den Emotionen der Staatsanwaltschaft zu fragen -  und zwar „nach meiner Pensionierung. Im Moment gibt es da leider nur die dienstliche Sicht.“

Niklas war zusammen mit Freunden nach einem Konzertbesuch in Bonn-Bad Godesberg an eine Männergruppe geraten. Der 17-Jährige erhielt einen Schlag gegen die Schläfe und fiel zu Boden. Dann wurde ihm gegen den Kopf getreten. Er starb wenige Tage später im Krankenhaus. Die Tat hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt.

(mit Material von dpa) ()