Botschaftstour in Bad Godesberg

Chinesen öffnen erstmals ihre Türen

Bad Godesberg. Zwei mächtige, brüllende Löwen begrüßen die Besucher der ehemaligen Botschaft im Schloss Rigal an der Kurfürstenallee 12. Sie flankieren das Marmorportal und symbolisieren so Kraft und Stärke, wie es Botschaftsrätin Miaozhen Zhu sagte. Sie hieß erstmals Teilnehmer der Godesberger Botschaftstouren willkommen.

Der Besuch führte zu dem rund 1,6 Hektar großen Komplex, der erst seit vergangenem Jahr Außenstelle der Botschaft ist. „Ich bin selbst erst im vergangenen September hierher gesandt worden“, sagte die freundliche Frau, die bei der jüngsten Botschaftstour des Vereins Bad Godesberg Stadtmarketing 17 Gäste begrüßte.

„Das ist eine echte Premiere und etwas ganz Besonderes“, sagte Tourleiter Michael Wenzel. Die Anlage mit fünf Gebäuden und einem großzügigen Garten voller stattlicher Bäume hatte zum ersten Mal ihre Tore für die Öffentlichkeit geöffnet. Diesmal zunächst für Stadtmarketing-Mitglieder, demnächst auch für jeden, der an den Führungen teilnimmt.

Die Außenstelle dient heute als Konferenzzentrum für Veranstaltungen der Botschaft. Dort befindet sich auch die Gebäudeverwaltung für die vier Generalkonsulate in Hamburg, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf. Letzteres wurde am 19. Dezember vergangenen Jahres eröffnet.

„Nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1972 eröffnete die Volksrepublik China im Februar 1973 eine Botschaft am Regierungssitz Bonn“, blickte Zhu zurück. Zunächst zog sie in Niederbachem in ein angemietetes ehemaliges Hotel ein.

1982 erhielten die Chinesen die Baugenehmigung für das Schloss Rigal, das zwei Jahre später zur Schlüsselübergabe fertig wurde. Die Planung lag in Händen der Bundesbaudirektion.

Die Hausherren hinterließen aber an vielen Stellen ihre Spuren, etwa mit den landestypischen Pagodendächern, deren Struktur sich als Abdeckungen auf Mauern wiederholt. „Zahlreiche chinesische Facharbeiter und Handwerker waren auf der Baustelle beschäftigt, rote Wandziegel und gelb glasierte Dachziegel wurden aus China eingeflogen“, so die Botschaftsrätin.

Die chinesische Botschaft zog 1999 nach Berlin, ins umgebaute Gebäude des ehemaligen FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund). In Bonn blieb zunächst eine Außenstelle, die 2005 dem Generalkonsulat in Frankfurt angegliedert wurde. Die fünf Godesberger Gebäude standen seitdem leer, wurden von Berlin aus aber instand gehalten. Eine Sanierung erfolgte 2012, sodass das Innere nun von dunkler Holzverkleidung und beeindruckenden Kronleuchtern geprägt ist.

Ein besonderer Hingucker ist ein kreisrunder, filigraner Durchgang, hinter dem sich der Blick aufs Teehaus mit seinem Brunnen öffnet. Dort fällt das große Porzellangemälde mit Pflanzen und Vögeln auf. Davor steht ein runder Tisch mit Hockern.

„Das ist eine für den Süden des Landes typische Anlage“, sagte Zhu. Das Teehaus sei angelehnt an die berühmte Gartenstadt Suzhou 80 Kilometer südlich von Schanghai. „Wunderschön“, meinte ein Teilnehmer der Tour.

Die führte auch in den Veranstaltungsraum mit Bühne und den vorgelagerten Bankettsaal, in dem bis zu 500 Gäste Platz finden. Die kamen früher zu drei besonderen Anlässen: zum chinesischen Nationalfeiertag am 1.Oktober, zum chinesischen Neujahr Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar sowie zum Gründungstag der Volksarmee am 1. August. Weitaus öfter fanden Empfänge für 200 bis 300 Personen statt. „Das gehörte zum Alltag“, sagte Zhu.

Die nächste Tour führt am Dienstag, 10. Mai, um 15.30 Uhr zur chinesischen Außenstelle. Anmeldung bei Bad Godesberg Stadtmarketing unter 0228/1842690.