GA-Serie "100 Köpfe"

Barbara Ter-Nedden lebt ihre Liebe zum Buch

Blickt auch in schweren Zeiten optimistisch nach vorne: Buchhändlerin Barbara Ter-Nedden.

BONN. Eine Insel der Glückseligen kann auch die kleine Parkbuchhandlung an der Koblenzer Straße nicht sein. Obwohl in den seit 2012 bezogenen neuen, lichten Räumen, vis-à-vis des vormaligen Ladenlokals an der Ecke zum Kurpark, an diesem Morgen Kunden in Seelenruhe in Büchern blättern.

Und auch Dreikäsehochs ihre Mütter in der großen Kinderbuchabteilung schauen lassen - der Spielecke sei Dank. "Schön, Sie wiederzusehen. Wie geht es Ihrer kranken Schwiegermutter?", begrüßt Inhaberin Barbara Ter-Nedden gerade eine Kundin, die auf sie zugekommen ist.

Der auch persönliche Austausch wird in dieser familiär geführten 140-Quadratmeter-Buchhandlung ganz groß geschrieben. "Ich habe das große Glück, dass fantastische Kunden, interessante, kluge Menschen, unsere Buchhandlung mittragen", meint Ter-Nedden, nachdem sie die Dame beratend zu den Sachbuchregalen geführt hat.

Doch mit Glückseligkeit kommt die studierte Germanistin in der heute knallharten Buchbranche selbstverständlich nicht weit. Zumal draußen die Koblenzer Straße noch bis Oktober eine einzige lärmende Baustelle sein wird. "Wir spüren natürlich die wachsende Konkurrenz der Onlinebestellungen und auch das Eindringen der neuen Medien in den Markt. Also ist es keine Selbstverständlichkeit, dass es uns gibt", wird Ter-Nedden nachdenklich.

Und man sieht ihr den Schmerz an, als junge Leute mit Päckchen der Internetanbieter unterm Arm den Laden betreten. "Neue Bücher kosten auch bei Amazon nicht weniger", meint die Mutter zweier Söhne trotzig. Auch auf der Homepage der Parkbuchhandlung könne jeder bis 18 Uhr online sein Wunschbuch bestellen und bekomme es garantiert schon am nächsten Morgen um neun Uhr im Laden, wenn es ein normal lieferbarer Titel ist. "Ohne jede Versandkosten, über Nacht vom Grossisten an uns geliefert", betont Ter-Nedden. Und schwärmt sofort vom so vorzüglich organisierten deutschen Buchmarkt.

Die Passion fürs Lesen hat sie in dieses 1960 von Thomas Tenter gegründete Traditionsgeschäft gezogen. "Und der Zufall, als ich nämlich hörte, dass diese einzige evangelische Buchhandlung weit und breit verschwinden sollte", erzählt Ter-Nedden und zeigt ihre beachtliche theologische Abteilung. Jede Menge Kinderbibeln stehen da neben dem evangelischen Taschenkatechismus, dem Gesangbuch, der Lebenshilfe und dem katholischen Gotteslob.

Tenters Tochter Renate Pick wollte 2009 in den Ruhestand gehen. Das Risiko, den Laden zu übernehmen, schien Ter-Nedden, die in der Insolvenzverwaltung und im Fundraising gearbeitet hatte, nicht allzu hoch: Auf der Habenseite standen ein damals noch winkliges Ladenlokal, ein kleiner, aber literarisch interessierter Kundenstamm und die Anbindung an die evangelischen Gemeinden. "Eigentlich kein Risiko. Die Liebe zum Buch, unternehmerisches Geschick und neue Ideen brachte ich mit." Wobei die Frau, die in ihrem Atelier buchbinderisch tätig ist, gerade um die kirchlichen Kontakte auch kämpfen muss.

"Den meisten Godesberger Pfarrern ist eine lebendige evangelische Buchhandlung wichtig. Wir überleben nur durch die engen Kontakte auch zu Gemeindebüchereien", meint Ter-Nedden. Ihr Geschäft mit den zwei Fachkräften sowie dem Sohn, der selbst in der Buchhändlerausbildung steckt, sei ein lebendiger Ort der Begegnung. "Hier trifft der Theologieprofessor auf die Gemeindesekretärin, die Deutschlehrerin auf den Presbyter. Die diversen Gemeinden mischen sich hier."

Zudem hat sich Ter-Nedden die Vermittlung des Kulturguts Buch an Kinder auf die Fahne geschrieben. Sie verleiht regelmäßig sechs Bücherkoffer an Schulen. "In diesem Jahr waren schon 600 Schüler bei uns. Und mein Sohn Felix bietet in den Ferien Schreibwerkstätten an." Ter-Nedden sprüht vor Ideen, organisiert Lesungen sowie Literatur- und Musikreihen etwa mit dem Sänger Engelbert Decker. Die Germanistikprofessoren Norbert Oellers und Kurt Wölfel waren schon da. In Kürze erwartet sie Islamforscher Navid Kermani, Ex-Ministerpräsidentin Heide Simonis und Schauspieler Rolf Mautz.

Das Besondere einer Kleinbuchhandlung sei eben die enge Bindung an den Kunden, blickt Ter-Nedden trotz der derzeit riskanten Buchmarktlage zuversichtlich in die Zukunft. Pausenlos kämen Neuerscheinungen auf den Markt. "Und wir prüfen in Tonnen von Vorschauen, was für unsere Leser passen würde." Etwa "der neue Safranski" sei ein Renner in der Parkbuchhandlung, lacht Ter-Nedden. "Überlegen Sie mal, eine Biografie über Goethe steht auch bei der Zeitschrift Spiegel auf der Bestsellerliste. Da kann es doch mit dem Lesen nicht bergab gehen."

Typisch Bönnsch

An Bonn gefallen mir der Rhein und das Siebengebirge.

Ich vermisse in Bonn noch das neue Festspielhaus.

Mein Lieblingsplatz in Bonn ist der Godesberger Redoutenpark.

Typisch Bönnsch ist für mich das schwüle Wetter.