Eva de Maizière

Bad Godesberg: Spätberufene in Sachen Kunst

BAD GODESBERG. Am Theaterplatz, Ecke Michaelshof, steht seit 37 Jahren eine Bronzefigur, von der viele Passanten mangels Hinweisschild weder Namen noch Bildhauer kennen. Die Skulptur heißt "Begegnung", geschaffen hat sie die Godesberger Künstlerin Eva de Maizière, die genau an diesem Freitag hundert Jahre alt geworden wäre und die die Mutter von Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist.

Neben dieser Bronzeplastik in der Fußgängerzone findet man auf dem Heiderhof, wo die Familie de Maizière seit 1965 lebte, noch weitere Werke der Künstlerin. Das schlichte Kreuz auf dem Altar der Immanuelkirche stammt ebenso aus den Händen de Maizières wie die Skulptur "Mädchen im Garten stehend", das gut gelaunt von der Grundschule auf den Kindergarten Frieden Christi blickt.

Auch das Kruzifix in der Friedhofskapelle ist ein Werk de Maizières. "Das Kreuz, das bei den Beerdigungen direkt über dem aufgebahrten Sarg hängt, hat vielen Trauernden Trost geschenkt", erinnert sich der frühere evangelische Pfarrer und Freund der Familie, Christian Werner.

Eva de Maizière war ausgebildete Cellistin. Die gebürtige Hannoveranerin, die als Kind dank liberalem Elternhaus das Aktzeichnen erlernen durfte, entdeckte ihr bildhauerisches Können erst mit Mitte 50. Da waren ihre vier Kinder, darunter der heutige Innenminister Thomas de Maizière, bereits aus dem Haus und ihr Mann Ulrich, ehemaliger Generalin-spekteur der Bundeswehr, im Ruhestand. Zeit für einen Neuanfang.

So eignete sich Eva de Maizière in den 70er Jahren die bildhauerischen Techniken in Seminaren und Kursen an und besuchte die Sommerakademie in Salzburg. Ihre Motive, vornehmlich in Bronzeguss, zeigten den Menschen in allen Facetten seines Lebens und Fühlens.

"Es ist der Versuch, ja das Wagnis, den Menschen in seiner Vielfältigkeit zu erfassen", sagte die Künstlerin dem GA anlässlich ihres 75. Geburtstags. "In der Gestaltung des Körperlichen und des ihm eigenen Ausdrucks." Das künstlerische Werk von Eva de Maizière, die unter anderem Mitglied der Fédération Internationale Culturelle Féminine war, wurde mit vielen Medaillen sowie dem Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

Ihr Ruf reichte weit über Bonn und Deutschland hinaus. De Maizière hatte mehr als 90 Ausstellungen im In- und Ausland und unterrichtete Anfang der Achtzigerjahre Kunstmalerei in Brasilien, Westafrika, Spanien, Israel und in der DDR. Daheim auf dem Heiderhof öffnete sie Kunstinteressierten gerne Haus und Garten und präsentierte neben ihren Skulpturen auch farbkräftige Aquarelle. 1997 zog die Bildhauerin mit ihrem Mann in ein benachbartes Seniorenheim, in dem sie auch ein kleines Atelier hatte. Bis zu ihrem Tod 2003 war die damals 88-Jährige künstlerisch aktiv.