50 Jahre Gebietsreform

Das Ende der stolzen Diplomatenstadt Bad Godesberg

Bad Godesberg. Seit dem 1. August 1969 gehört Bad Godesberg zu Bonn. Aber schon vorher wuchsen die beiden damaligen Städte mehr und mehr zu einem Stadtgebiet zusammen.

Wie hatte Bad Godesbergs letzter Stadtdirektor Fritz Brüse kurz vor seinem Tod 2009 mit Blick auf die Gebietsreform von 1969 und damit auf die Eingemeindung der Badestadt gesagt? „Inzwischen wächst zusammen, was nicht zusammengehört.“ Damit spielte Brüse sicher auch auf das Lebensgefühl der ehemals stolzen Diplomatenstadt Godesberg an. Städtebaulich gesehen waren Bonn und Bad Godesberg 2009 aber schon längst eins geworden. Die Folge: Heute weiß kaum noch jemand, wo einst die Grenze zwischen beiden verlief.

Bonner Rheinaue liegt zumeist auf Godesberger Gebiet

„Ich habe immer wieder den Eindruck, dass vielen Godesbergern nicht bewusst ist, dass die Bezirksgrenze bis zur Südbrücke geht und die sogenannte Bonner Rheinaue zum größten Teil auf Godesberger Gebiet liegt“, erläutert Martin Ammermüller, Vorsitzender des Godesberger Heimat- und Geschichtsvereins. Dabei sei Bad Godesberg dank seiner Lage mit den Begrenzungen durch Kottenforst und Rhein wohl am besten von allen Bezirken erkennbar. „Und ohnehin am schönsten gelegen – gegenüber dem Siebengebirge“, fügt Ammermüller hinzu.

Wie ist dann aber das Zusammenwachsen an den alten Stadtgrenzen genau verlaufen? Auf Luftaufnahmen der 1950er und frühen 1960er Jahren sind zwischen Plittersdorf und den Regierungsbauten in der Gronau noch weite Felder und Wiesen zu erkennen. Das 1966 errichtete Abgeordnetenhaus „Langer Eugen“, heute Sitz der Vereinten Nationen, sticht heraus. An der Südbrücke wurde von 1967 bis 1972 gebaut.

Letztlich hätten sich Bonn und Godesberg also schon vor der Reform 1969 städtebaulich angenähert, meint Ammermüller. Und er verweist auf die ministerialen Kreuzbauten, die zwischen 1965 und 1972 entstanden, auf das Friedrich-Ebert-Stiftungsgebäude von 1969 sowie das heute leerstehende Landesbehördenhaus nebst Ex-Polizeipräsidium, die ab 1969 an der B9 entstanden.

1979 Zuschlag für Gartenschau auf Rheinau-Gelände

Ein Blick in die umfangreichen Stadtplanungsberichte der entsprechenden Jahre zeigt, dass der Verwaltung im Zuge der Gebietsreform natürlich wichtige Weichenstellungen abverlangt wurden. 1969 stellte Stadtbaurat Gerd Nieke das Modell eines „Central Administration Districts“ im Godesberger Norden vor. Planungsamtsleiter Paul Epping verdeutlichte, dass ausschließlich Arbeitsplätze in der Zone um die B9 konzentriert werden sollten, um den Raum zum Rhein hin möglichst für Wohnprogramme frei zu halten. Was, den B9-Bereich betreffend, auch realisiert wurde. Auf jeden Fall sollte auf der Freifläche Rheinaue bis unterhalb der im Bau befindlichen Südbrücke ein großer Freizeitpark platziert werden, wünschte sich Nieke.

Auch das wurde durchgesetzt: Bonn erhielt für das 160 Hektar-Gelände 1979 sogar den Zuschlag, die Bundesgartenschau auszurichten. Dabei stellte das Gebiet zwischen den nördlichsten Godesberger Siedlungsausläufern, der Autobahn, der B9 und dem Rheinauenpark auch Mitte der 1970er Jahre noch „eine grüne Wiese“ dar, beschrieb Stadtplaner Friedrich Busmann 2004 rückblickend.

Der Weiterbau der kreuzförmigen und mindestens 15-geschossigen Hochhäuser für Bundesministerien war durch Bürgerproteste gestoppt worden. Es blieb bei zwei statt sieben geplanten Kreuzbauten. Ministerielle und Bürogebäude „in mäßiger Höhe“ füllten die Lücken – und 1990 dann parallel zur Stadtbahnrampe der Komplex des Maritim samt 400 Zimmern und Konferenzräumen. Das Hotel sollte die Teilnehmer des wachsenden Tagungsbetrieb der Bundeshauptstadt unterbringen.

Zukunfts- statt Botschaftsmeile

An der Ludwig-Erhard-Allee wiederum hatte man auf dem Gelände einer früheren Lehranstalt der Landwirtschaftskammer Rheinland bis zur Rheinaue hin eine „Botschaftsmeile“ geplant. Bis 1991 zogen hier noch die Syrer ihre exotisch anmutende Vertretung hoch. Doch dann warf der Umzugsbeschluss der Regierung nach Berlin sämtliche Pläne über den Haufen. Und aus der „Botschaftsmeile“ wurde bald eine „Zukunftsmeile“ mit „Büroarchitektur in bunter Mischung“ für Wirtschaftsverbände, Konzernvertretungen und Beratungsunternehmen, so Stadtplaner Busmann.

Wobei der Dezernent im Rückblick ein Schmuckstück ganz besonders hervorhob: das 2003 fertiggestellte Wissenschaftszentrum „Caesar“. Diplomatenstadt war Bad Godesberg nun schon lange nicht mehr. Aber hier – auf einer seiner letzten großen Freiflächen im äußersten Norden – hatte es einen weiteren Zugewinn als neuer Wissenschaftsstandort erhalten.