Haus an der Redoute in Bad Godesberg

Ausstellung in Schwarz-Weiß

Die Ausstellung „Schwarz-Weiß – Aschermittwoch für Künstler zeigt 71 Arbeiten von 47 Künstlern im Haus der Redoute. FOTO: HORST MÜLLER

Die Ausstellung „Schwarz-Weiß – Aschermittwoch für Künstler zeigt 71 Arbeiten von 47 Künstlern im Haus der Redoute. FOTO: HORST MÜLLER

11.02.2016 BAD GODESBERG. 71 Werke von 47 Künstlern zeigt die neue Ausstellung „Schwarz-Weiß – Aschermittwoch der Künstler“. Ein aktuelles Thema steht dort ganz besonders im Fokus.

Die traditionelle Ausstellung „Schwarz-Weiss – Aschermittwoch der Künstler“ ist dieses Jahr auch tagespolitisch geworden. Seit der gestrigen Vernissage hängen Arbeiten im Haus an der Redoute, die sich mit Gewalt und Flucht auseinandersetzen. Davon kündet gleich am Eingang die expressive Grafik „Flucht vor dem Tod in den Tod“, die ein Motiv verarbeitet, das um die Welt ging: das Bild des ertrunkenen syrischen Jungen Aylan, der an der türkischen Küste angeschwemmt wurde. Weinend beugt sich der Vater über die Leiche des Dreijährigen. Ali Khaled, der Künstler, steht schüchtern neben seinem Bild. Er ist selbst aus Syrien geflohen und in Bad Godesberg untergeschlüpft. „Allen, die es nicht in die Freiheit geschafft haben, ist mein Bild gewidmet“, sagt er.

Sie habe sich bislang künstlerisch dem Klimawandel gewidmet, sagt im Nebenraum Ioumana Al-Kallas. Doch dieses Jahr ragen in ihrer Collage „Das Mittelmeer“ ganz plötzlich Hände aus den Fluten. „In der Collage habe ich die Freiheit, die Welt so zu zeigen, wie ich es will“, sagt Al-Kallas. Edelgrad Jansens digitale Fotografie „Geheimnisvoll“ spielt mit möglichen Perspektiven auf eine verschleierte Frau. „Auf dem Weg in den Tod“ nennt Heike-Ursel Lüttschwager ihre analoge Fotografie, die nur noch vom Meer angeschwemmte kaputte Schuhe zeigt: Wo sind ihre Träger? Alles das ist nach den knallbunten Karnevalstagen in künstlerischer Beschränkung nur in Schwarz und Weiß und den sich daraus ergebenden Grautönen aufs Papier gebracht. Petra Kulscars Fotografie „Maskenball“ zeigt denn auch nur noch ein Heer an fahlen Masken – allesamt mit leeren Augenhöhlen. Seit gestern gehen auch die Bilder in Sack und Asche. Das Fest ist vorbei.

Aber natürlich zeigt die in der lokalen Kunstszene wichtige Leistungsschau auch die Themen, die hier immer wieder bespielt werden. Bettina Zettelmeier variiert dreifach bildschön verschneite Godesberger Parkszenen. Lilo Werner arbeitet ebenfalls per Kunstfotografie die Strukturen von Treppenhäusern heraus. Gudrun Hillmann geht in Tusche auf Leinwand auf einer Scheibe den nicht endenden Worten des Gedichts „Geheimnis“ nach. Holzbildhauerin Monika Haghbin hat drei massive geflammte Eichenformen in den Raum gerammt. Barbara L. Mayer spielt digital fotografisch mit den Spiegelungen New Yorker Geschäftsstraßen. Günter Herzing lässt Telekom-Chef Timotheus Höttges diebisch über die neusten technischen Errungenschaften freuen, während dann doch unübersehbar eine schwarze Hand über dem Glück droht.

Monika Clever, die Künstlerin mit den Pinseln im Haar, hat zwei verflixt eindrucksvolle Schattenfotografien aufgehängt: „Durch die Doppelbelichtungen wird der Fotografie ihre Statik ausgetrieben“, sagt sie. Und dann bietet ein Flüchtlingsdrama ganz anderer Art den Schlusspunkt: Charlotte Schwarz-Sierps Fotocollage „Die Geschichte ist noch nicht zu Ende“ zitiert unübersehbar das berühmte Gemälde „Floß der Medusa“ von Théodore Géricault aus dem Jahr 1819: Auch damals hat kaum ein Schiffsbrüchiger überlebt.

Die Ausstellung im Haus an der Redoute, Kurfürstenallee 1a, ist bis 13. März, mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei (Ebba Hagenberg-Miliu)