Bürger zum Mitmachen aufgerufen

Auftakt zu Leitbildprozess für Bad Godesberg

Bas Godesberg. Viele der mehr als 400 Teilnehmer loben die Auftaktkonferenz zum Leitbildprozess für Bad Godesberg. Jeder kann übers Internet mitmachen.

Die Vision für die Zukunft Bad Godesbergs besteht aus sechs großflächigen weißen Stellwänden. Doch als sich die mehr als 400 Teilnehmer der ersten Leitbildkonferenz am Donnerstagabend wie die Ameisen auf bunte Pappkarten stürzten, dauerte es nicht lange, und die Tafeln waren beklebt. An Anregungen und Ideen mangelte es nicht.

„Die Stände sind explodiert“, sagte Barbara Zillgen vom Büro Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen in Köln, das den Prozess bis zu seinem Ende im kommenden Frühjahr begleitet. „Das ist sehr beeindruckend, ein tolles Bild“, so die Geografin. Dem schloss sich auch Stadtplanungsamtsleiter Michael Isselmann an und freute sich, dass Interessenten aller Altersklassen in die Stadthalle gekommen waren, um sich einzubringen.

Verwaltungsmitarbeiter standen als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch die Kommunalpolitiker kamen zum Auftakt des Leitbildprozesses und mischten sich unter die Bürger. Die schrieben nicht nur Karten um die Wette (siehe „Wünsche und Ideen der Bürger“), sondern diskutierten auch viel im kleinen Kreis – meist um Konstruktivität bemüht.

Im Plenum gaben Zillgen und ihr Kollege Sven Wörmer erst einmal einen Überblick, was ihre Sicht und Untersuchungen von außen auf den Stadtbezirk ergeben haben. Die Gelächter erzeugende Aussage, dass es viele hochwertige Geschäfte gebe, hatte die Geografin bewusst gewählt, um einen Impuls für die Diskussion zu geben. Der Handel samt der Ärzte ergebe einen „Mix, den man von einer Stadt erwartet. Allerdings ist die Gestaltung der Fußgängerzone wenig zeitgemäß.“

Die Analyse machte deutlich, dass nicht nur alles schlecht ist. So lobten die Kölner auch die vielen Grünflächen und die Godesburg als echtes Wahrzeichen. Beim Thema Sicherheit gehe es weniger um Statistiken, sondern darum, „wie Sie sich fühlen, wenn Sie abends auf die Straße gehen“.

Viel Lob, aber auch Kritik am Verfahren

Eine 60-jährige Lannesdorferin war zufrieden: „Es handelt sich ja erst einmal um eine Information, die Sicht der Fachleute von außen.“ Für zu allgemein hielt es Zahnarzt Jörg Schwarzbach, wichtige Themen wie Sicherheit seien zu wenig angesprochen worden. „Der Blick von außen ist mir zu weit weg“, meinte er. Dass die Organisatoren noch nicht den Nerv der Godesberger getroffen hätten, fand eine 46-jährige Teilnehmerin. Eine 29-jährige Lannesdorferin lobte, dass die Konferenz ein Forum für Diskussionen bietet: „Wir brauchen mehr Orte der Begegnung. Das ist das A und O, um sich besser kennenzulernen.“

Auch junge Leute kamen: „Ich finde es wichtig, dass die Stimme der Jugend geschätzt wird“, meinte Elftklässler Daniel Cook. Er wünscht sich eine Verlängerung der Stadtbahn 16/63 nach Mehlem und eine stärkere schwul-lesbische Szene: „Es gäbe genug Räume dafür.“ Studentin Rebecca Großmann (30) sagte: „Es gibt nichts für jüngere Leute. Keine Clubs, Bars und Cafés.“ So sei es nicht verwunderlich, dass es so wenig Studenten in den Stadtbezirk ziehe.

Mitmachen kann jeder Bürger übers Internet.