Glosse: Zu laut geschält

Anwohner beschweren sich über Spargelschälmaschine in Bonn

Eine Spargelschälmaschine. (Symbolfoto)

Eine Spargelschälmaschine. (Symbolfoto)

BAD GODESBERG. Im Obsthof Schneider ist die Spargelschälmaschine schon vor dem sogenannten Spargelsilvester am 24. Juni verschwunden. Nachbarn war sie zu laut.

Sie ist weg, weg - und ich schäl wieder allein, allein. So oder so ähnlich werden wohl viele Kunden des Obsthofs Schneider an der Servatiusstraße in Anlehnung an das Lied der Fanta 4 gedacht haben. Während die Spargelsaison sozusagen auf die Zielgerade einbiegt, ist die Spargelschälmaschine schon vor dem sogenannten Spargelsilvester am 24. Juni, dem Johannistag, verschwunden.

Während das Ende der Spargelzeit einen ganz praktischen Grund hat - würden die Bauern länger Spargel stechen, könnten die Pflanzen keinen grünen Busch mehr austreiben und die nächste Ernte fiele womöglich knapper aus oder wäre sogar gefährdet - erscheint das Verschwinden der Schälstraße den Fans des gehypten Gemüses eher unpraktisch. Statt die Stangen in Windeseile hintereinander durch das Gerät zu schieben, müssen sie nun wieder zum Sparschäler greifen, um das "weiße Gold des Vorgebirges", wie einer unserer Kollegen die Stangen liebevoll nennt, von Hand zu schälen.

Warum das so ist, erhellt eine Nachfrage beim freundlichen Verkaufspersonal. Der Lärm, die Nachbarn. Verblüffend, steht der Obststand und damit auch die Schälmaschine doch an der überdimensioniert ausgebauten und ziemlich befahrenen Servatiusstraße. Ist Spargelschälen lauter als Verkehrslärm? Ein Gutachter soll schon das Gegenteil gemessen haben. Aber die Mühlen der Behörden mahlen langsam. Langsamer als der Spargel wächst. Deshalb dürfte die diesjährige Saison selbstgeschält zu Ende gehen.

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt", wusste schon Friedrich Schiller. Wer der Fromme, wer der Nachbar ist, das liegt — wie so oft — im Auge des Betrachters. Oder was meinen Sie?