Fronleichnam

Christen tragen ihren Glauben auf die Straßen

Pfarrer Wolfgang Picken spricht im Panoramapark.

Pfarrer Wolfgang Picken spricht im Panoramapark.

Bad Godesberg. n zahlreichen Prozessionen haben die Bonner Katholiken am Donnerstag Fronleichnam gefeiert - in der Innenstadt ohne den zurückgetretenen Stadtdechanten Wilfried Schumacher, in der Altstadt gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde.

Rund 1300 Gläubige kamen beim Fronleichnamsgottesdienst im Bad Godesberger Panoramapark zusammen. Das zentrale Thema lautete "Die Welt braucht Idealisten!". Pfarrer Wolfgang Picken bezeichnete in seiner Predigt die beiden seligen Ordensgründerinnen Clara Fey und Katharina Kasper als "Heilige des Alltags".

Beide Ordensfrauen hätten im Ausgang des 19. Jahrhunderts mit ihren neu gegründeten Schwesternkongregationen zugepackt, wo Zuwendung und Leidenschaft gefragt war. "Wir alle wissen, dass es auch heute in der Pädagogik sowie in der Kranken- und Altenpflege erhebliche Probleme gibt. Wo familiäre Bindungen schwächer werden, stößt die Gesellschaft in der Begleitung von Kindern und der Versorgung der Pflegebedürftigen an Grenzen", sagte Picken.

Es entstünden Defizite, die von Politik und Gesellschaft nicht gelöst werden könnten. Vielerorts gebe es nicht genügend Personal, sodass es den betroffenen Kindern, Jugendlichen, Alten und Kranken an Zuwendung fehle. "Das macht deutlich, wir brauchen heute Idealisten der Liebe wie die beiden seligen Schwestern, wenn wir den Kollaps der Systeme und den Verlust der Würde des Menschen nicht riskieren wollen", so Godesbergs Pfarrer.

Gedenken an Niklas Pöhler

Das Jahresgedächtnis für den 2016 in Bad Godesberg getöteten Niklas Pöhler war Teil des Fronleichnamsgottesdienstes im Panoramapark.

Die "Rhein Area Pipes & Drums" begleiteten den Open-Air-Gottesdienst der Rheinviertelgemeinde von Bad Godesberg mit Dudelsack und Trommel. "Wir wollen das Fehlen von Niklas sichtbar machen", sagte Thomas Daniels, Leiter der Gruppe. Auf Wunsch der Familie Pöhler spielte die Musikgruppe im vergangenen Jahr erstmalig bei einem Gottesdienst.

"Der Abstand von zwei Jahren hat die Trauer der Familie nicht gemindert. Hier zeigt sich, dass die Zeit, anders als wir es gerne sagen, keine Wunden heilt", so Pfarrer Wolfgang Picken.

Hinzu komme die Belastung, dass die Hintergründe des Todes nicht aufgeklärt werden konnten und kein Täter überführt wurde. "Das erschwert die Trauer deutlich", erklärte Picken. Am Todestag des damals 17-jährigen Niklas, dem 12. Mai, kamen Familie und Freunde zu einem privaten Gedenkgottesdienst zusammen.