Muslimischer Verein Haus der Generationen in Mehlem

Austausch ist das Ziel

MEHLEM. "Schalom - Frieden - Salam" ist auf dem Plakat zu lesen, das seit Kurzem an dem bis dato leer stehenden Haus an der Meckenheimer Straße 16 hängt. Dort ist - nach jahrelanger Suche nach geeigneten Räumen - der muslimische Verein Haus der Generationen untergekommen. Die Beschriftung des Plakats wurde nicht zufällig gewählt. Denn die Botschaft "Für friedliches Zusammenleben" liegt dem Team um die Vorsitzende Sanaa Elaidi sehr am Herzen.

Zum 1.Juli hat der muslimische Verein das Haus gemietet. Damit konnte ein großes Problem gelöst werden, ist Elaidi erleichtert. Denn zurzeit ist Ramadan, der muslimische Fastenmonat. Der Verein, in dem viele Jugendliche engagiert sind, organisiert während des Fastenmonats verschiedene Aktivitäten für Jung und Alt. Diese fanden meist im Sportpark Pennenfeld statt. In diesem Jahr aber begann der Ramadan vor den Sommerferien - der Sportpark war für die Schulen reserviert. Nun können Koch- und Nähkurse, Fußballspiele, Gesangsstunden und das Bastelprogramm an der Meckenheimer Straße stattfinden. Außerdem besteht dort die Möglichkeit zum Gebet.

Doch nach dem Ramadan soll nicht Schluss sein - im Gegenteil. So gibt es in dem Mehlemer Haus nun ein Büro, in dem Elaidi und ihr Team den Vereinsgeschäften nachkommen können. "Das war bisher bei mir zu Hause", sagt die Vereinsvorsitzende. Auch Vorträge und Workshops, Sprach- und Kommunikationskurse, Freizeitaktivitäten, Aktionen mit anderen Vereinen und Organisationen wie der Fachstelle für interkulturelle Bildung und Beratung müssen nun nicht mehr in "fremden" Räumen, zum Beispiel in der Stadthalle, organisiert und durchgeführt werden.

Zwar habe sich der Verein, der auch eine Kooperation mit der Carl-Schurz-Realschule hat und gemeinsame Projekte wie eine Beratungsstunde durchführt, auf Jugendarbeit spezialisiert. Man versuche erfolgreiche Jugendliche zu unterstützen und die anderen auf den rechten Weg zu führen. Aber dennoch soll das Vereinsgebäude auch für Ältere eine Anlaufstelle sein - egal ob muslimischen Glaubens oder nicht.

"Unsere Tür steht offen", sagt Elaidi. "Es ist uns eine Herzensangelegenheit, dass Deutsche, Eingebürgerte und Migranten zueinander finden." Austausch sei das Ziel. So könne man sich zum Beispiel ein Sommerfest vorstellen, zu dem die Nachbarn eingeladen werden sollen. Dass die Tür offen steht, zeigte sich jetzt, als Bad Godesbergs Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann, Bonns Integrationsbeauftragte Coletta Manemann und einige Kommunalpolitiker vorbeischauten und sich vor Ort ein Bild von den Aktivitäten des Vereins machten. Sie sprachen ihm ihr Vertrauen aus, äußerten aber auch Verständnis für anfängliche Skepsis und Bedenken einiger Nachbarn, die es mittels Transparenz auszuräumen gelte.

Bezirksbürgermeisterin setzt auf Transparenz

Bei einem Besuch von Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann und Bonns Integrationsbeauftragter Coletta Manemann erklärte Sanaa Elaidi, welche Aktivitäten ihr Verein während des Fastenmonats und darüber hinaus plant. Dabei sprachen Schwolen-Flümann und Manemann dem Haus der Generationen ihr Vertrauen aus, zumal es sich in Bad Godesberg bereits mit einer Reihe von Aktivitäten um die Integration von Zuwanderern verdient gemacht habe. "Uns sind Vereine wichtig, denen wir vertrauen können, weil es leider auch das Gegenteil gibt", sagte Manemann. Umso wichtiger sei die ausdrückliche Differenzierung zu einem Umfeld, in dem Prediger in Hinterhöfen Jugendliche radikalisierten.

"Man sollte es nicht beschönigen: Vereine wie 'Die wahre Religion' erscheinen mit ihren einfachen Botschaften im Internet für viele junge Männer verlockend." Gerade im Süden Bad Godesbergs leiste ein Verein wie das Haus der Generationen insofern wertvolle Arbeit, indem er extremistischen Tendenzen ausdrücklich entgegenwirke, sagte Manemann.

Für Außenstehende sei nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, um was für eine Gruppe es sich handelt. Das Haus der Generationen habe die Ausschreitungen durch Salafisten am 5. Mai 2012 in Lannesdorf klar verurteilt. "Solche deutlichen Worte haben wir von manchen anderen Moscheegemeinden und Vereinen leider nicht gehört", sagte Schwolen-Flümann.

Sie nannte es selbstverständlich, dass es in Bad Godesberg Gebetsräume für alle Religionen gibt, zeigte aber auch Verständnis für die Skepsis in der Nachbarschaft: "Die Mehlemer sind in den vergangenen Jahren sensibel geworden", sagte sie mit Blick auf einen inzwischen geschlossenen Gebetsraum in unmittelbarer Nähe, deren Initiatoren dem salafistischen Umfeld zugeordnet wurden. Die Transparenz des Hauses der Generationen werde in Mehlem für Akzeptanz sorgen, ist sie überzeugt.