Auszeichnung für Kirchenausschuss

Alte Tomatensorten gegen das Artensterben

BfN-Vizepräsident Thomas Graner überreicht die Auszeichnung den Mitgliedern des kirchlichen Umweltausschusses.

BfN-Vizepräsident Thomas Graner überreicht die Auszeichnung den Mitgliedern des kirchlichen Umweltausschusses.

Muffendorf. Die Jahresaktion „Vielfalt schmeckt - Alte Arten und Sorten erhalten“ des Sachausschusses Schöpfung und Umwelt hat eine Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt bekommen.

Die Artenvielfalt auf der Erde nimmt immer weiter ab, die Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten wird immer länger, und das nicht nur dort, wo der Regenwald abgeholzt wird. Thomas Graner vom Bundesamt für Naturschutz betonte am Sonntag im Pfarrzentrum Sankt Martin, „dass auch wir es national nicht geschafft haben, den Verlust unserer biologischen Vielfalt aufzuhalten“. Umso mehr freute es den BfN-Vizepräsidenten, dass es in Muffendorf Menschen gibt, die dem entgegenwirken.

Gemeint ist der Sachausschuss Schöpfung und Umwelt (SchuU): Dessen Jahresaktion „Vielfalt schmeckt - Alte Arten und Sorten erhalten“ ernannte Graner, wie berichtet, zum „Ausgezeichneten Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“. Es habe einen „Vorzeigecharakter auf lokaler Ebene“. Dieses Prädikat tragen deutschlandweit rund 250 Projekte.

Der Sachausschuss, der der katholischen Kirchengemeinde Sankt Martin und Severin angehört, hatte im Frühjahr 2016 im Rahmen der Jahresaktion alte heimische Tomaten-Unterarten gezogen und an die Gemeindemitglieder verteilt, darunter Winter-, Silber- und rote Wildtomate.

Das kam so gut an, dass es in diesem Jahr wiederholt wurde: Am Sonntag nahmen viele Besucher, die nach dem Gottesdienst die Preisverleihung miterlebten, Pflänzchen mit nach Hause. Die seien samenfest, erklärte Moderatorin Sabina Schroeter-Brauss, die Tomatensamen könnten und sollten also wieder eingepflanzt werden.

Und die Ausschussmitglieder animieren die Menschen, auch ältere Apfelsorten und anderes anzupflanzen. Für Graner ist das eine wertvolle Maßnahme gegen die „Verarmung des Genpools bei Nutzpflanzen“, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft vorangetrieben werde.

Der Ausschuss wurde laut Mitglied Thomas Großmann vor zwölf Jahren ins Leben gerufen. „Wir glauben, dass wir, wenn wir von der Schöpfung Gottes sprechen, die Verpflichtung haben, sie zu erhalten“, sagte er. Der Ausschuss hat zehn Mitglieder, ist aber offen für Interessenten und hat jede Menge Unterstützer im Seelsorgebereich Bad Godesberg. Die Auszeichnung der Vereinten Nationen ist schon die dritte nach 2011 (Bonner Klimabotschafter) und 2012 (Anton-Roesen-Preis des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln).

Der Ausschuss verteilt aber nicht nur Tomatensetzlinge, sondern kümmert sich allgemein um eine saubere Umwelt in den Bereichen Ernährung, Energie, Kleidung, Mobilität und Beschaffung. Dazu organisiert der Ausschuss jährlich eine Kampagne, etwa zum Thema Ökostrom, gegen Lebensmittelverschwendung und für fair gehandelte Kleidung.

Er unterstützte den Einbau einer Holzpellets-Heizung in Sankt Martin, richtete Nistgelegenheiten für bedrohte Vogelarten ein, organisiert Vortragsveranstaltungen und vieles mehr. Mehr als 100 Muffendorfer waren zur Auszeichnung gekommen. Sie erlebten auch einen Vortrag von Julia Seeberg über Aussagen von Papst Franziskus zur biologischen Vielfalt und Musik von den Zwillingen Dennis und Marvin Ledermann.