Marienforster Kirche

Abschied von der „schönen Braut“

Bad Godesberg. Ein letztes Mal feierte am Sonntagnachmittag die evangelische Johannes-Kirchengemeinde Abendmahlgottesdienst in ihrer Marienforster Kirche, die sie, wie berichtet, an die Russisch-Orthodoxe Gemeinde Bonn verkauft hat.

Und der Schmerz über den Verlust „eines Stücks Heimat“ war vielen Menschen in dem noch einmal vollen Gotteshaus ins Gesicht geschrieben. „Das ist meine Kirche, in der ich konfirmiert, getraut und in der meine Tochter getauft wurde“, blickte Presbyterin Gundi Kalitzke für viele trauernd zurück. „Diese Kirche nennen die Anwohner schön wie eine Braut“, fügte Seniorenbetreuerin Lili Krieger hinzu. Hier sei der Geist der ersten Pfarrer Klaus Lohmann, Theo Brandt und Klaus Kohl noch spürbar, ergänzte Lore Weick. „Aber wir sind bei allem Leid froh, dass unsere Kirche in gute Hände einer christlichen Gemeinde geht“, resümierte Kalitzke.

Eine einst 10000-köpfige Gemeinde müsse sich, wenn sie jetzt nur noch 4000 Mitglieder zähle, schweren Herzens von einer ihrer vier Kirchen trennen, erläuterten noch einmal die Pfarrer Jan Gruzlak und Reiner Fincke, warum sie dieses Gotteshaus entwidmen lassen mussten. Man sei aber glücklich, dass „die guten Hände“ die des orthodoxen Pfarrers Eugen Theodor und seiner 3000-köpfigen Bonner Gemeinde Mariä Schutz seien, begrüßten Gruzlak und Fincke den kommenden Hausherrn. Pfarrer Theodor dankte wiederum sehr, dass die Protestanten seiner Gemeinde von Anfang der Verhandlungen an mit Offenheit und Akzeptanz begegnet seien und ihr Unterschlupf gewährt hätten. „Die Türen dieser Kirche bleiben immer für Sie offen, etwa auch für Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen“, rief er der Gemeinde zu. „Lassen Sie uns eine gute Ökumene gestalten.“

Ein Impuls für Freundschaft

Woraufhin Mathias Mölleken, Superintendent des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel, Pfarrer Theodor für die „geschwisterliche Gastfreundschaft“ dankte. Dieser Gottesdienst möge den Impuls für deutsch-russische Freundschaften geben, hoffte Pfarrer Fincke. Er wies auf seine Initiative hin, den Marienforster und Schweinheimer Protestanten in der Rigal'schen Kapelle mit besonderen Gottesdiensten auch eine recht nahe Alternative zu bieten. Frische Ideen seien dafür herzlich willkommen. Das schwere Taufbecken, das Friedenskreuz und die Statue vom Außenbereich werde man dieser Tage an die Johanneskirche transportieren, kündigte Gruzlak an. Und lud ein, sich am Dienstag, 23. Mai, ab 18.30 Uhr daran zu beteiligen, das massive riesige Altarholzkreuz vom Draitschbusch durch die Straßen über die Kurfürstenallee an die Pennenfelder Johanneskirche zu tragen. Was dann unter 50 Jahre Marienforster Kirche in evangelischer Hand den Schlussstrich ziehen wird.

Eine neue Seite in der Gemeinde schlägt wiederum der frisch gegründete Schöpfungskreis auf. „Wir sind eine gewünscht bunte Truppe an Kirchenfernen und Insidern, jung gebliebenen Senioren und sportlichen Aktivisten, die konkret etwas für die Natur tun wollen“, machte Pfarrer Gruzlak bekannt. Schnell hätten sich Vernetzer, Pragmatiker und Spirituelle herauskristallisiert. Mit im Boot seien auch Richard Brand, Umweltreferent der Rheinischen Landeskirche, und Laura Krebs, Familienbeauftragte des Quartiersmanagements Pennenfeld. Die Pragmatiker würden demnächst ein Jugendprojekt und die Spirituellen einen Schöpfungsgottesdienst installieren.

„Ich freue mich über zusätzliche Power und kreatives Unruhepotenzial, weil sich auch Konfirmanden- und Taufeltern werben ließen, mit deren Knowhow unsere Projekte noch grüner aufgestellt werden“, sagte Gruzlak. Beim nächsten Termin will sich der Kreis zahlenmäßig verdoppeln und einen Zeitplan für Vorhaben aufstellen.

Kontakt:jan.gruzlak@johannes-kirchengemeinde.de.