Kommentar zur Umbenennung der Kammerspiele

Bekenntnis zu Godesberg

Das Wort "Schauspielhaus" ziert ab heute den Eingang zu den ehemaligen Kammerspielen.

Das Wort "Schauspielhaus" ziert ab heute den Eingang zu den ehemaligen Kammerspielen.

Bonn. Aus "Kammerspielen" wird "Schauspielhaus". Die Umetikettierung des Bonner Theaters in Bad Godesberg ist auch ein gutes Zeichen für den Stadtbezirk, meint GA-Redakteur Richard Bongartz.

Die Umbenennung der Kammerspiele in Schauspielhaus war schnell erledigt. Die meisten Passanten hatten am Montag gar nicht mitbekommen, was sich dort veränderte. Einige, vor allem ältere Bad Godesberger, blieben stehen und erinnerten sich an die Anfänge als Stadttheater und tauschten Anekdoten aus.

Wer hätte gedacht, dass die Umetikettierung so wenig Wirbel verursacht? Wirklich kritisiert hat das niemand, die meisten fanden es sogar gut. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass der neue Schriftzug dem alten sehr ähnelt. Eine vernünftige Entscheidung, das Flair der 50er Jahre bewusst zu erhalten. Was auch daran liegt, dass Schauspieldirektor Jens Groß die Architektur und das Wesen dieses Hauses liebt.

Da ist es nur konsequent, das Theater mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Dafür ist der neue Name nur ein Baustein von vielen. Zu den anderen gehört es, die Türen zu öffnen, sich Kooperationspartner wie die Kirche zu suchen. Oder das Theaterfest mal nicht wie gewohnt an der Bonner Oper anzubieten, sondern wie am kommenden Sonntag mitten in Bad Godesberg. Der Blick vor und hinter die Kulissen soll auch die Menschen fürs Theater begeistern, die sonst nicht dorthin gehen.

Geboten wird in der kommenden Spielzeit einiges, zum Beispiel Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ in einer kindgerechten poetischen Inszenierung für die ganze Familie. Dann „Frau Müller muss weg“, was humorvolle Eltern schulpflichtiger Kinder sich nicht entgehen lassen sollten, sowie einige Dramen – ein abwechslungsreiches Programm.

Bei allen Spardiskussionen ist der neue Name ein Bekenntnis zum Bonner Schauspiel und seinem zentralen Standort in Bad Godesberg. Das ist viel wert, auch wenn die Entscheidung über die Zukunft der Oper und einem möglichen Mehrspartenhaus im Kurpark noch aussteht.