Palliativ- und Hospiztag

Auf der Suche nach Pflege-Experten

Erfahrungsberichte und Fachvorträge standen im Mittelpunkt des Palliativ- und Hospiztages in der Redoute.

Erfahrungsberichte und Fachvorträge standen im Mittelpunkt des Palliativ- und Hospiztages in der Redoute.

23.10.2014 BAD GODESBERG. "Würdevoll leben bis zuletzt" - unter diesem Titel stand am Mittwoch der Palliativ- und Hospiztag, zu dem die Bürgerstiftung Rheinviertel und der Caritasverband der Stadt Bonn sowie Vinzentinerinnen und das Wohnhaus Emmaus in die Redoute eingeladen hatten.

Über 200 Ärzte, Pflegepersonal und Privatpersonen kamen, um sich - auch anhand von Erfahrungsberichten und Fachvorträgen - über die Hospizarbeit und Sterbegleitung insbesondere im Rheinviertel zu informieren und auszutauschen.

"Das Bedürfnis, darüber zu sprechen, ist sehr groß", sagte Christine Kiderlin von der Bürgerstiftung Rheinviertel. "Hospiz und Palliativ-Versorgung sind in den letzten Jahren immer mehr ins Bewusstsein gerückt", erklärte sie weiter. Vor acht Jahren hat die Bürgerstiftung Rheinviertel auf Initiative von Dechant Wolfgang Picken "Integrierte Hospize" im CBT-Wohnhaus Emmaus und im St. Vinzenzhaus und später auch den Ambulanten Palliativdienst im Rheinviertel eingeführt.

"Ziel ist es, Schwerkranken und Sterbenden bis zum Schluss ein menschenwürdiges Leben zu bieten, Schmerzen zu lindern und die Sterbenden und ihre Angehörigen zu begleiten", erklärte die ehemalige Bundesministerin Ursula Lehr. Ob zu Hause oder im Altenheim - anders als in Krankenhäusern sollen sich die Sterbenden sicher und geborgen fühlen. Ermöglicht wird dies durch zusätzliche Qualifikationen der Hospizschwestern in Schmerztherapie und Sterbebegleitung und durch Ambulante Palliativschwestern.

Ursula Lehr moderierte auch die Podiumsdiskussion, in der Medizin, Politik, Pflege und Theologie miteinander ins Gespräch kamen. Mehr Lebensqualität in Alteneinrichtungen, aber beispielsweise auch für Krebspatienten forderte Wolfgang Picken. Und, so der Vorsitzende der Bürgerstiftung: "Es braucht fachliche Expertise und viel Kompetenz." 80 Prozent der Menschen in Pflegeeinrichtungen litten unter Schmerzen, so Picken.

Professor Lukas Radbruch vom Lehrstuhl für Palliativmedizin der Uni Bonn pflichtete ihm bei: "Bei Krebspatienten denkt man sofort daran, aber bei Demenzkranken geschieht das eher nicht." Insbesondere an die Politik appellierte Picken, die Palliativmedizin zu einem festen Bestandteil in Alteneinrichtungen zu machen. "Dabei sparen wir Geld, weil die Menschen dann nicht mehr ins Krankenhaus kommen. Und aus diesem Spareffekt muss zusätzliches Geld in die Pflegekasse fließen. Das ist ein Gebot der Logik und Humanität", sagte Picken unter großem Beifall. "Beeindruckt von den Ideen", zeigte sich die Vertreterin des Bundesgesundheitsministeriums, Regina Kraushaar. Allerdings räumte sie auch ein: "Politik ist die Kunst des Möglichen."

Eine Akademisierung der Pflege forderte Nadja Nestler vom Institut für Pflegewissenschaft der Paracelsus-Privatuniversität in Salzburg. Der Anspruch auf ganzheitliche Pflege, so Nestler, sei ein hehrer Anspruch, aber "die Komplexität der Aufgaben erfordere pflegerische Experten." Anders ausgedrückt: "Es braucht die Hospizschwestern in den Heimen", so Picken. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Klaviervortrag mit dem Titel "Das Sterben leben" von Professor Andreas Kruse vom Lehrstuhl für Gerontologie der Uni Heidelberg. der Überlegungen zu "Palliative Care" am Beispiel der Komposition und der Biografie von Johann Sebastian Bach präsentierte. (hjk/wem)