Von Tannenbusch nach Plittersdorf

Bonner Familie beklagt viel zu langen Schulweg

Abdolhossein Neisi mit seiner Tochter Nehal und seinem Sohn Mostafa am Tannenbuscher Bahnsteig nach Bad Godesberg.

Abdolhossein Neisi mit seiner Tochter Nehal und seinem Sohn Mostafa am Tannenbuscher Bahnsteig nach Bad Godesberg.

Plittersdorf/Tannenbusch. Die Kinder der Familie Neisi müssen einen langen Schulweg nach Bad Godesberg in Kauf nehmen. Die Tannenbuscher hoffen, dass der jüngste Zögling in eine nähere Schule kommt. Doch das ist nicht so einfach.

Für Abdolhossein Neisi scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen: Drei seiner Kinder haben nicht weit entfernt von ihrer Wohnung am Chemnitzer Weg in Tannenbusch die Carl-Schurz-Grundschule absolviert und wegen ihrer guten Noten eine Gymnasialempfehlung erhalten. Er und seine Frau haben nacheinander Menal (13), Nehal (12) und Mostafa (11) am Tannenbusch-Gymnasium angemeldet und jedes Mal aufgrund fehlender Kapazitäten eine Absage erhalten. Nun brechen die Kinder schon morgens früh auf, um rechtzeitig zum Unterricht am Plittersdorfer Nicolaus-Cusanus-Gymnasium zu kommen.

Der Tag für die Kinder beginnt früh, um 7.10 Uhr fährt die Bahn nach Bad Godesberg. An der Wurzerstraße steigen sie dann aus und laufen noch eine Viertelstunde bis zum NCG. Wenn der Tag dort lang ist, kommen sie oft erst am frühen Abend nach Hause. „Sie sind oft im Dunkeln unterwegs“, sagt Neisi – besonders im Winter. Er habe da rund um Tannenbusch-Mitte durchaus Angst um die Kinder. Er kennt Nachbarn, die ebenfalls drei Mädchen am von der Stadt vorgeschlagenen NCG haben. Dagegen wisse er von einem Mädchen und einem Jungen, die von Bad Godesberg ans Tannenbusch-Gymnasium führen. Neisi hat noch ein weiteres Problem. Weil er und seine Frau schwer krank sind, ist die gute Organisation des Familienlebens von großer Bedeutung.

„Für uns ist der Weg viel zu lang“, meint Menal. Ihre Schwester sagt, dass sie nach der Schule oft müde sei und in der Bahn einschlafe. „Ich fahre dann öfters bis nach Köln“, sagt Nehal. Die Geschwister denken, dass ihnen Zeit für Hausaufgaben und zum Lernen fehlt. Am NCG würden sie sich ansonsten wohlfühlen. Jüngster in der Familie ist der achtjährige Morteza, von dem alle hoffen, dass er in der Nähe zur Schule gehen kann.

„Ich verstehe die Verteilung nicht“, sagt der gebürtige Iraner, der 1988 nach Deutschland kam. Er hat gehört, dass es in Tannenbusch ein Losverfahren gebe, wundert sich allerdings, dreimal Pech gehabt zu haben. Er weiß aber auch, dass seine Kinder bei der Vorstellung eine Aufgabe mit dem Gewicht von Melonen und Orangen lösen sollten, dabei aber nicht so gut abgeschnitten haben.

„Eine Auswahl durch Testung (Mathematik, Deutsch) findet nicht statt“, teilt Dirk Schneemann, Pressereferent der Bezirksregierung Köln mit. Das bestätigt auch Eike Schultz, Schulleiter des Tannenbusch-Gymnasiums. „Bei Beratungsgesprächen machen wir Gedankenreisen, um die Kinder kennenzulernen“, sagt er. Diese dienten rein als Grundlage für die Beratung der Eltern. Es gebe demnach keine Aufnahmegespräche, zumal der Elternwille zur Wahl der Schulform von der Landesregierung großgeschrieben werde. Die einzigen Aufnahmetests finden, wie vorgeschrieben, für die Klassen des Sportzweigs statt.

Im Schulgesetz stehen Kriterien für die Vergabe

Für die Regeln der Aufnahme verweist Schultz aufs Schulgesetz. Darin heißt es, dass bestimmte Kriterien angewendet werden müssen, wenn die Zahl der Anmeldungen die Aufnahmekapazität übersteigt. Da geht es um Geschwisterkinder, ein ausgewogenes Verhältnis von Mädchen und Jungen, die Muttersprache, Schulwege, eine Schule in der Nähe und die zuletzt besuchte Grundschule. „An unserer Schule beziehen wir uns nur auf das Losverfahren, rein aus Gerechtigkeit“, sagt Schultz. Der Griff in den Lostopf finde jedes Jahr halb öffentlich statt und werde dokumentiert. „Wir müssen auch gegenüber der Bezirksregierung Rechenschaft ablegen“, sagt der Schulleiter.

Wenn eine Schule in Bonn noch freie Plätze hat, meldet sie es dem Schulamt als Träger. Dort wird dann die Verteilung organisiert. Schultz sagt, dass er gern Neisis Kinder aufnehmen würde, aber mit jeweils 27 bis 29 Schülern seien die Klassen am dreizügigen Gymnasium voll. Jedes Jahr würden ein bis zwei Hände voll Schüler abgelehnt. Schultz ergänzt, dass die Nachfrage an Plätzen für die 19 Gymnasien in Bonn (zehn städtisch, neun privat) hoch sei. Falls die Neisis nun woanders einen Platz wollen, müssten sie laut Bezirksregierung selbst suchen und tätig werden.