Probleme bei Umzug nach Godesberg

Berufskolleg startet mit Verspätung

Bonn. Die Außenstelle des Friedrich-List-Berufskollegs ist von Beuel in die Michaelschule nach Bad Godesberg gezogen. Direkt zu Anfang des Schuljahres gab es Probleme, der Unterricht begann mit Verspätung.

Eigentlich hätte am ersten Tag nach den Schulferien alles fertig sein müssen: die Klassenzimmer, Flure und Toiletten – alles, was für einen geregelten Unterricht nötig ist. Stattdessen stapelten sich noch Kisten und Möbel in den Räumen der ehemaligen Michaelschule an der Aennchenstraße, hinzu kamen Dreck und Wasserschäden. Für Hermann Hohn, Leiter des Friedrich-List-Berufskollegs, war schnell klar, dass so die Außenstelle des Kollegs nicht in Betrieb gehen kann. Die Schüler durften bis Anfang dieser Woche erst mal zu Hause bleiben, waren abbestellt.

Nach Angaben der Stadt geht es um acht internationale Förderklassen. Die waren seit dem 27. Oktober 2015 in ungenutzten Räumen der Anne-Frank-Schule in Vilich untergebracht, „um die Nutzung der Michaelschule für die Unterbringung von Flüchtlingen zu ermöglichen“, erklärt Stadtsprecherin Monika Hörig.

Flüchtlinge sind ausgezogen

Die Flüchtlinge sind mittlerweile ausgezogen. Auf dem Schulhof stehen ein paar verlassene Wohncontainer, die noch verschwinden sollen. „Uns war es wichtig, dass es sauber ist“, sagt Hohn. Deshalb der verspätete Wiedereinzug in Alt-Godesberg im Schatten der Burg.

Die zehn Lehrer um den dortigen Leiter Christoph Scheele haben in den Tagen seit dem ersten Schultag allerdings nicht Däumchen gedreht, sondern beim Stühle- und Möbelrücken selbst kräftig mit angepackt. Das kannten sie schon, weil sie vor zwei Jahren den Umzug nach Beuel praktisch selbst bewerkstelligt hatten.

„Anpacken gehört dazu, aber man muss die Bedingungen dafür schaffen“, sagt Hohn. Das sei der Stadt mittlerweile gelungen. Allerdings ist ein Klassenraum im Keller wegen Feuchtigkeit noch für eine Woche gesperrt. Dort war in den vergangenen Jahren die Küche für die Flüchtlinge untergebracht. Im oberen Stockwerk befinden sich zahlreiche Flecken auf einer weißen Wand, weil das Dach nicht richtig dicht ist. Laut Städtischem Gebäudemanagement wird die Schadstelle bald repariert, das gesamte Dach dann 2018.

Was die Schüler interessieren dürfte: Der Pausengong funktioniert. „Dafür der Rest nicht“, sagt Hohns Stellvertreterin Antje Kost und meint damit das Telefon und Internet. Wenn Scheele mal schnell was googeln will, nimmt er im Moment sein privates Smartphone. Selbst ist der Lehrer. Auch wenn es darum geht, das Lehrerzimmer schon mal einigermaßen herzurichten, selbst wenn noch ein paar Stühle fehlen. Zumindest steht bereits eine Dose Weingummi auf dem Tisch. Laut Stadt soll die neue Telefonanlage in der kommenden Woche in Betrieb genommen werden. Mit dem Internetbetreiber sei man im Gespräch.

Hilfe für junge Ausländer

In Anne Schneiders Beratungsbüro riecht es nach einem frisch ausgepackten Drucker und einem neuen Schreibtisch. Die Sozialpädagogin hilft den jungen Ausländern bei der Suche nach einem Praktikum und der pünktlichen Bewerbung. Sie hat aber auch ein offenes Ohr, wenn jemand von seinen Geldsorgen sowie Ärger mit der Familie oder dem Chef erzählt.

Solche Probleme hat Hamid Sidou (19) nicht, der vor fast zwei Jahren minderjährig allein aus Syrien geflohen war. „Ich würde gern Friseur werden“, sagt er. Er möchte hier bleiben und mit dem möglichen Hauptschulabschluss am Berufskolleg eine Ausbildung beginnen. Er ist froh, jetzt schon einen Nebenjob als Kellner zu haben.

An die Aennchenstraße gehen nun 180 Schüler. Insgesamt sind es 2700 am Berufskolleg, das seine Zentrale an der Plittersdorfer Straße hat. Hohn ist froh, dass in der Michaelschule nun alles gestrichen und gereinigt wurde. In den Herbstferien folge dann noch eine Grundreinigung.