Verein "Tolle Spielplätze"

Auflagen zermürben Elterninitiative in Bad Godesberg

Mit Elan erneuerte der Elternverein auch den Spielplatz an der Bastei. Doch die Aktiven sind enttäuscht: Sie vermissen die Unterstützung der Verwaltung.

Mit Elan erneuerte der Elternverein auch den Spielplatz an der Bastei. Doch die Aktiven sind enttäuscht: Sie vermissen die Unterstützung der Verwaltung.

BAD GODESBERG. Der Verein "Tolle Spielplätze" aus Bad Godesberg wünscht sich ein stärkeres Entgegenkommen der Stadt.

Annette Windmeisser wirkt erschöpft. "Wir können nicht mehr. Wir wollen nicht mehr", sagt die Vorsitzende des Elternvereins "Tolle Spielplätze". Der hat in Bad Godesberg in den vergangenen Jahren zwei beachtliche Projekte realisiert: einmal den im Sinne des Wortes tollen Spielplatz an der Bastei im Villenviertel. Und zum anderen vor einigen Wochen die Spielfläche am Kapellenweg - in einem Wohngebiet mit sozial schwachen Familien.

Bei jeder Einweihung war die Initiative vom Lob der Offiziellen nur so überschüttet worden. "Ihre Arbeit ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was ehrenamtliches Engagement in unserer Stadt bewirken kann", pries Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch die tatkräftigen Eltern und Großeltern. Doch jetzt fühlen sich die acht Aktiven erst mal nur ausgebrannt.

Annette Windmeisser, die selbst im Bereich Verwaltung tätig ist, formuliert es diplomatisch. "Die Stadt könnte unserer Meinung nach konstruktiver mit Freiwilligeninitiativen wie unserer umgehen." Und dann berichtet sie davon, wie die Stadt beim Bastei-Projekt noch als Bauherr die Verantwortung und 20 000 Euro Kosten übernahm, während der Verein sämtliche Arbeit und Spenden von 70 000 Euro einbrachte.

Schock für die Initiative

Dann 2014 der Schock: Für den aus sozialen Gründen noch wichtigeren Kapellenweg-Spielplatz wollte die Stadt keine Haftung tragen. Dabei schaffte der Verein die Kosten von 150 000 Euro komplett heran. "So mussten wir haften und den Antrag vor den politischen Gremien selbst vertreten", beklagt Windmeisser. Dann tue es besonders weh, auch noch die Baugenehmigung bezahlen zu müssen.

Dieter Fuchs, Leiter des Amtes für Stadtgrün, sieht das anders: Wir unterstützen Initiativen mit den uns zur Verfügung stehenden Kräften und Ressourcen." So habe im Kapellenweg einer seiner Mitarbeiter die Bauleitung übernommen, sei in der Bauphase wöchentlich vor Ort gewesen. Doch Fuchs verweist auch auf die politisch festgelegte Prioritätenliste, nach der die Stadt derzeit etwa in Tannenbusch Spielplätze gestaltet. Nichtsdestotrotz habe man den Verein nach besten Kräften unterstützt. Die Stadt habe im Gespräch mit der vom Verein engagierten Hochbauarchitektin dafür sorgen müssen, dass die sicherheitstechnischen und baufachlichen Anforderungen an einen öffentlichen Spielplatz umgesetzt wurden.

Das sei aber oft für Laien nicht recht nachzuvollziehen. Wo hat es also in der Kooperation gehakt? Windmeisser berichtet von Spielplatzverordnungen aus den 1970er Jahren, die den Prozess behinderten. Fuchs sind "solche Vorschriften nicht bekannt." Der Verein klagt über plötzlich verlangte Bodengutachten, die er finanzieren sollte. Fuchs erwidert, Pläne zeigten auf dem Gelände eine Altlast. Daher sei es Vorschrift, Bodengutachten einzuholen.

Fassungslose Eltern

Die Eltern seien fassungslos gewesen, dass die Stadt mit ihrer Maschinerie ihnen nicht half, riesige Baumstämme auf den Platz zu hieven oder die frisch eingesäte Anlage zu sprengen, so Windmeisser. Fuchs sagt dazu: "Die Stadtförsterei hat die Stämme geliefert, und die Spielplatzkolonne hat die Stämme sicher verankert." Und er ergänzt, es stimme nicht, dass das Projekt kurz vor der Einweihung vor dem Aus gestanden habe, weil die Verwaltung mit einem Mal neue Vorschriften als bindend erachtete, so die Kritik des Vereins.

Eine Stadt, die die Fläche am Kapellenweg dann ja als öffentlichen Spielplatz übernommen habe, müsse eben die Punkte bemängeln, die die von der Initiative beauftragte Firma zunächst nicht umgesetzt habe, meint der Amtsleiter. "Denn Sicherheit steht an oberster Stelle." Die Stadt unterstütze also weiterhin Initiativen bei der Umsetzung solcher Projekte. Windmeisser winkt ab. Eine derart mühsame Kooperation sei schlicht zu anstrengend, wenn man Job, Familie und Tausende von Freiwilligenstunden kombinieren müsse. Aber: Spielplätze seien doch enorm wichtig: "Hier findet Integration statt, Bewegungstraining, Stressausgleich, und die Kinder üben soziales Verhalten auch ohne Eltern ein."