Guerilla-Knitting

Andreasschule verschönert Außenanlagen

Eine ganze Schule strickt: Youssef, Ilias, Jona und Marla (von links) hängen eine kleine Auswahl von dem, was in den vergangenen Wochen entstanden ist, schon mal Probe.

RÜNGSDORF. Schulen brauchen mehr Geld. Das Problem ist wohl bundesweit bekannt und lässt Lehrer wie Rektoren oft verzweifeln. Gerade Sanierung und Instandhaltung werden knapp bezuschusst, den Wunsch nach Verschönerung muss man wohl gar nicht erst äußern.

Auf eine kreative Lösung ist da die GGS Andreasschule in Rüngsdorf gekommen: Zwei Wochen lang stricken und häkeln die Kinder in einer Projektwoche mit Hilfe von Lehrern und Eltern, um das Handgearbeitete dann an Geländern, Bäumen und Zäunen anzubringen.

"Guerilla-Knitting" heißt diese Kunstform, mit der man ganz einfach ein bisschen Farbe ins Spiel bringen kann, und die in Deutschland seit etwa drei Jahren bekannt ist. "Ursprünglich war das Ganze die fixe Idee einer Mutter", sagt Lehrerin Isabel Beck. "Ein Vater vermittelte uns dann den Kontakt zum Projekt "Aachen strickt schön" und dem Aachener Wollgeschäft Görg&Görg, die uns neben dem Knauber Baumarkt Unmengen von Wolle, Stricknadeln, Stricklieseln und sonstiges Material zur Verfügung gestellt haben. Ich glaube, das ist das spontanste Projekt, was wir je auf die Beine gestellt haben", lacht sie.

Doch Spontaneität ist manchmal genau der richtige Weg. Morgens in der Freiarbeitszeit von 8 bis 9.30 Uhr und nachmittags wird in jeder Klasse an dem Projekt gearbeitet. Die Kleinsten beginnen mit Fingerstricken und Pompons, die Größeren stricken schon ganze Schals, Decken oder auch Blumen. "Sowohl bei den Eltern, die morgens beim Stricken mithelfen, als auch bei den Schülern finden sich immer wieder erstaunliche Talente", sagt Direktorin Dorothea Paschen.

Auch während der Feiertage sie zu Hause fleißig weitergestrickt worden, selbst im Lehrerzimmer werde in den Pausen nun wieder zur Strick- und Häkelnadel gegriffen. "Das ist einfach super entspannend", lacht sie. Doch gerade bei den Kindern fördere die Handarbeit auch die Konzentration und die Wertschätzung von selbst Gemachtem. Auch seien schon klassenübergreifend neue Kontakte geknüpft worden, es wird sich gegenseitig unterstützt und beraten. Spaß und Elan brächten die Schüler jeden Tag aufs Neue mit.

Ende der Woche sollen die Stücke dann gesammelt und in der Turnhalle ausgelegt werden. Mit den Kindern der größeren Klassen werden die fertigen Arbeiten dann an ihrem jeweiligen Platz angebracht. "Wir hängen ja jetzt nicht einfach Wolle in die Bäume, das Ganze geschieht schon im Rahmen eines künstlerischen Konzepts", meint Dorothea Paschen. Und das scheint zu überzeugen. "Der Anklang ist unglaublich. Eltern, Schüler, Lehrer, alle haben toll geholfen, wo sie konnten. Das Projekt wird auf jeden Fall im kleineren Rahmen weiter fortgesetzt."