Elisabeth Schwüppe führt durch die katholische Kirche Frieden Christi auf dem Heiderhof

Beten in einem Zelt aus Steinen

Elisabeth Schwüppe (r.) erläutert in der Kirche Frieden Christi die Symbolik des Altars und des Kreuzes dahinter.

Elisabeth Schwüppe (r.) erläutert in der Kirche Frieden Christi die Symbolik des Altars und des Kreuzes dahinter.

Heiderhof. Die Vorstellung, zum Gottesdienst den Berg hinab in die Kirche Sankt Martin nach Muffendorf gehen zu müssen, behagte den Katholiken auf dem damals noch jungen Heiderhof nicht.

Es wurden einige Kämpfe mit dem Muffendorfer Pfarrer und dem Erzbistum ausgefochten, und am Ende stand die eigene Kirche Frieden Christi, in der vor 40 Jahren der erste Gottesdienst gefeiert wurde.

Aus diesem Grund wurde am Sonntag das Hochamt zum Titularfest zelebriert, und im Anschluss führte Elisabeth Schwüppe Interessierte durch diesen ungewöhnlichen Kirchenbau.

Ungewöhnlich ist schon die Namenswahl: Im Altar sind Reliquien der Heiligen Ursula eingemauert, aber man wollte in Zeiten des Vietnamkriegs und anderer weltweiter Konflikte ein Zeichen setzen. Die Kirche selbst sollte nicht viereckig und nicht rund werden, so Schwüppe, die damals mit im Kirchenvorstand saß.

Aber wie dann? "Dann sagte einer aus der Runde: Wir bauen die Kirche für den dreifaltigen Gott, warum soll sie nicht dreieckig sein?" Die Idee fand Anklang und wurde umgesetzt.

Die Holzdecke ist gewellt, laut Schwüppe eine Anspielung auf die Zelte, die die Israeliten bei ihrer Flucht aus Ägypten mit sich führten: Wenn der Wind durch das Tuch wehte, schlug es Wellen, so erklärte sie es.

Die Kirche sei ein "Zelt aus Steinen", errichtet aus holländischen Backsteinen, und die Botschaft sei, "dass wir alle einer von diesen Steinen sind". Aus diesem Grund habe man sie auch nicht verputzt.

Bei der Gestaltung des Altars habe man eine Vision des Propheten Hezekiel aus dem Alten Testament im Sinn gehabt: Ihm hatte Gott einen Tempel in der Wüste für die Israeliten gezeigt, aus dem Wasser fließt. Dementsprechend ließ der Künstler Günther Oellers bronzene Wasserströme aus der Marmorplatte des Altars fließen.

Dahinter hängt das Kreuz mit Jesus an einem Weinstock hängend. Das passe zu dem damaligen Weinanbau in Muffendorf, berichtete Schwüppe. Und die Kopfbuchen, aus denen die Weinstöcke gefertigt wurden, hätten auf dem Heiderhof gestanden.

Ein anderes Kreuz, nämlich das auf dem kleinen Turm, sei ursprünglich nicht geplant gewesen, berichtete Schwüppe. Für das Richtfest im Dezember 1977 hätten die Zimmerer ein Kreuz aus zwei Holzlatten improvisiert und am Turm befestigt.

Die Gläubigen waren verblüfft, und binnen weniger Wochen wurde das improvisierte durch ein richtiges Kreuz ersetzt, in dem Künstler Oellers mittig einen Ölzweig anbrachte, als Symbol für den Frieden Christi.

"Hier ist ja nichts symmetrisch, also musste die Orgel auch unsymmetrisch sein", sagte Schwüppe. Das Instrument hat 1672 Pfeifen. "An dem Tag, an dem wir die Orgel eingeweiht haben, hatten wir etwa genauso viele Gemeindemitglieder. Jedem seine Pfeife."

Das Ewige Licht am Tabernakel hängt vor einem Fenster, und so kann man es schon von außen sehen. Auch der Kreuzweg ist ungewöhnlich, weil ohne Lücke nebeneinander angebracht, das sei räumlich nicht anders machbar gewesen.

Zudem sieht man nach dem 14. Bild einen Engel, der gen Galiläa blickt: Dort findet man Jesus. Die Gemeinde auf dem Heiderhof bricht also eigentlich mit der Tradition, nach der ein Kreuzweg 14 Stationen aufweist.

Die Madonna in einer Nische stammt aus dem 15. Jahrhundert und verstaubte auf dem Speicher eines Gutshofs. Nach dessen Insolvenz fanden die Insolvenzverwalter die Figur, über Kontakte erfuhren die Heiderhofer davon und kauften sie.

Ausschlaggebend war die Taube, die das Jesuskind in der Hand hält. Darunter wurde ein Blumenkübel gestaltet. Es passt zu der ungewöhnlichen Kirche, dass die lateinische Schrift darauf einen Schreibfehler beinhaltet.