Bezirksbürgermeisterin macht Sparvorschläge

"Bezirksbibliothek privatisieren"

Die städtische Bezirksbibliothek im Lindeblock: Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke schlägt die Privatisierung vor.

BAD GODESBERG. An diesem Wochenende tagt die Spitze der Stadtverwaltung hinter verschlossenen Türen, um die prekäre Finanzsituation zu beraten (der GA berichtete gestern). Ergebnisse werden am Montag bekanntgegeben. Unterdessen macht Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke (CDU) einen eigenen Vorstoß in Sachen Haushalt.

"Wir laufen immer mit der Streichliste herum, aber haben kein Konzept. Ich möchte mitmachen und schauen, was Bad Godesberg zum Sparen beitragen kann. Statt Pfründe zu sichern müssen, wir intelligente Lösungen suchen", sagt sie.

Stein-Lücke stellt deshalb zu den zentralen Punkten Bücherei, Kurfürstenbad und Kammerspiele eigene Ideen vor. Größter Einschnitt: Die Privatisierung der Bezirksbibliothek im Lindeblock, was letztlich einer Schließung der Stadtteilbücherei in heutiger Form gleichkäme. Die Positionen der Bezirksbürgermeisterin im Einzelnen:

Bezirksbibliothek

Mit Privatisierung meint Stein-Lücke, die Buchbestände der Bezirksbibliothek auf die Pfarrbüchereien zu verteilen und so in Bad Godesberg zu halten. "Wir haben hier die privaten Parallelstrukturen, die müssen wir stärker nutzen", sagt die Bezirksbürgermeisterin, die sich selbst als "Büchermensch" bezeichnet und das Leseangebot in Bad Godesberg nicht beschneiden möchte. "Es nützt ja nichts, dass wir immer weiter Öffnungzeiten kürzen. Ich bin dafür, dass man sich auch neuen Wegen öffnet", so Stein-Lücke. Unterdessen wartet die Politik weiter auf das Bibliothekskonzept der Stadtverwaltung.

Es soll nach GA-Informationen in der ersten Sitzung des Kulturausschusses nach der Kommunalwahl vorgestellt werden, eine Tagesordnung für den 30. Oktober gibt es aber noch nicht. Nach bisherigen Informationen ist die Zukunft der Stadtbibliotheks-Zweigstellen eng mit der Fertigstellung des Hauses der Bildung am Bottlerplatz verknüpft. Weil dort nicht zuletzt wegen der geplanten deutlich längeren Öffnungszeiten zusätzliches Personal benötigt werde, soll die Filiale in Graurheindorf ab März 2015 geschlossen werden, hatte Kulturdezernent Martin Schumacher Ende August dem GA gesagt. Die Zweigstellen in Endenich und Dottendorf sollen nur noch an zwei Tagen in der Woche öffnen. Von geplanten Kürzungen in Bad Godesberg oder gar an einer Schließung war bei der Kulturverwaltung bisher nicht die Rede.

Kammerspiele

Für den Erhalt des Theaterstandorts Bad Godesberg möchte die Bezirksbürgermeisterin Sponsoren suchen und das Haus zugleich für andere Nutzer und Veranstaltungen öffnen. Diese Idee eines Public-Private-Partnership für die Kammerspiele habe sie bereits mit Generalintendant Bernhard Helmich besprochen. "Ich hätte das Haus gerne weiter in Bad Godesberg, aber mit einem erweiterten Programm", so Stein-Lücke.

Kurfürstenbad

Das einzige Bad Godesberger Hallenbad müsse unbedingt erhalten bleiben, so die Bezirksbürgermeisterin. "Ich bin nicht bereit, auch nur einen Zentimeter abzurücken, noch immer sterben viel zu viele Kinder in Deutschland, weil sie nicht richtig schwimmen können", sagte Stein-Lücke dem GA. Zum anderen sei es wichtig, Bad Godesberg noch stärker auf Prävention und Gesundheit auszurichten.

Bezirksverwaltung

Stein-Lücke will die Anlaufstelle für die 73.000 Bewohner des Stadtbezirks nicht antasten. Bürgerdienste und Verwaltungsstelle seien wichtig. Sie schlägt allerdings vor, den Veranstaltungsraum im Haus an der Redoute zu Marktpreisen anzubieten, statt ihn weiter für 50 bis 65 Euro zu vermieten.