Barockmusik unter Barockengeln

Klassik vor prächtiger Barock-Kulisse: Georg Friedrich beim Cembalokonzert in der Michaelskapelle.

BAD GODESBERG. Eine bessere Werbung für die Rettung der in ihrer Bausubstanz gefährdeten Michaelskapelle hätte ihr Förderverein kaum finden können. Als am Samstagnachmittag der Bonner Kirchenmusiker Georg Friedrich am Cembalo die ersten Takte seines Barockmusik-Programms anstimmte, da war in dem voll besetzten Kirchlein bald etwas zu spüren vom Flair des späten 17. Jahrhunderts, in dem dieses Kleinod kurkölnischer Architektur am Berg der Godesburg entstand.

Mit flinkem Spiel ließ Friedrich Werke von Georg Muffat, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach perlen. Die im Barock beliebte Form der Variationen über dem gleich bleibenden Basso Continuo zeichne sie aus, erläuterte der Musiker zwischen den Stücken. Die Zuhörer ließen ihren Blick über die satte Barockpracht des dem heiligen Michael gewidmeten Kirchleins schweifen. Hoch oben grüßt als Abschluss des Hauptaltars der Heilige selbst in einem Strahlenkranz zwischen zwei Engelsfiguren.

Derweil stimmte der Cembalist schon eine Sonate des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel an. Und ließ es sich nicht nehmen, auch Werke von Francois Couperin erklingen zu lassen. Dieser Hofmusiker am Versailler Königshaus habe hier höchst kurzweilige Stücke komponiert, die letztlich kleine spitze Charakterstudien der entsprechenden Hofdamen darstellten, erläuterte Friedrich.

Und siehe da, im barocken Kapellchen machten sich unter den prallen Stuckaturen nicht nur die ernsten Stücke, sondern auch die Tänze über "die Dunkle", "die üble Schaurige", "den Liebling" und den "schalkhaften Kobold" bestens. Der kleinste Zuhörer wippte bei diesen Stücken gleich freudig mit. Auch Schwester Benedicta, die Eremitin am Burgberg, die seit fünf Jahren für die Kapelle sorgt, lächelte.

Hartmut Schiedermair vom Fördervereinsvorstand dankte der lebensklugen Ordensfrau der Servitinnen von Galeazza für ihren Einsatz. Sie habe das Kirchlein wieder zu einem geistlichen Zentrum in Bad Godesberg gemacht.

Schiedermair nutzte aber auch die Gelegenheit, bei diesem Benefizkonzert um Spenden für die Rettung der Kapelle selbst zu werben. "Denn es sind, wie deutlich zu sehen, dramatische Verhältnisse, die wir hier bei aller Pracht vorfinden."