Amerikanische Siedlung in Bonn

Bürger wollen Kindergarten retten

Steht unter Denkmalschutz: Der alte Kindergarten in der Amerikanischen Siedlung.

Steht unter Denkmalschutz: Der alte Kindergarten in der Amerikanischen Siedlung.

Plittersdorf. Bei einer Diskussionsrunde der Bürgerinitiative „Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf“ (RASP) über die Zukunft des leerstehenden Kindergartens waren sich Politik und Initiative einig: Der Kindergarten darf nicht abgerissen werden.

„Kalkulierter Verfall – ignorieren die Stadt Bonn und die Vebowag den Denkmalschutz?“ war das Thema am Freitagabend. Die anwesenden Politiker Lutz Beine (SPD), Nikolaus Kirchner (CDU) und Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn) sprachen sich für den Erhalt und die Sanierung des vorhandenen Kindergartengebäudes aus. Ein Vertreter der Vebowag, die die Initiative eingeladen hatte, war nicht anwesend, um sich zu dem Sachverhalt zu äußern.

Laut Denkmalschutzgesetz ist der Eigentümer eines denkmalgeschützten Gebäudes zur Instandhaltung und rechtzeitigen Sanierung verpflichtet. In Bezug auf den Kindergarten und den amerikanischen Club seien diese Verpflichtungen nicht zu sehen, sagte der Vorsitzende der RASP, Rolf Fischer. Beine betonte, dass die gesamte Siedlung unter Denkmalschutz stehe und nicht nur einzelne Gebäude. Er sprach sich für die Sanierung und Weiternutzung des Kindergartens aus: „Ich persönlich glaube nicht, dass der Bau nicht mehr sanierungsfähig ist.“ Journalist Don Jordan fragte in die Runde, warum die Politiker keinen Druck auf die Vebowag ausübten: „Die Vebowag muss von der Politik gezwungen werden, ihre Pflicht als Eigentümerin dieser denkmalgeschützten Siedlung zu erfüllen“, so Jordan.

Nikolaus Kirchner sagte, dass die Ortsverbände die Willensbildung innerhalb ihrer Parteien beeinflussen könnten, allerdings hätten sie keinen Einfluss auf die Entscheidungen in den Bezirksvertretungen. „Die CDU hat sich schon sehr früh für den Denkmalschutz positioniert. Die Vebowag verfolgt wirtschaftliche Interessen, die aber nicht die rechtlichen Regelungen überlagern dürfen“, machte Kirchner deutlich. Für die Vebowag sei es derzeit nicht wirtschaftlich, den Kindergarten wiederherzustellen und zu betreiben, dies könne sich aber bald ändern, sagte Kirchner. Denn an der Ludwig-Erhard-Allee sei der Bau eines Gebäudes für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geplant, in dem 600 bis 900 Mitarbeiter tätig sein sollen und öffentliche Kindergartenplätze somit bestimmt gefragt seien.

Marcel Schmitt warnte davor, den Abriss des Kindergartengebäudes zu forcieren. Ein Neubau könne Probleme bezüglich des Denkmalschutzes in der Siedlung verursachen. Er forderte die Instandsetzung des Kindergartens und sagte, für ihn sei es unverständlich, warum die Politik sich nicht dafür einsetzte. „Die Vebowag setzt mutwillig auf Verfall und hofft, damit durchzukommen. Aber es gibt ja noch den Denkmalschutz und die Rechtsprechung. Allerdings scheint es so, als ob die Stadtverwaltung nicht den Willen zur Umsetzung des Denkmalschutzes hat“, sagte Schmitt. „Mit Engagement und Kontaktaufnahme zu Kommunalpolitikern kann einiges bewegt werden“, rief Fischer die Anwesenden auf. Als Beispiel für eine gelungene Aktion nannte er den Hüser-Park in Oberkassel.

Bei dem Treffen wurde die neue Internetseite der Bürgerinitiative unter dem Motto „Denk mal! für Freiheit und Demokratie“vorgestellt. Unter www.rasp-buergerinitiative.de gibt es auch historische Fotos.