Sterbebegleitung in Bad Godesberg

Bürgerstiftung will gesetzliche Anerkennung für Palliativarbeit

Schauen im CBT-Wohnhaus einen Film über die Hospizarbeit: (v.l.) Christine Kiderlin, Ursula Lehr, Hanns-Christoph Eiden, Annette Widmann-Mauz, Claudia Lücking-Michel, Annette Schwolen-Flümann. FOTO: FRIESE

Schauen im CBT-Wohnhaus einen Film über die Hospizarbeit: (v.l.) Christine Kiderlin, Ursula Lehr, Hanns-Christoph Eiden, Annette Widmann-Mauz, Claudia Lücking-Michel, Annette Schwolen-Flümann. FOTO: FRIESE

Plittersdorf. Die Bürgerstiftung Rheinviertel in Bad Godesberg will eine gesetzliche Anerkennung für Palliativarbeit. Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz informiert sich in der Godesberger Einrichtung.

Bei der Pflege alter und kranker Menschen wird bei den Kommunen und Kassen mit dem spitzen Bleistift gerechnet. Es ist exakt festgelegt, wie aufwendig eine Betreuung sein und wie viel sie dann kosten darf. Das ist der Bürgerstiftung Rheinviertel für die eigene Hospizarbeit zu wenig. Sie gibt Spendengeld dafür aus, dass die Menschen die letzten Wochen ihres Lebens gut aufgehoben und möglichst ohne Schmerzen verbringen können. Dafür unterstützt sie einen ambulanten Palliativdienst und die stationären Hospize in zwei Bad Godesberger Altenheimen. Sie kämpft auch dafür, dass der Gesetzgeber an der Stelle ein Umdenken einleitet und die Palliativarbeit künftig anerkannt und somit auch honoriert wird.

So kam am Dienstag Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin im Berliner Gesundheitsministerium ins CBT-Wohnhaus Emmaus an der Gotenstraße, um sich mit der Bonner Bundestagsabgeordneten Claudia Lücking-Michel (CDU) über die Arbeit der Bürgerstiftung zu informieren. „Den Begriff Kunde mag ich gar nicht“, sagte Maria Maul, die seit einigen Jahren mit Claudia Reifenberg – beide gelernte Kinderkrankenschwestern – Sterbende zu Hause, in ihrer vertrauten Umgebung, betreut. „Wir haben Zeit“, sagten beide. Das sei das Entscheidende. Da sei es egal, ob jemand nur einmal in der Woche einen Besuch brauche oder mehrmals täglich, weil vielleicht ein Verband gewechselt oder eine Infusion gelegt werden muss. Es sei wichtig, den Patienten zuzuhören. „Wir sind 24 Stunden erreichbar“, sagt Maul.

„Ich will eine gesetzliche Regelung, die uns in kein Korsett zwängt“, meinte Hanns-Christoph Eiden vom Stiftungsvorstand. Engagement solle sich entfalten können. Wie es sein Kollege Oliver Tiemann mitteilte, zahlt die Stiftung in diesem Jahr 100.000 Euro für den ambulanten Palliativdienst von Maul und Reifenberg. Davon seien allerdings 25 Prozent gesetzlich abgedeckt, so dass 25.000 Euro von den Kassen zurückfließen.

50.000 Euro bringt die Stiftung für die stationäre Arbeit der Ordensschwestern Lancy und Dhanya in den integrierten Hospizen im CBT-Wohnhaus und im Vinzenzhaus an der Kronprinzenstraße auf. „Wir haben seit elf Jahren ein erfolgreiches Konzept etabliert“, sagte Tiemann und hofft auf Unterstützung. Er merkte an, dass eine gute und Vertrauen schaffende Pflege am Ende des Lebens durchaus eine Fahrt ins Krankenhaus sparen könne, was letztlich auch weniger koste.

Widmann-Mauz lobte die „ideale Kombination“ aus bürgerschaftlichem Engagement, gesellschaftlichem und kirchlichem Auftrag. Man müsse schauen, ob man die stationäre und ambulante Hospizbetreuung in Zukunft gleich behandeln könne. Allerdings gebe es noch ganz andere Probleme zu lösen, wenn man zum Beispiel die Stadt mit dem ländlichen Raum vergleiche, wo eine so engmaschige Betreuung nicht möglich sei.

Laut Tiemann wünschen sich 80 Prozent der Pflegebedürftigen, zu Hause in Würde zu sterben. In der Realität komme aber die Hälfte ins Krankenhaus, 30 Prozent blieben in einer Pflegeeinrichtung.