Interview mit Mieterbund-Chef

Bernhard von Grünberg: "Boardinghäuser bauen"

Bernhard von Grünberg (70), genannt Felix, ist SPD-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Bonn/Rhein-Sieg/Ahr. Der Jurist berät seit 1971 wöchentlich Bürger zu Miet- und Sozialrecht. Er ist verheiratet und lebt in Bonn. ga /FOTO: PRIVAT

Bernhard von Grünberg (70), genannt Felix, ist Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Bonn/Rhein-Sieg/Ahr.

BAD GODESBERG. Über Jahrzehnte hat Bernhard von Grünberg die Entwicklung des Bonner Wohnungsmarktes verfolgt und sich die Sorgen und Nöte der Mieter angehört.

Mit dem Vorsitzenden des Mieterbunds Bonn/Rhein-Sieg/Ahr sprach Michael Wenzel.

Wie beurteilen Sie den Wohnungsmarkt in Bad Godesberg?
Bernhard von Grünberg: Wie überall: angespannt. Wegen des Bevölkerungswachstums wird es auch in Godesberg immer schwieriger, eine Wohnung zu finden.

Wie ist die Situation der Mieter, insbesondere in den größeren Wohnanlagen von Vebowag, Bima und Deutscher Annington?
Grünberg: Mit der Bima haben wir ständig Auseinandersetzungen wegen leerstehender Wohnungen. Da wird zu wenig modernisiert. Mit der Annington ist es ähnlich. Die Mieter dort tun mir leid. Auch mit der Vebowag haben wir ständig Stress. Die bauen ja gerne auf ihren eigenen Grundstücken, Beispiel Kreisauer Straße in Plittersdorf. Das Problem: Was passiert mit den Mietern? Die haben bislang preiswert gewohnt. Sie müssen einen neuen Wohnberechtigungsschein vorlegen oder die Genehmigung des Job-Centers oder Sozialamts für die erhöhte Miete einholen.

Spielt die Verdrängung von alteingesessenen Mietern eine Rolle?
Grünberg: Natürlich. Das passiert aber überall dort, wo es attraktive Viertel gibt. Bislang hat ein langjähriger Mieter in so einem Viertel gewohnt, und heute kann er sich das nicht mehr leisten. Nach Modernisierungsmaßnahmen können sich auch viele Mieter ihre alte Wohnung nicht mehr leisten.

Welche besonderen Probleme sehen Sie in Bad Godesberg?
Grünberg: Ein besonderes Problem ist natürlich die Zweckentfremdung von Wohnraum durch Zeitvermietung, Stichwort Medizintourismus. Man muss den Leuten verstärkt auf die Finger gucken. Kliniken und Krankenhäuser müssen sich mit darum kümmern. Die sollen Boardinghäuser bauen. Auch die Reha-Klinik Godeshöhe muss mit dafür sorgen. Die haben sich diesbezüglich immer fein zurückgehalten. Da muss einfach an der Quelle angesetzt werden. Die, die daran verdienen, müssen mit dafür sorgen, dass hier eine Lösung gefunden wird.

Zur Person

Bernhard von Grünberg (70), genannt Felix, ist SPD-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Bonn/Rhein-Sieg/Ahr. Der Jurist berät seit 1971 wöchentlich Bürger zu Miet- und Sozialrecht. Er ist verheiratet und lebt in Bonn.