Hospiz in Bad Godesberg

Aus für die Konzerte am Waldkrankenhaus

Schweinheim. Am Waldkrankenhaus gaben sich zwölf Jahre lang die Künstler die Klinke in die Hand. Damit ist jetzt erst einmal Schluss: Susanne Gundelach wurde mitgeteilt, dass sie und ihr Team keine weiteren Konzerte mehr organisieren sollen.

Wenn im Advent Dudelsackmusik vom Wintergarten aus durch die Räume des Johanniter-Hospizes schallten oder die junge Ausnahmepianistin Shi-Hyun Lee Variationen von Beethoven am Klavier spielte, erzeugte das nicht nur bei den sterbenskranken Patienten, sondern auch bei allen anderen Zuhörern Gänsehaut.

Mitte März habe ihr die Hospizleitung durch den Vereinsvorsitzenden Wilhelm-Peter Schneemelcher telefonisch mitteilen lassen, „dass ich weder Konzerte im Wintergarten des Hospizes noch Ausstellungen im Gartenkabinett organisieren darf“, berichtet Gundelach. Sie habe die neue Leiterin des Hospizes, Marita Haupt, nie persönlich kennenlernen können. „Sie hat nie ein Konzert im Wintergarten besucht, es gab keine telefonischen Differenzen.“ Seitens des Hospizes habe niemand mit ihr persönlich gesprochen. Wenn es Schwierigkeiten gebe, „redet man miteinander“, findet Gundelach.

„Mein Konzertteam ist mehr als bedrückt, Hospizfreunde sind völlig perplex“, sagt Gundelach, die die Veranstaltungen mit Renate Vollmar, Alfred Dollinger, Manfred Tulke und ihrem Mann Horst Gundelach organisiert hat. Nicht nur sie, auch viele Künstler könnten es nicht fassen (siehe „Das sagen die Künstler“). „Ein Vorstandsmitglied, dem vom Kooperationspartner (hier Hospizleitung) de facto Hausverbot erteilt wurde, kann in diesem Vorstand nicht positiv wirken“, begründet die Organisatorin ihren Rücktritt.

Die Konzerte fanden statt, um das Hospizleben zu bereichern. Im Anschluss gab es immer Rundgänge zu den bettlägerigen Patienten, die Rosen erhielten. Das letzte Konzert mit Annette Briechle und Gitarristen hatte Gundelach ein Jahr lang vorbereitet. Es lag ihr am Herzen, weil zur Abwechslung Jazz geboten wurde. Letztlich sei sie beim Auftritt aber schon raus gewesen, Haupt habe das Konzert übernommen, und Pfleger hätten die Blumen überreicht.

Geärgert hatte Gundelach sich schon 2015, als ein von Manfred Tulke gestaltetes Fresko im Hospizeingang mit Schlagbohrern entfernt wurde, um Platz für das Logo der Johanniter zu machen. Sie sei letztlich nicht zornig: „Ich bin dankbar für die 22 Jahre im Verein und die zwölf Jahre Kulturarbeit. Bei allem anderen staune ich nur.“ „Wir waren ziemlich überrascht“, sagt auch Schneemelcher. Allerdings sei der Verein nicht Träger der Veranstaltungen, „das war mehr Sache von Susanne Gundelach“.

Hospiz und Verein würden vorzüglich miteinander arbeiten, was auf GA-Anfrage auch die Johanniter bestätigten. Laut Schneemelcher müssten Hospize ehrenamtliche Mitarbeiter, meist Sterbebegleiterinnen, beschäftigen. Das sei gesetzlich vorgegeben, und „darum geht es vor allem“. Das Kulturelle sei Beiwerk, wichtig und gut. Es habe an einer Person gehangen.

„Die von Frau Gundelach getroffenen Behauptungen können wir nicht bestätigen, da sie so nicht getätigt wurden“, sagt Michael Forst, Sprecher der Johanniter GmbH. Wie es gelaufen ist, sagt er nicht: Da es sich bei ihr um eine Privatperson handele, „unterliegen wir hier der Schweigepflicht“.

„Mit den Konzerten wird es weitergehen. Wie, in welcher Form und von wem organisiert, wird in Gesprächen zwischen Hospizleitung und Hospizverein besprochen werden“, sagt Forst. „Je nach Größe und Lautstärke der Veranstaltung kann es zukünftig sein, dass Konzerte auch in den größeren Räumlichkeiten im Johanniter Waldkrankenhaus stattfinden werden.“

Für die meisten Sterbenskranken sei der Aufwand zu groß, dorthin zu gehen, denkt Gundelach, die von diesen Plänen erfahren hat. Forst sagt, dass die Kooperation zwischen dem Hospizverein Bonn und dem Johanniter-Hospiz fortgesetzt werde.