Neuausrichtung

Aloisiuskolleg in Bad Godesberg stellt eigenes Schulprogramm vor

Blick auf den Schulhof des Aloisiuskollegs.

Blick auf den Schulhof des Aloisiuskollegs.

Bad Godesberg. Das traditionsreiche, aber auch krisengeschüttelte Aloisiuskolleg (Ako) hat erstmals ein eigenes Schulprogramm erarbeitet. Die Schulleitung hat es am Montagabend bei einer Feierstunde mit rund 100 Gästen vorgestellt.

Was die Förderung von Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft angeht, waren die meisten Schüler des Aloisiuskollegs (Ako) vor drei Jahren mehr als zufrieden. Anders sah es bei der Leistungsbewertung im Unterricht aus, die nur 55 Prozent der Jugendlichen als gerecht bezeichneten. „Das reichte uns nicht“, sagte Schulleiter Manfred Sieburg. Mit der Befragung von Gymnasiasten, Eltern und Lehrern nahm 2015 die Entwicklung des neuen und ersten Schulprogramms am Ako Fahrt auf.

Eine gehörige Portion Stolz aufs Schulprogramm war zu spüren, der gut ein Meter hohe Stapel mit den ersten druckfrischen Exemplaren war bis zur feierlichen Enthüllung mit einem weißen Laken bedeckt. Los ging alles 2012, als Sieburg mit dem Willen an die Schule kam, sie zu verändern. Die Erarbeitung des Schulprogramms hat laut Sieburg nichts mit den dokumentierten Missbrauchsfällen der Vergangenheit zu tun. Es trägt viel mehr den Anforderungen an eine, auf die Zukunft ausgerichtete Schulgemeinschaft Rechnung.

„Wer den Unterricht verändern will, muss mehr als den Unterricht verändern“, zitierte der Schulleiter den Erziehungswissenschaftler Hans-Günter Rolff. Heutzutage würde nicht mehr das Kultusministerium die Marschrichtung bei der Schulentwicklung vorgeben. „Es geht hin zur Einzelschule als Motor der Entwicklung“, sagte Sieburg.

Mit seiner Ankunft an der Elisabethstraße 2012 begann eine erste Steuerungsgruppe mit der Zusammenstellung des „Du…“-Flyers, dem 2014 erschienenen Ako-Leitbild, das jedes einzelne Kind in den Blick nahm. Es folgte ein Jahr später die Befragung aller Schüler, Eltern und Lehrer, um herauszufinden, wo es läuft und wo nicht. Als Moderatorin begleitete Ulrike Gentner vom Zentrum für Ignatianische Pädagogik (ZIP) der Jesuiten den Prozess.

Didaktische Vielfalt und Toleranz

An erster Stelle steht im Konzept nun der Unterricht, das Kerngeschäft jeder Schule. Er soll effizient sein und voll didaktischer Vielfalt. Aber auch Respekt und Toleranz nehmen laut Sieburg am Ako einen hohen Stellenwert ein. Die Schüler sollen fächerverbindend lernen und auch Rückmeldung geben können. Diese Ziele und viele weitere sollen nun in der Praxis umgesetzt werden, so die Schulleitung. Dazu gehöre zum Beispiel auch – im Nachklapp zur Bonner UN-Klimakonferenz COP 23 – ein Konzept, verstärkt mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen.

Die neue Broschüre beschäftigt sich mit Nachhilfe, Beschwerdewegen, Kommunikation, Zusammenhalt und Cura Personalis (Sorge für den Einzelnen), das einen Kollegsseelsorger, Beratungslehrer, Lerntherapeuten und ein Anti-Mobbing-Team beinhaltet. Themen sind auch Mitwirkung, Freizeit, Projekte, internationaler Austausch etwa in Marseille, Eton und beim European Youth Echange Project (EYE) der Jesuiten.

„Das Programm ist aus der Mitte der Schule heraus gewachsen“, sagte Ako-Rektor Pater Martin Löwenstein. „Es soll jetzt umgesetzt werden in gelebte Wirklichkeit.“ Sieburg gab zu, dass die vergangenen Jahre manchmal anstrengend waren: „Aber es ist geschafft.“

Den Festakt in der Rotunde gestalteten Gymnasiasten mit Musik und Redebeiträgen. Alle Schüler erhalten ihr Exemplar am kommenden Freitag bei einer Versammlung. Wer sein Kind am Ako anmeldet, erhält auch ein Heft. Ein Download ist auf www.aloisiuskolleg.de möglich, wo es auch weitere Infos zu Schule gibt.