Drachensteinpark

Anwohner wollen Charme erhalten

Leer steht die ehemalige Residenz des algerischen Botschafters am Rande des Drachensteinparks. Anwohner fürchten Verkauf und Abriss des Gebäudes und eine dichte Neubebauung des Areals.

MEHLEM. 600 Menschen haben inzwischen die Petition einiger Mitbürger unterschrieben. Sie alle wollen, dass der Charme des Drachensteinparks im Herzen Mehlems auch dann erhalten bleibt, wenn das Grundstück des algerischen Generalkonsulats nach dem zum Jahresende anstehenden Wegzug der Diplomaten nach Frankfurt in neue Hände kommen sollte.

Von allen in der Bezirksvertretung vertretenen Parteien erhalten die Bürger in ihrer Forderung nun Rückhalt. Die Stadtverwaltung äußert sich hingegen zurückhaltender.

Die Befürchtung der Anlieger geht dahin, dass es nach einem Verkauf der Botschafterresidenz zu einer neuen und engeren Bebauung kommen könnte. Deshalb fordern sie konkret, dass die geltenden planungsrechtlichen Festsetzungen des Bebauungsplans bekräftigt werden und wünschen sich dafür eine Garantie.

"Wir wollen eine schleichende Veränderung verhindern und sind angesichts der Erfahrungen mit vorhabenbezogenen Bebauungsplänen andernorts misstrauisch geworden", trug einer der Initiatoren des Bürgerantrags jetzt in der Bezirksvertretung vor. Sigrun Scharf vom Bauamt der Stadt stellte in der Sitzung klar, dass der Verwaltung bis dato keine Anfragen interessierter Bauherren für das Botschaftsareal vorlägen.

Mit Blick auf den gültigen Bebauungsplan erklärte sie, dieser ermögliche in der Tat eine "relativ große Baufläche", auf der eine zweigeschossige Bauweise zuzüglich einem Staffelgeschoss möglich wäre. Auf Bitten der Bezirksbürgermeisterin sagte Scharf zu, die Bezirksvertretung an dem Verfahren zu beteiligen, sobald bei der Verwaltung ein Interessent vorstellig wird. "Mit Blick auf die Herstellung von Rechtssicherheit erwarten wir, dass die Festsetzungen des Bebauungsplans auch in Zukunft vollumfänglich einzuhalten sind und keinerlei Ausnahmen und Befreiungen genehmigt werden", schreiben die Anlieger in ihrem Bürgerantrag, in dessen Forderung sie ausdrücklich auch den gesamten Baumbestand einbeziehen.

"Wir können das Anliegen der Bürger gut nachvollziehen und unterstützen es", sagte Philipp Lerch (CDU). "Der Bürgerantrag trifft den Nagel auf den Kopf", meinte Ralf Jochen Ehresmann (Linke), ähnlich äußern sich Hillevi Burmester (SPD) und Monika Heinzel (Grüne). Sie beklagte zudem, dass sich gerade entlang des Rheinufers die "Einheitsarchitektur" immer mehr durchsetze. "Wir müssen dem Einhalt gebieten", sagt Heinzel.

Einzig Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn) mochte in diesen Chor nicht einstimmen. Er wertete den Vorstoß der Bürger als ein schlechtes Zeugnis für Rat und Verwaltung: "Dass Bürger nun schon präventiv Anträge zur Einhaltung von Bebauungsplänen stellen, zeigt doch nur, wie groß das Misstrauen ist", sagte Schmitt. In Richtung der anderen Fraktionen drückte er seine Verwunderung darüber aus, wie einhellig diese den Bürgerantrag unterstützen; bei anderen aktuellen Bauprojekten in Bad Godesberg, so Schmitt sinngemäß, hätten sie nicht so viel Fürsorge gezeigt.