Bonn International School

BIS will früheren Amerikanischen Club nutzen

PLITTERSDORF. Seit einigen Tagen erstrahlt der ehemalige Amerikanische Club (zumindest äußerlich) in neuem Glanz. Denn das Team der Bonn International School (BIS) um Direktor Chris Müller hat das Gebäude streichen lassen.

"Wir wollten nicht, dass die Schüler auf die Graffiti gucken", erklärt Müller. Die Schüler sind nämlich zu Beginn des neuen Schuljahrs in den Erweiterungsbau eingezogen, der sich direkt neben dem heruntergekommenen Clubgebäude befindet.

Doch auch von innen soll sich in dem Amerikanischen Club, der seit 2010 zum Pachtgelände der BIS gehört, einiges ändern. Wie genau die Schule ihn nutzen würde, steht indes noch nicht fest. Eine Aula, Musikräume und eine Schul-Cafeteria wären drei Ideen. Schulklassen sollen bedingt unterkommen.

Doch wann und ob es jemals so weit kommt, steht noch in den Sternen. Denn wie der Umbau finanziert werden soll, ist nicht klar: "Unser Neubau hat elf Millionen Euro gekostet", erklärt Müller. Fünf Millionen kamen vom Elternverein, der Rest waren Spenden. Der Umbau des Clubs würde vermutlich ebenfalls rund zehn Millionen Euro kosten.

"Wir können den Eltern nicht zumuten, jetzt schon wieder solch ein großes Projekt mitzufinanzieren", betont Müller. Von Seiten der Schule würde die Sanierung somit auf keinen Fall finanziert. Sollten Stadt, Land oder Bund wollen, dass die BIS als internationale Schule und mit Blick auf Bonn als UN-Standort erweitert würde - zurzeit ist die Schule ausgelastet, es können nur wenige neue Schüler aufgenommen werden -, müssten sie die Finanzierung übernehmen.

Die Schule wünscht sich die Sanierung aus mehreren Gründen: Es können dann mehr Schüler betreut werden, die Bedeutung der Schule als Teil der UN-Stadt Bonn würde gestärkt. Außerdem könnte der Club als wichtiger Teil der Bonner Geschichte, als denkmalgeschütztes Gebäude, in dem Staatsoberhäupter wie Kennedy dinierten, wieder reanimiert und der (Schul-)Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden.

Mitteilung aus dem AA

Aufmerken ließ vor wenigen Tagen eine Mitteilung aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Dort hatte Staatsministerin Cornelia Pieper nach einem Treffen in Bonn Unterstützung für die BIS in Aussicht gestellt. "Als Ergebnis des Gesprächs sollen die Pachtbedingungen für das Gelände der Bonn International School überprüft werden", hieß es in einer vom Auswärtigen Amt herausgegebenen Pressemitteilung. Diese Formulierung wiederum haben die Verantwortlichen der Vereinigten Bonner Wohnungsbaugesellschaft (Vebowag) mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen.

Deren Tochtergesellschaft Vebofutur nämlich ist Eigentümerin des rund 30.000 Quadratmeter großen Geländes, auf dem sich die BIS befindet, und hat darüber mit deren Trägerverein einen Erbpachtvertrag geschlossen. Entsprechend fließt der vereinbarte Pachtzins vom Trägerverein an die Vebofutur. Anders ausgedrückt: Das Auswärtige Amt und seine Staatsministerin Cornelia Pieper haben mit dem Pachtgeschäft überhaupt nichts zu tun.

Dass sie sich des Themas dennoch angenommen haben, stört Vebowag-Vorstand Michael Kleine-Hartlage indes nicht: "Wenn das Auswärtige Amt die Schule finanziell unterstützen möchte, ist das für die Einrichtung doch eine schöne Sache", sagt er auf Anfrage. Seitens der Vebowag sei eine Senkung des Pachtzinses derzeit kein Thema. Nach Informationen des General-Anzeigers gibt es gerade aus Reihen des Auswärtigen Amtes und des Bundesentwicklungsministeriums Bemühungen, Druck auf die Stadt auszuüben, damit diese einen Ausbau der BIS stärker unterstützt. Die Stadt, so ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, setze das "internationale Image aufs Spiel". Die Stadt habe zurzeit leider keine finanziellen Möglichkeiten, den Ausbau der Privatschule zu unterstützen, sagt Elke Palm vom städtischen Presseamt. Schuld daran seien die desolate Haushaltslage "und der erhebliche Sanierungsstau an städtischen Schulen".

Auch der Bürger Bund Bonn hat sich inzwischen zu dem Thema zu Wort gemeldet: Man begrüße die Initiative des Auswärtigen Amtes für eine Unterstützung der BIS - diese dürfe aber nicht zu Lasten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft gehen. Ratsmitglied Marcel Schmitt: "Wenn das Außenministerium die Privatschule unterstützen will, so steht es dem AA frei, dies über einen Zuschuss aus eigenen Etatmitteln an die BIS zu erledigen."

Dass der Pachtzins gesenkt wird, wünscht sich auch Müller. "Wenn der amerikanische Club ausgebaut wäre, müssten wir insgesamt fast eine halbe Million pro Jahr bezahlen." Zum Vergleich: Andere internationale Schulen zahlten keine Pacht oder einen symbolischen Beitrag.

Zahlen und Fakten:
Der ehemalige Amerikanische Club wurde in den frühen 50er Jahren gebaut. Er liegt in der sogenannten HICOG-Siedlung (High Commissioner of Germany) an der Martin-Luther-King-Straße, in der Nähe des Rheins. Zu Hauptstadtzeiten war er ein Sport- und Freizeitclub für die Mitarbeiter der amerikanischen (und anderer) Botschaft(en).

Bis Ende der 90er Jahre konnten die Angebote wie Tennisanlage, Schwimmbad und Restaurant von den Clubmitgliedern, die einen jährlichen Beitrag entrichteten, genutzt werden.

Viele Staatsoberhäupter wie der damalige amerikanische Präsident John F. Kennedy und der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer kamen in den Club, der auch in zwei Romanen des US-amerikanischen Autors John le Carré erwähnt wird. Als die amerikanische Botschaft im Sommer 1999 nach Berlin zog, wurde der Club geschlossen. Seitdem steht er unter Denkmalschutz.