Flüchtlingshilfe in Bad Godesberg

"Christkinder" aus Aleppo sind da

Vorläufiges Ende einer Flucht: Die evangelische Thomas-Kirchengemeinde hat für die fünfköpfige syrische Familie eine Wohnung angemietet. Viele Godesberger halfen mit Möbeln und Hausrat. FOTO: BARBARA FROMMANN

Vorläufiges Ende einer Flucht: Die evangelische Thomas-Kirchengemeinde hat für die fünfköpfige syrische Familie eine Wohnung angemietet. Viele Godesberger halfen mit Möbeln und Hausrat.

BAD GODESBERG. Die "Christkinder" der evangelischen Thomas-Kirchengemeinde sind da. Am Heiligen Abend war für die fünfköpfige Familie aus dem syrischen Aleppo die Flucht endlich zu Ende: in einer von der Gemeinde finanzierten Bonner Wohnung.

"Die Fünf sind sehr verunsichert", erzählt Projektleiterin Regina Uhrig. Die Leiterin des evangelischen Hauses der Familie (HdF) ist mit einer ihrer Mitarbeiterinnen zum Weihnachtsbesuch gekommen. Fest klammern sich die zwei-, fünf- und siebenjährigen Kinder an die Eltern. Die Gefahren der Flucht, die Strapazen der Wartezeit im türkischen Grenzgebiet sind auch den Eltern anzusehen. Die syrische Mitarbeiterin Uhrigs übersetzt. Langsam schmilzt das Eis.

"Helft mir, dass ich meine Schwester und ihre Familie aus dem Kriegsgebiet holen kann", habe ihre Mitarbeiterin vor Monaten verzweifelt gebeten, wird Uhrig nach dem Besuch die Vorgeschichte erzählen. "Wir geben ansonsten viel Geld für Steine aus. Jetzt wollen wir etwas konkret tun", habe das Thomas-Presbyterium entschieden.

Man unterstütze also die Familie zwei Jahre mit monatlich 1500 Euro, so dass die HdF-Mitarbeiterin die Verpflichtungserklärung für die Einreise der Verwandten unterzeichnen konnte. Jetzt wurden die Visa in Istanbul erteilt, die Mitarbeiterin bezahlte selbst die Flugtickets. Und Uhrig wirbelte mit elf kleinen und großen Helfern, um gespendete Möbel und andere Gaben aus Godesberger und Wachtberger Haushalten in die Flüchtlingswohnung zu bringen.

Wirbeln tun derzeit auch zahlreiche Helfer in den drei anderen evangelischen Gemeinden Godesbergs. Anlaufstelle ist die im September gegründete "Flüchtlingshilfe Syrien" der Johannesgemeinde. "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen", unter diesem Bibelwort bemühe man sich um ein fremdenfreundliches Klima im Stadtbezirk, sagt deren Sprecher Christoph Nicolai.

Der ehemalige Beueler Gemeindepfarrer stand kürzlich schon zum Willkommen in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Deutschherrenstraße bereit (der GA berichtete). "Wir unterstützen aber auch ansonsten die Flucht von Syrern und bieten schon hier Lebenden Hilfe an", erläutert Nicolai die Arbeitsweise.

Bürgschaften für die Versorgung außer der Krankenversicherung seien die unabdingbare Voraussetzung für die Erteilung von Visa. Also unterschreiben Freiwillige. "Und mit unseren eingeworbenen Spenden wird das persönliche Risiko der Verpflichtungsgeber dann auf die Schultern der Solidargemeinschaft unseres Kreises gelegt", so Nicolai.

Für Aufgabenfelder wie Sachspenden, Finanzen, Wohnraum, Sprache und Schule hätten Ehrenamtliche Verantwortung übernommen: mit Erfolg. Da ist etwa der Fall einer schon hierher geflüchteten Syrerin, die auf die Zusammenführung mit Mann und vier Kindern wartet.

"Die Erlösergemeinde stellt ihnen dann eine Wohnung zur Verfügung, die durch den Unterstützerkreis möbliert wurde", berichtet Erlöserkirchen-Pfarrer Daniel Post. Einer anderen Familie bezahlte der Kreis die Flugkosten für die kleinen Kinder aus dem Kriegsgebiet und unterstützt eine weitere, die mit der Aufnahme von Angehörigen ebenfalls an die Grenzen der Belastbarkeit geraten ist. Von Mehlem aus verweist der Verbindungsmann zur Heiland-Kirchengemeinde, Pfarrer im Ruhestand Jürgen Liepe, weitere Hilferufe an die Gruppe und wirbt für Kollektengelder.

"Allen Spendern und Helfern sei herzlich gedankt. Die Spendenbereitschaft ist überwältigend", freut sich Uhrig ebenso wie Nicolai. Vor den beiden und ihren Helfern liegt noch viel Arbeit. "Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe," sagt Uhrig im Wohnzimmer der "Christkinder". Gerade kommt die Gastgeberin mit einem Tablett syrischer Leckereien heran. Ihr Mann suche jetzt dringend Arbeit: Er ist Lastwagenfahrer. Ob er bis Ende Januar, wenn die Gemeinde die Familie in der Christuskirche begrüßen will, schon Kontakt zu einem Arbeitgeber knüpfen konnte?

Die Flüchtlingshilfe

Die "Flüchtlingshilfe Syrien" trifft sich monatlich. Zum nächsten Treffen sind alle Interessierten am Sonntag, 25.Januar 2015, um 11.45 Uhr (nach dem Gottesdienst) in die Immanuelkirche, Tulpenbaumweg 2, eingeladen. Jede Spende ist willkommen.

Mail: fluechtlingshilfe@johannes-kirchengemeinde.de. Kontakt zur Hilfe der Thomas-Kirchengemeinde, Träger des Hauses der Familie, über Mail: regina.uhrig@ekir.de .